Deutscher Gewerkschaftsbund

Neue gewerkschaftliche Jugendstudien: Prekäres Bewusstsein dominiert

Neue Studien der Gewerkschaften zeigen: Die Jugend hat wenig Vertrauen in die Politik - und wünscht sich Arbeitsplatzsicherheit.

Die Politik kümmert sich kaum um die junge Generation - das ist eines der Ergebnisse einer Studie im Auftrag der IG Metall. Rund 1.000 Beschäftigte im Alter von 14 bis 34 Jahren wurden befragt. Vor allem die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist für viele Junge unbefriedigend. Konkret sind daher auch nur noch sechs von zehn StudienteilnehmerInnen mit ihrer beruflichen Entwicklung zufrieden. Seit dem Vorjahr ist dieser Wert um nahezu zehn Prozent gesunken und so niedrig wie noch nie seit Beginn der Befragung 2009. Inzwischen sei den meisten Jungen klar: Die lange Phase der beruflichen Unsicherheit beim Einstieg ins Berufsleben - prekär, viele Brüche, schlecht bezahlt - ist von der Ausnahme zur Regel geworden. Das mache junge Menschen zu Recht unzufrieden - vor allem mit den politisch Verantwortlichen. Die Parteien kommen daher schlecht weg.

Die MetallerInnen warnen: Prekäre Beschäftigung schadet nicht nur den Betroffenen, sie beschädigt auch die Demokratie: Wenn die Parteien den unsozialen Auswüchsen des Arbeitsmarktes untätig gegenüberstehen, überrascht es nicht, dass junge Menschen in unsicheren Jobs der Regierung ein schlechtes Zeugnis ausstellen und sich am Ende im Stich gelassen fühlen. "Mit Befristungen, Leiharbeit und Werkverträgen für die jungen Beschäftigten steuern Unternehmen und Politik in die falsche Richtung. Es ist auch eine Frage der Generationengerechtigkeit, die Verhältnisse wieder geradezurücken", sagt der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel.

Auch die IG BCE wollte wissen, was die junge Generation denkt. Und fand heraus: Erfolgsdruck, Angst vor Arbeitslosigkeit und niedrige  Löhne bereiten der Jugend die größten Sorgen. 2.735 junge Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren beteiligten sich an dieser Studie, über die Hälfte Auszubildende. Denn: "Ihre Sicht im Ausbildungs- und Arbeitsleben kommt häufig zu kurz oder wird nur unzureichend beleuchtet", wie Edeltraud Glänzer vom IG BCE-Hauptvorstand sagt.

Das Kriterium "Arbeitsplatzsicherheit" ist für 81 Prozent der Befragten "sehr wichtig". Es folgen "Arbeitsatmosphäre" (72 Prozent) und "Weiterbildung" (55 Prozent). "Die Angst vor Perspektivlosigkeit sitzt tief, schließlich geht es um die persönliche Zukunft jedes Einzelnen", sagt etwa die Konzernvorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der Schott AG, Nadine Kirschhoch. Dass fast alle Auszubildenden dort für die unbefristete Übernahme im Konzern gestimmt hätten, bestätige die Wichtigkeit dieses Themas. Und der Konzern hat reagiert: Ein neu abgeschlossener Haustarifvertrag mit einer dreijährigen Laufzeit sieht im Grundsatz die unbefristete Übernahme aller Azubis vor.

Der Aussage "Gewerkschaften haben eine wichtige Rolle in der Wirtschaft" stimmen drei von vier Befragten zu. Die IG- BCE-Jugend nehmen dabei 82 Prozent positiv wahr (zum Vergleich: Parteien: 26 Prozent, Bundesregierung: 25 Prozent).

Welche Personen sich konkret am Arbeitsplatz für die Interessen des Nachwuchses einsetzen, ist jungen ArbeitnehmerInnen demnach bewusst: 85 Prozent kennen die JAVen. Weil sie in den Betrieben die Qualität der Ausbildung im Blick haben.


Die IG Metall-Ergebnisse: http://tinyurl.com/IG-Metall-Jugendstudie-2013

Die IG BCE-Jugendstudie: www.igbce.de/download/55620-54078/1/jugendstudie.pdf


(aus der Soli aktuell 10/13, Autor: Soli aktuell)