Deutscher Gewerkschaftsbund

Setzen, sechs!

Wenn alle ihre Arbeit so schlampig abliefern würden wie die Bildungspolitik das Erreichen ihrer Zielmarken, würden alle sitzenbleiben. Die Bilanz der Gewerkschaften zu den Zielen des Bildungsgipfels.  

Im Jahr 2008 war die Welt noch in Ordnung. Beim damaligen Dresdner Bildungsgipfel hatten Bund und Länder konkrete Anforderungen für ihre Politik formuliert: Bis 2013 sollten für Kinder unter drei Jahren ausreichend Krippenplätze bereitstehen, die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss sollte bis 2015 hal¬biert sein – anspruchsvolle Ziele. Nach über vier Jahren müssten doch deutliche Fortschritte sichtbar sein, dachte sich der DGB. Und hat den Bildungsforscher Klaus Klemm gebeten, eine Bilanz zu ziehen.


Die wichtigsten Ergebnisse:  

  • Junge Menschen ohne Schulabschluss: Die angestrebte Halbierung der Quote der AbsolventInnen allgemein bildender Schulen ohne Hauptschulabschluss auf vier Prozent wurde nicht erreicht. Von 2008 bis 2011 sank diese Quote um 1,2 Prozentpunkte – von 7,4 auf 6,2 Prozent. Erfolgversprechende Maßnahmen sind nicht erkennbar. Dies gilt auch für die Förderschulen, aus denen mehr als die Hälfte der AbsolventInnen ohne Hauptschulabschluss stammt.

  • Junge Menschen ohne Berufsabschluss: Auch eine Halbierung der Quote junger Erwachsener, die keinen Berufsabschluss erwerben, ist nicht in Sicht: Von 2008 bis 2011 hat sich diese Quote von 17,2 Prozent auf 15,9 Prozent nur wenig verringert. Die Ausbildungsberichterstattung zählt auch 2011 noch 300.000 junge Erwachsene im Übergangssystem.

  • Höhere Weiterbildungsquote: Die Weiterbildungsbeteiligung sollte auf 50 Prozent der Erwerbsbevölkerung gesteigert werden. Dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht: Im Zeitraum von 2007 bis 2010 sank die Quote sogar von 44 auf 42 Prozent.

  • Höhere Studienanfängerquote: Die angestrebte Studienanfängerquote von 40 Prozent wurde 2011 mit 54 Prozent zwar weit übertroffen. Aber vor allem machte dies auf die Schwierigkeiten der Hochschulen aufmerksam, die den jungen HochschülerInnen keine angemessenen Studienbedingungen bieten können.

  • Bildungsfinanzierung: Ziel war es, die öffentlich und privat getragenen Bildungsausgaben auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Dieses wurde 2010 mit 9,5 Prozent beinahe erreicht.

  • Krippenausbau: Beim Ausbau der Betreuung der unter Dreijährigen liegt Deutschland im Betreuungsjahr 2009/10 mit einem Platzangebot von 27,6 Prozent noch weit hinter dem für 2013 angesteuerten Ziel von 35 Prozent zurück. Insgesamt fehlen 143.000 Plätze. Auch der Personalbedarf, der durch den Ausbau entsteht, kann nicht gedeckt werden. Allein bis 2013 werden bundesweit in den Kindertageseinrichtungen etwa 22.400 und in der Kindertagespflege zwischen 22.000 und 29.000 ErzieherInnen fehlen.



Klaus Klemms Bericht gibt’s hier: www.dgb.de/-/5Ce


(aus der Soli 2/13, Autor: Soli aktuell)