Deutscher Gewerkschaftsbund

Die neue Zweiklassengesellschaft

Die DGB-Jugend stellt in ihrem Ausbildungsreport 2013 fest: Der Ausbildungsmarkt ist für junge Menschen zunehmend gespalten.

Ungleiche Chancen
Es droht eine Zweiklassengesellschaft bei der Ausbildung in Deutschland: Zu diesem Ergebnis kommt der achte Ausbildungsreport, den die DGB-Jugend im September 2013 in Berlin vorgestellt hat.

Was ist gemeint? "Ein Teil der Jugendlichen, vor allem jener mit gutem Schulabschluss, profitiert von der demografisch bedingten leichten Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt", sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. Denen falle es leichter als noch vor wenigen Jahren, einen Ausbildungsplatz zu finden. "Für die anderen erhöht sich dagegen das Risiko, dauerhaft vom Ausbildungsmarkt ausgeschlossen zu bleiben." Deutliches Anzeichen: der hohe Anteil junger Menschen ohne qualifizierenden Berufsabschluss.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack kritisiert, dass gerade einmal zwei Drittel der Ausbildungsinteressierten überhaupt in Ausbildung kommen: "Die anderen werden mit Alternativen und Abstellgleisen abgespeist, zum Beispiel den Maßnahmen im Übergangsbereich - im Jahr 2012 waren 266.000 junge Menschen betroffen. 1,4 Millionen Jugendliche zwischen 20 und 29 haben keine Ausbildung und keinen berufsqualifizierenden Abschluss."

Gespalten ist der Ausbildungsmarkt auch, wenn es um die Ausbildungsbedingungen, die Vergütung und Chancen von jungen Frauen und Männern geht. Während männliche Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr durchschnittlich 716 Euro verdienen, liegt dieser Wert bei den vorwiegend weiblich dominierten Berufen mit durchschnittlich 628 Euro deutlich niedriger.

Ausbildungsbetriebe Fehlanzeige
Das ganz große Ärgernis aber ist die sinkende Anzahl ausbildender Betriebe. Ihr Anteil ist mittlerweile herunter auf 21,7 Prozent - kein Wunder, dass auch die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge erneut zurückgegangen ist. Sie lag im Jahr 2012 bei 551.272 - der niedrigste Wert seit 2005. "Weniger ausbildende Betriebe, weniger Ausbildungsverträge - das passt einfach nicht zusammen mit den Klagen mancher Betriebe und Branchen über den drohenden Fachkräftemangel. Wer nicht sät, kann auch nicht ernten", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Themenschwerpunkt der Befragung waren dieses Mal der Einstieg in die Ausbildung und die Perspektiven danach. Etwa ein Drittel der befragten Auszubildenden konnte die Ausbildung im Wunschberuf beginnen und über 40 Prozent in einem von mehreren für sie interessanten Berufen. Knapp ein Viertel macht allerdings die Ausbildung in einem Beruf, der eigentlich nicht geplant war. Auch hier ist die Situation für Frauen schwieriger: 29,5 Prozent sind in ihrem Wunschberuf untergekommen, bei den Männern waren es 36,2 Prozent.

Übernahme und Ausbildungsqualität
Die Hoffnung auf eine Übernahme nach der Ausbildung erfüllt sich keineswegs für alle. Von den Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr hatten lediglich 40 Prozent eine Zusage für eine Übernahme und etwa 14 Prozent wussten, dass sie nicht übernommen werden. Die restlichen 45 Prozent hatten noch keine Auskunft. Die DGB-Jugend fordert seit langem eine unbefristete Übernahme von Auszubildenden.

Insgesamt zeigt der Ausbildungsreport leichte Verbesserungen bei den Ausbildungsbedingungen, obwohl ausbildungsfremde Tätigkeiten häufig sind, aber auch eine leichte Zunahme der Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz. "Man sieht, dass schlechte Ausbildungsbedingungen Konsequenzen haben: Restaurantfachleute, die in der Vergangenheit bei der Bewertung immer auf den letzten Plätzen landeten, sind aus der Liste der 25 häufigsten Ausbildungsberufe rausgeflogen", sagt Haggenmiller.

18.649 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 häufigsten Ausbildungsberufen haben sich an der Befragung der Gewerkschaftsjugend beteiligt - das sind 6.500 mehr als letztes Jahr.


Den kompletten Report gibt’s auf http://jugend.dgb.de/-/iDG

(aus der Soli aktuell 10/13, Autorin: Soli aktuell)