Deutscher Gewerkschaftsbund

Dr. Azubi: Auf der Zielgeraden

Übernahme, Zeugnis, Wiederholung, Arbeit: Wie es nach der Ausbildung weitergeht.

Perspektive: unsicher
Die Abschlussprüfungen stehen vor der Tür. Das zentrale Ergebnis einer Kurzstudie der DGB-Jugend zur Übernahmesituation von Auszubildenden 2012 lautet: Nicht einmal die Hälfte der befragten Auszubildenden (43 Prozent) hatte im letzten Jahr vor dem Ende der Ausbildung eine sichere Perspektive im ausbildenden Betrieb. Ganz sicher hingegen war: Jeder vierte befragte Auszubildende wusste schon, dass er oder sie nach der Ausbildung nicht übernommen wird. Hinzu kamen weitere 32 Prozent, die auch kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung noch keinerlei Informationen darüber hatten, ob sie nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung weiter beschäftigt werden.

Der JAV-Ratgeber in der Soli 7-2013 berichtete ausführlich darüber, wer Anspruch auf Übernahme nach der Ausbildung hat und welche Regelungen zu beachten sind. Wenn du aber von deinem Betrieb nicht übernommen wirst, ist es ratsam, wenn du dir frühzeitig Gedanken machst, wie es weitergeht.

Das Zeugnis
Dein Betrieb muss dich mit der Ausstellung eines wohlwollenden, qualifizierten Zwischenzeugnisses, das sich auf deine bisherige Ausbildungszeit bezieht, unterstützen. Ein Anspruch auf ein Zwischenzeugnis hast du immer dann, wenn ein berechtigtes Interesse besteht. Und dazu zählt auch die Situation der Nichtübernahme.

Wenn du zu einem Bewerbungsgespräch oder einem Auswahlverfahren eingeladen wirst, muss dich dein Arbeitgeber dafür freistellen und die Vergütung weiterzahlen. Wichtig ist, dass du den Antrag auf Freistellung auch frühzeitig stellst und dabei genau belegen kannst, wann und wo das Vorstellungsgespräch stattfinden wird.

Urlaubsanspruch
Naht dein Ausbildungsende, heißt es: Urlaub planen und in Anspruch nehmen. Wenn dein Ausbildungsverhältnis vor dem 30. Juni zu Ende ist, hast du einen anteiligen Urlaubsanspruch für jeden vollen Monat im Abschlussjahr. Ende¬t das Ausbildungsverhältnis nach dem 1. Juli, hast du immer einen Mindesturlaubsanspruch nach den gesetzlichen Regelungen. Es ist ratsam einen frühzeitigen, schriftlichen Urlaubsantrag zu stellen, um Unstimmigkeiten zu vermeiden. Hast du zum Ende der Ausbildung noch Urlaubstage ausstehen, müssen sie dir ausbezahlt werden.

Arbeitslos!
Falls es mit dem Übergang in ein Arbeitsverhältnis nicht klappen sollte, musst du dich noch als Azubi, spätestens aber am ersten Tag der Arbeitslosigkeit persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden, um Sperrfristen beim Bezug von Arbeitslosengeld zu vermeiden. Möchtest du eine Unterstützung bei der Vermittlung durch die Agentur erhalten, kannst du dich frühestens drei Monate vor Beendigung arbeitssuchend melden.

Prüfung nicht bestanden. Und jetzt?
Wenn du die Abschlussprüfung oder Teile davon nicht bestanden hast, dann gilt: Lass den Kopf nicht hängen! Denn aller guten Dinge sind drei, und das gilt auch bei deiner Prüfung. Du kannst nach nicht bestandener Abschlussprüfung noch zweimal in die Wiederholungsprüfung gehen. Es gibt unterschiedliche Varianten, wie du die Zeit bis zur nächsten Wiederholungsprüfung gestaltest. Allerdings gilt es zu entscheiden: Möchtest du bis zur nächsten Wiederholungsprüfung in deinem Ausbildungsbetrieb bleiben, deine betriebliche Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen oder als externer Prüfling teilnehmen?

Ausbildung verlängern
Grundsätzlich läuft das Ausbildungsverhältnis mit Ablauf des Ausbildungsvertrages aus. Bestehst du die Abschlussprüfung bereits vorzeitig und wirst nicht übernommen, endet das Ausbildungsverhältnis mit offizieller Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse. Dein Ausbildungsverhältnis kann bei Nichtbestehen - auf deinen Wunsch hin - bis zur nächsten Wiederholungsprüfung maximal um ein Jahr verlängert werden. Dein Ansinnen solltest du unbedingt vor Ausbildungsende schriftlich deinem Betrieb zukommen lassen und die zuständige Kammer darüber informieren.

Es kann auch sein, dass deine Abschlussprüfung nach dem Ende der Ausbildung stattfindet. In der Phase zwischen Beendigung und Abschlussprüfung hast du keinen Anspruch auf weitere betriebliche Ausbildung.

Mit Nichtbestehen der Prüfung lebt dein Anspruch auf Verlängerung und Weiterbeschäftigung wieder auf. Du kannst die Berufsschule weiterhin besuchen und an der kostenlosen Nachhilfe der Agentur für Arbeit teilnehmen. Du hast weiterhin Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe und Kindergeld. Und: Dein Betrieb muss die Prüfungskosten der Wiederholungsprüfung übernehmen.

Schlechte Ausbildungsbedingungen
Sind die Ausbildungsbedingungen in deinem Betrieb schlecht gewesen, und du hast die Prüfung nicht bestanden, kann es sinnvoll sein, über einen Ausbildungsplatzwechsel nachzudenken oder extern an der Prüfung teilzunehmen. Dann musst du dich rechtzeitig bei der zuständigen Stelle um die Prüfungsanmeldung kümmern und die Kosten selber tragen.

Wurden dir die laut Ausbildungsrahmenplan notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten nicht vermittelt und du hast aufgrund dessen die Prüfung nicht geschafft, kannst du deinem Betrieb gegenüber unter Umständen Schadensersatzanspruch geltend machen. Die Firma muss dir dann den entstandenen Schaden, der dir durch die Verlängerung deiner Ausbildungszeit entstanden ist, erstatten. Dazu wird deine Ausbildungsvergütung mit dem Gehalt eines Ausgelernten für den Zeitraum bis zur nächsten Prüfung verrechnet. Hier musst du aber nachweisen, dass du die Prüfung aufgrund betrieblichen Verschuldens nicht bestanden hast. Ein wichtiger Beleg ist dein schriftlicher Ausbildungsnachweis.

Die Gewerkschaft ist für dich da
Schadensersatzansprüche kannst du bis zu drei Monaten nach Beendigung deines Ausbildungsverhältnisses geltend machen. Da es bei der Einforderung noch einiges zu beachten gibt, solltest du dir Unterstützung bei deiner zuständigen Gewerkschaft holen.


(aus der Soli aktuell 8-9/13, Autorin: Julia Kanzog)