Deutscher Gewerkschaftsbund

Hauptschule killt dich

Nicht zu glauben: Jeder zweite Jugendliche mit Hauptschulabschluss bleibt nach der Schule ohne Ausbildungsplatz - Tendenz steigend. Der DGB fordert: Unternehmen sollten sie gezielt ausbilden.

Weite Teile der Wirtschaft haben die HauptschülerInnen anscheinend abgeschrieben. Immer weniger Unternehmen geben diesen jungen Menschen eine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Trotz merklich sinkender Bewerberzahlen ist in den vergangenen Jahren der Anteil der HauptschülerInnen im Übergangssystem gestiegen. Der Nationale Bildungsbericht 2012 spricht von einer faktischen Abschottung der Hälfte der Ausbildungsberufe gegen Jugendliche mit maximal einem Hauptschulabschluss.

Mittlerweile haben 52 Prozent der Jugendlichen in den Warteschleifen einen Hauptschulabschluss. "Die Klagen über den Fachkräftemangel und die schlechten Chancen von Hauptschülern auf dem Ausbildungsmarkt passen nicht zusammen", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Die faktische Abschottung vieler Ausbildungsberufe gegen Jugendliche mit niedrigeren Schulabschlüssen müsse schleunigst beendet werden.

Hierzu brauchen die Unternehmen auch Hilfe. Deshalb sollten ausbildungsbegleitende Hilfen zu Regelangeboten für die Betriebe ausgebaut werden", sagt Sehrbrock. Dabei wird für jeden Auszubildenden in Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb ein individueller Förderplan erstellt, anhand dessen die Lernschritte und Lernerfolge verfolgt werden können. Das unterrichtende Personal setzt sich in der Regel aus erfahrenen AusbilderInnen und Lehrkräften zusammen. Die sozialpädagogischen Mitarbeite rInnen unterstützen die Auszubildenden bei deren beruflichen und privaten Problemen und helfen bei Lernproblemen und Prüfungsangst. Sehrbrock: "Die ausbildungsbegleitenden Hilfen sind wirksam: 83 Prozent der Jugendlichen sind sechs Monate nach der Ausbildung in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung."

Als Hauptgrund für die schlechten Chancen von HauptschülerInnen ist der Mangel an Ausbildungsstellen zu sehen, die für diese Bildungsgruppe erreichbar sind. Der Markt allein gewährleistet keine "vollständige Integration aller ausbildungssuchenden Jugendlichen", wie in einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) festgestellt wird. Die wachsende Konkurrenz durch BewerberInnen mit höheren Schulabschlüssen führe zu verringerten Ausbildungschancen: Die Betriebe "sehen Hauptschüler inzwischen häufig als 'normabweichende Minderheit' an - unabhängig davon, ob sie für die zu vergebende Stelle geeignet wären oder nicht", heißt es beim WSI.


Die WSI-Studie im Internet: www.boeckler.de/wsi_41950.htm


(aus der Soli 5/13, Autor: Soli aktuell)