Deutscher Gewerkschaftsbund

Dr. Azubi: Ausbildungsstart - Der neue Lebensabschnitt

Julia Kanzog

Foto: privat

Das Ausbildungsjahr hat begonnen. Julia Kanzog sagt, worauf frische Azubis nun achten müssen.

Ausbildungsvertrag und -plan
Die Grundlage eines Ausbildungsverhältnisses ist der Ausbildungsvertrag. Dieser wird spätes-tens zu Ausbildungsbeginn von Betrieb und Auszubildenden unterschrieben. Bei Minderjährigen kann der Vertrag nur wirksam werden, wenn die gesetzlichen VertreterInnen durch Unterschrift zustimmen. Das unterschriebene Schriftstück wird bei der zuständigen Kammer eingereicht, geprüft und eingetragen.

Wichtig: Achte darauf, dass die zuständige Kammer deinen Vertrag zeitnah abstempelt - denn nur dann ist gewährleistet, dass dein Arbeitgeber alle Anforderungen eines Ausbildungsbetriebes erfüllt und du an den Prüfungen teilnehmen kannst.

Mit dem zentralen Schriftstück erhältst du einen betrieblichen Ausbildungsplan. In dieser zeitlichen und sachlichen Gliederung erfährst du, wann du welche Ausbildungsabschnitte durchlaufen wirst. Wichtig ist, dass sich dein Betrieb von Anfang an daran hält.

Dein Ausbildungsverhältnis beginnt mit der vertraglich festgelegten Probezeit, die mindestens einen Monat und maximal vier Monate dauern darf. Hier gilt es, vorsichtig zu sein: Diese erste Phase ist durch ein besonderes Kündigungsrecht gekennzeichnet, beide Parteien können ohne Angaben von Gründen und ohne Frist vom einen Tag auf den anderen schriftlich kündigen. Daher solltest du dich in der Probezeit von deiner besten Seite zeigen, aber auch deinen Betrieb genau unter die Lupe nehmen.

Zu Beginn der Ausbildung erhältst du von deinem Betrieb das Berichtsheft. Es ist der zentrale Nachweis über deinen Ausbildungsverlauf, hilft bei der Planung und der Kontrolle von Lernfortschritten. Ein ordentlich geführtes Berichtsheft ist die Zulassungsvoraussetzung für die Abschlussprüfung. Zum Berichtsheft: Das kann man während der Arbeitszeit erledigen, es wird als Tages- oder Wochenbericht von dir mindestens wöchentlich geführt und von deinem Ausbilder kontrolliert.

Zum Arzt
Jetzt bist du nicht mehr bei den Eltern mitversichert! Dein Arbeitgeber kümmert sich zwar um die Anmeldung, deine Krankenversicherung kannst du aber frei wählen. Der Beitragssatz wird von dir und dem Arbeitgeber zur Hälfte getragen und ist einheitlich geregelt.

Wenn du noch minderjährig bist, kann die Ausbildung nur starten, wenn du innerhalb der letzten vier Monate vor Ausbildungsbeginn im Rahmen einer ärztlichen Erstuntersuchung gecheckt worden bist. Spätestens 14 Monate nach Ausbildungsbeginn musst du als minderjähriger Auszubildender eine erste Nachuntersuchung vorweisen, ansonsten darfst du nicht weiterbeschäftigt werden.

Berufsunfähigkeit
Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte in Erwägung gezogen werden. Zwar gewährt die gesetzliche Rente im Fall einer vollen Erwerbsminderung Schutz, bei einer privaten Rentenversicherung können die Leistungen aber frei gewählt werden. Es gibt hier durchaus günstige Beiträge, solange man noch gesund und jung ist. Daher solltest du dich zu Ausbildungsbeginn damit auseinandersetzen.

Zahntechnik

Thema mit Biss: der Berufsstart Simone M. Neumann

Das Geld
Zu Ausbildungsbeginn solltest du unbedingt ein Girokonto eröffnen, damit deine Vergütung überwiesen werden kann. Dein Gehalt kann auch bar gezahlt werden, dennoch ist es aus Nachweisgründen sinnvoller, das Geld überweisen zu lassen.

Ein wichtiges Dokument für BerufsstarterInnen ist der Sozialversicherungsausweis, er wird von deiner zuständigen Krankenkasse beim Rentenversicherungsträger automatisch beantragt und muss deinem Arbeitgeber vorgelegt werden. Der Sozialversicherungsausweis enthält auch deine Rentenversicherungsnummer. Das Original wird dir nach Beendigung deiner Ausbildung wieder ausgehändigt.

Die Lohnsteuerkarte wurde abgeschafft und zum 1. Januar 2013 durch die Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale ("ELStAM") ersetzt. Dein Arbeitgeber geht davon aus, dass du die Steuerklasse 1 hast, wenn du ihm deine Identifikationsnummer, den Geburtstag sowie deine Religionszugehörigkeit mitteilst. Und gleichzeitig schriftlich bestätigst, dass es sich um das erste Arbeitsverhältnis handelt.


JAV - Dein Gremium
Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) ist die Interessenvertretung der Azubis und Jugendlichen im Betrieb oder der Dienststelle - also der eigene Betriebsrat bzw. Personalrat. Sie achtet darauf, dass Gesetze, Tarifverträge sowie Betriebs- und Dienstvereinbarungen, die Auszubildende betreffen, eingehalten werden.

Die JAV ist auch die richtige Ansprechpartnerin, wenn irgendwas falsch läuft mit deiner Ausbildung, wenn du Rat, Hilfe oder Rückendeckung brauchst oder Ideen zur Verbesserung der Ausbildungssituation hast. Sie kümmert sich um die Qualität deiner Ausbildung und um deine Übernahme nach dem Ausbildungsende. Gewählt wird die JAV für zwei Jahre.

JAVis können alle aus deinem Betrieb werden, die jünger sind als 25 Jahre. Auch du! Wählen dürfen Jugendliche unter 18 und Azubis unter 25. Bedingung für eine JAV-Wahl sind fünf Wahlberechtigte.


Ausbildung A-Z der DGB Jugend: http://jugend.dgb.de/ausbildung


Stress in der Ausbildung? "Dr. Azubi" hilft!
Du hast Probleme oder Fragen zu deiner Ausbildung? Die DGB-Jugend hilft: Die "Dr. Azubi"-BeraterInnen sagen konkret und vor allem  schnell, was geht. Unbürokratisch, anonym und kostenlos.


http://jugend.dgb.de/ausbildung/beratung/dr-azubi


Deine Rechte in der Ausbildung
Was darf ich und was nicht? Die DGB-Jugend hat die wichtigsten Tipps für den Berufsstart und die Berufsausbildung in einer Broschüre zusammengefasst. Mit der Berufsausbildung kommen viele neue Aufgaben auf einen zu. Dass du dabei nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte hast, ist klar. Die ideale Begleitung für den Start.


Zum Download auf http://jugend.dgb.de/-/XgM

(aus der Soli aktuell 10/13, Autorin: Julia Kanzog)