Deutscher Gewerkschaftsbund

Weltweite Beschlusslage - Die DGB-Bundesjugendkonferenz steht an

Logo Zukunft gemeinsam gestalten

"Zukunft gemeinsam gestalten" lautet das Motto der 19. DGB-Bundesjugendkonferenz. Das große Treffen findet vom 8. bis 10. November 2013 in Berlin statt.

Ich wünsche mir eine Weiterführung und gute neue Ideen für meine Arbeitsbereiche: Jugendbildung, Antifaschismus und Israel-Austausch. Wichtig ist mir, dass wir an unsere Erfolge im Antifa-Bereich anknüpfen, den gelungenen ›Blickpunkten‹ und der Mobilisierungs- und Bündnisarbeit etwa zu Dresden" - DGB-Jugend-Bildungsexperte Marc Neumann hat hohe Erwartungen an die 19. DGB-Bundesjugendkonferenz. Wie er werden viele Aktive mit besonderem Interesse auf die Diskussionen und Ergebnisse der großen Versammlung der Gewerkschaftsjugend sehen.

Und Spannung ist garantiert - dreht die Gewerkschaftsjugend doch dieses Mal ganz sprichwörtlich ihren eigenen Film: Wenn sich die jungen GewerkschafterInnen vom 8. bis 10. November 2013 zu ihrer alle vier Jahre stattfindenden Bundeskonferenz treffen, werden sie dies in einem Kino tun, dem "Kosmos" in der - Achtung: Karl-Marx-Allee in Berlin. Der alte DDR-Prachtbau wird die 140 Delegierten der DGB-Mitgliedsgewerkschaften EVG, GdP, GEW, IG BAU, IG BCE, IG Metall, NGG und ver.di beherbergen, die sich vorgenommen haben, sage und schreibe 258 Anträge abzustimmen. Damit man nicht durcheinander kommt, sind die Beschlüsse thematisch nach Leitanträgen geordnet.

Es geht aber auch um viel: Schließlich wird in Berlin die Politik des Verbandes für die nächste Zukunft festgezogen. Zudem wurde gerade ein neuer Bundestag gewählt - mit ungewissen Auswirkungen. Welche Bedeutung haben Wahl und Koalitionsverhandlungen für die Gewerkschaftsjugend? Zu den schon bekannten Diskussionsvorlagen dürfte da durchaus noch der ein oder andere Initiativantrag kommen.

In welchem politischen Umfeld findet Jugend derzeit statt? Sicher, es gibt die, denen es echt gut geht. Junge Menschen mit guten Schulnoten, denen aufgrund der demografischen Entwicklung und Herkunft vermeintlich alle Türen offen stehen. Auf der anderen Seite stehen die ohne Schulabschluss, mit wenig materiellen Möglichkeiten. Der DGB-Ausbildungsreport konstatiert die Entstehung einer jugendlichen Zwei-Klassen-Gesellschaft. Eine solche Teilung des Zusammenlebens kann die Gewerkschaftsjugend niemals akzeptieren. Deswegen steht soziale Gerechtigkeit auch ganz oben auf der Konferenz-Agenda - nicht nur in nationalem, sondern auch in europäischem Rahmen. Kann ja sein, dass es der deutschen Wirtschaft ganz gut geht - auf die junge Generation in Europa trifft dies mit Sicherheit nicht zu: Arbeitslosigkeit, Prekarität und verstellter Zugang zu Bildung und Ressourcen dominieren den Alltag. Die Gewerkschaftsjugend wird sich angesichts weltweiter Armut positionieren müssen.

Zahlreiche Gäste werden die Delegierten bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützen. Der DGB-Chef Michael Sommer wird zur Konferenzeröffnung kommen, ebenso wie seine Stellvertreterin Elke Hannack. PolitikerInnen werden grüßen wie auch die VertreterInnen vieler Jugendverbände. Und natürlich ist eine Delegation des israelischen Gewerkschaftsverbandes Histadrut eingeladen. Gefilmte Geschäftsberichte - wir sind schließlich im Kino - und einige Aktionen unter der Flagge "Jugend macht Ansagen" sind zu erwarten.


DGB-Bundesjugendkonferenz: Die Leitanträge

A: Gute Bildung
Bildung ist ein Menschenrecht und muss daher allen Menschen offen stehen und ihnen unabhängig von der sozialen Herkunft, der Staatsbürgerschaft, ethnischem Hintergrund, körperlicher Verfassung, Geschlecht oder religiösen Überzeugungen gleiche und nachhaltige Chancen und Bildungszugänge bieten. Diesem Anspruch wird das Bildungssystem in Deutschland bei weitem nicht gerecht. Die Gewerkschaftsjugend steht für ein sozial integratives, inklusives und emanzipatorisches Bildungssystem. Bildungsgebühren jeglicher Art, ob Schulgeld, Kita- oder Studiengebühren, werden strikt abgelehnt. Alle Bildungsangebote müssen so ausgestaltet werden, dass sie auch tatsächlich genutzt werden können. Die DGB-Jugend will eine Schule für alle, Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit des Bildungssystems und die Verbesserung der Qualität an allgemeinbildenden, berufsbildenden und Hochschulen.

B: Gute und sichere Arbeit
Übergang und Einstieg in die Arbeitswelt müssen fair und gesichert sein. Denn dies ist schlichtweg die Voraussetzung für eine eigenständige und eigenverantwortliche Lebensgestaltung in unserer Gesellschaft.

C: Eine soziale Welt
Mit der Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ein bisher unbekanntes Ausmaß angenommen und zählt zu den drängendsten Herausforderungen der Politik. Konstruktives Zusammenleben wird nur unter ökologischen und nachhaltigen Bedingungen funktionieren. Die Gewerkschaftsjugend wird diskutieren, wie man auf nationaler und internationaler Ebene Kriterien des guten Lebens entwickeln kann.

D: Die solidarische und offene Gesellschaft
Antirassistische Arbeit ist ein notwendiger Schwerpunkt der DGB-Jugend. Als ein wichtiges Element demokratischen Engagements fordert die Gewerkschaftsjugend das Verbot aller faschistischen Parteien und Organisationen.

E: Eine schlagkräftige Gewerkschaftsjugend
Die DGB-Jugend steht für Freiheit, Gleichheit, Solidarität und die Verwirklichung aller individuellen und kollektiven Menschenrechte,  einschließlich des Rechtes auf Vereinigungsfreiheit und auf Gründung von Gewerkschaften weltweit. Sie kämpft für eine gerechte und demokratische Welt und Weltwirtschaftsordnung, für die Aufhebung jeglicher Form von Ausbeutung und Unterdrückung. Mit diesem Leitantrag soll eine umfassende Diskussion über die richtigen Strategien geführt werden - wie diese Ziele am besten zu erreichen sind.


(aus der Soli aktuell 10/13, Autor: Soli aktuell)