Deutscher Gewerkschaftsbund

Qualität gesucht

Den Betrieben fehlen Schlüsselqualifikationen: In einer Expertise nimmt der DGB Stellung zum Berufsbildungsbericht 2013.  

Zig mal beworben, nur Absagen kassiert. Das erleben Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, täglich. Auf der anderen Seite bleiben jede Menge Ausbildungsplätze unbesetzt. Die große Frage: Wie kann das sein?

In der DGB-Expertise "Hohe Abbrecherquoten, geringe Vergütung, schlechte Prüfungsergebnisse: Viele Betriebe sind nicht ausbildungsreif" auf der Grundlage des Berufsbildungsberichts 2013 kommen die Autoren Matthias Anbuhl und Thomas Gießler zu dem Ergebnis: Es sind die Ausbildungsqualität und die Einstellungsmodalitäten, die eine Besserung verhindern. "In vielen Betrieben hält man Überstunden, unregelmäßige Arbeitszeiten und eine niedrige Vergütung für normal", sagte die scheidende stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock im Mai 2013.

Auszubildende im Hotel- und Gaststättengewerbe, in Bäckereien und im Klempnerhandwerk klagen am stärksten über die Zustände in ihren Betrieben. Sie verdienen besonders wenig Geld, fallen oft durch die Prüfung und kündigen häufiger als andere ihren Vertrag. Aber genau in diesen Branchen fehlt Nachwuchs. Die paradoxe Folge: Die Ausbildung wird sogar noch zurückgefahren. Die Quote der ausbildenden Betriebe insgesamt liegt derzeit bei ca. 21 Prozent – ein historischer Tiefstand. 76.000 Jugendliche suchen noch dringend einen Ausbildungsplatz.

Um die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern, fordert der DGB die Betriebe auf, ihr Einstellungsverhalten zu verändern. Ganz wichtig: Die faktische Abschottung vieler Ausbildungsberufe gegen Jugendliche mit niedrigeren Schulabschlüssen muss beendet werden. Sehrbrock: "Unabhängige Stellen sollten künftig Unternehmen regelmäßig auf ihre Ausbildungsqualität kontrollieren und bei Bedarf auch sanktionieren. Denn die Handels- und Handwerkskammern, die für die Qualität der Ausbildung in den Betrieben zuständig sind, geraten als Lobbyverband der Unternehmen in Loyalitätskonflikte." Das schade Betrieben wie Azubis. Es sei Aufgabe der zuständigen Stellen, die Qualität der Ausbildung in den Betrieben und die Ausbildungsfähigkeiten der Unternehmen durch eine stärkere Überprüfung und Unterstützungsmaßnahmen zu gewährleisten. Es bestehe dringender Handlungsbedarf.

Die DGB-Jugend fordert angesichts der Zahlen eine gesetzlich geregelte Ausbildungsplatzgarantie. DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller: "Für viele ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt schlecht. Über 260.000 sind 2012 in Warteschleifen im Übergangsbereich, ohne Aussicht auf eine abgeschlossene Ausbildung. Hier wird mit der Zukunft dieser jungen Menschen gespielt."


Die DGB-Expertise im Internet auf www.dgb.de/-/3xv


(aus der Soli aktuell 6/13, Autor: Soli aktuell)