Deutscher Gewerkschaftsbund

18. Januar: Bildungsprotest in Niedersachsen

Ein ungerechtes Bundesland

Die junge Generation Niedersachsens geht im Vorfeld der Landtagswahl auf die Straße.

Kerstin Pätzold sagt, worum es bei der Demo am 18. Januar 2013 geht.

Am 20. Januar 2013 ist Landtagswahl in Niedersachsen, ihr aber geht erstmal am 18. Januar zu den Bildungsprotesten. Wer protestiert sonst noch?


Zur bundesweiten Demo gegen Bildungsgebühren am 18. Januar in Hannover rufen neben den ASten und Gewerkschaften in Niedersachsen auch SchülerInnenvertretungen und politische Jugendverbände auf. Organisiert wird die Demo maßgeblich von der Landes-Asten-Konferenz Niedersachsen.

Was gibt es zu bemängeln?

Die Hürden im Bildungssystem sind hoch und schließen viele junge Menschen aufgrund ihrer Herkunft aus. Bildungsabgaben jeglicher Art, also Studien- und Kita-Gebühren, die fehlende Lehrmittelfreiheit verstärken die schon bestehenden Ungleichheiten. Insgesamt wird in das Bildungssystem zu wenig investiert. Besonders groß sind die Mängel an Berufsschulen: Der Ausbildungsreport 2012 hat gezeigt, dass die Lehre und Qualität der Berufsschule dann besser ist, wenn sie über mehr materielle und personelle Ressourcen verfügt.

Gibt es in Niedersachsen Probleme, die andere nicht haben?


Als erstes sind die Studiengebühren zu nennen. Außer Bayern gibt es die in keinem anderen Bundesland mehr. Ebenso wird am mehrglied­rigen Schulsystem festgehalten. Die Gründung von Gesamtschulen wird durch sehr hohe Auflagen nahezu unmöglich gemacht. Die Ausstattung mit Kita- und insbesondere mit Krippenplätzen ist schlecht. Es ist nahezu unmöglich, für Kinder unter drei Jahren einen Krippenplatz zu bekommen.

Wie ist die Lage der jungen Generation in Niedersachsen?


Es gibt einen Mangel an guten Ausbildungs- und auch an Studienplätzen. Trotz der geburtenschwächeren Jahrgänge landen in Niedersachsen 37,5 Prozent der jungen Menschen im Übergangssystem. 18,7 Prozent der jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren haben keine Berufsausbildung.

Was erhofft sich die Gewerkschaftsjugend von einer neuen Regierung?


Bessere Bedingungen für die junge Generation. Bildung, Ausbildung und Studium müssen aus der Perspektive der jungen Beschäftigten gestaltet werden. Ziel muss sein, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass alle eine Berufsausbildung oder ein Studium abschließen. Denn das ist die Voraussetzung für eine Perspektive in und für die Teilhabe an der Gesellschaft. Interessant und erfreulich ist, dass einige Parteien unsere gewerkschaftliche Forderung nach einer Ausbildungsgarantie für junge Menschen in Anlehnung an das "Hamburger Modell" übernommen haben.


Kerstin Pätzold ist Bezirksjugend­sekretärin im DGB-Bezirk Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt.


(aus der Soli 1/13, Autor: Soli aktuell)