Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung, Unsicherheit

Die ILO berichtet über globale Beschäftigungstrends. Die EGB-Jugend fordert eine Beschäftigungsgarantie.

Die weltweite Beschäftigungskrise hat sich verschlimmert – so lautet das Ergebnis des Berichts über Globale Beschäftigungstrends, den die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) vorgelegt hat. Im fünften Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise stieg die Zahl der Arbeitslosen um weitere vier Millionen auf mehr als 197 Millionen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent. Hinzu kommen 39 Millionen Menschen, die sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, weil sie keine Hoffnung auf Beschäftigung mehr sehen.

"Die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung und die unzureichenden Gegenmaßnahmen der Politik schwächen die Nachfrage und bremsen Investitionen und Neueinstellungen", sagt ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Am schlimmsten von der Beschäftigungskrise betroffen sind junge Menschen. 2012 waren weltweit 73,9 Millionen Jugendliche ohne Arbeit. Ihre Zahl dürfte bis 2014 noch um eine halbe Million ansteigen. In Europa sind derzeit im Schnitt über 20 Prozent der Jugendlichen weder beschäftigt noch in Ausbildung, das sind viele Prozentpunkte mehr als vor Ausbruch der Krise. Besonders besorgniserregend: Schon bei Jugendlichen nimmt die Langzeitarbeitslosigkeit zu – kein guter Trend.

Die ILO empfiehlt dreierlei: die Stützung der Nachfrage durch öffentliche Investitionen, Ausbildungs- und Umschulungsprogramme, um die Qualifikationslücke zu schließen, und dezidierte Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. So habe sich bereits in mehreren Ländern gezeigt, dass Beschäftigungsgarantien für Jugendliche zielführend und erschwinglich seien. Nichtstun werde jedenfalls teurer.

Das sieht man auch bei den Gewerkschaften so: "In Anbetracht der katastrophalen sozialen Lage der jungen Menschen in Europa fordert die EGB-Jugend eine verbindliche Jugendgarantie", sagt Adrian Hermes, Vizepräsident des Jugendgremiums im Europäischen Gewerkschaftsbund, EGB. Sie solle jedem jungen Menschen eine sichere und qualitativ hochwertige Perspektive bieten. Hermes hat auch noch eine Maßnahme Nummer vier in petto: "Eine kollektive Arbeitszeitverkürzung auf europäischer Ebene wäre förderlich."


www.ilo.org


(aus der Soli 3/13, Autor: Soli aktuell)