Deutscher Gewerkschaftsbund

Skandal im Einzel(miss)handel

Blonder Mann mit Jugend-macht-Ansagen-Logo im Hintergrund

Foto: J. Kiontke

Beim Discounter-Konzern Aldi Süd sollen Azubis gefesselt und bedroht worden sein. DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller zu einem besonders krassen Fall von Ausbildungsunzufriedenheit.

Azubis werden von Vorgesetzten oder Kollegen mit Folie gefesselt, mit Filzstift besudelt… Aldi Süd liegt derzeit vorn im Einzel(miss)handelssektor. Hast du von solchen Sachen schon mal gehört?
Ich kann sagen, dass eine ungerechte Behandlung in der Ausbildung nicht die Regel ist. Das sind Einzelfälle. Aber davon gibt’s einige. Laut DGB-Jugend-Ausbildungsreport werden 5,3 Prozent der Befragten in der Ausbildung ungerecht behandelt. Bei Gewalt, Ausüben von Druck, Psychoterror, da hört‘s absolut auf.

Was können Azubis tun, wenn sie sich schlecht behandelt fühlen?
Bei unserem Beratungsportal "Dr. Azubi" können junge Auszubildende uns ihre Frage direkt stellen und erhalten binnen 48 Stunden eine Antwort - inwieweit sie Unterstützung bekommen und von wem. Ich würde jedem Auszubildenden empfehlen, das Problem beim Vorgesetzten anzusprechen. Wenn das aber nicht hilft und auch mit einer Fristsetzung nicht verändert wird, dann rate ich, zum Betriebsrat oder zur Jugend- und Auszubildendenvertretung zu gehen. Und auf alle Fälle zur Gewerkschaft. Wir haben zum Beispiel immer wieder damit zu tun, dass es bei der Ausbildungsqualität von jungen Köchen ein riesengroßes Problem gibt - dass die ziemlich viel Stress ausgesetzt werden. Und wenn man dann hört, dass 40 Prozent der Köche ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig auflösen, hat das natürlich damit zu tun.

Was müssen die Betriebe machen?
Die sollten unbedingt ihre Ausbildungsqualität checken. Wir messen das an unterschiedlichen Stellschrauben wie zum Beispiel Überstunden. Inwieweit bekommt man hier einen Ausgleich? Inwieweit wird gegen klare Regelungen verstoßen, zum Beispiel gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz? Wir schauen uns an, inwieweit ein Ausbilder auch dann dem Auszubildenden zur Verfügung steht, wenn er Fragen hat.


Der Fall
Skandal bei Deutschlands größtem Discounter: Ein Aldi-Manager soll laut Medienberichten zusammen mit anderen MitarbeiterInnen Azubis misshandelt haben. Demnach wurden missliebige Nachwuchskräfte in einem Zentrallager im baden-württembergischen Mahlberg mit Frischhaltefolie gefesselt und im Gesicht mit Filzstiften beschmiert. Außerdem wurde mit einem Aufenthalt im Tiefkühlraum (-20 Grad) gedroht. Der Konzern reagierte bestürzt - und bestätigte die Vorwürfe. Ein Indiz dafür, dass die Praktiken schon länger stattfinden, wie das Magazin "Spiegel" mutmaßt? Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft, das Aldi-Management soll mit den TäterInnen schon Aufhebungsverträge ausgehandelt haben.


(aus der Soli aktuell 10/13, Autor: Soli aktuell)