Deutscher Gewerkschaftsbund

Uneinheitlicher Einstieg

Der "Absolventenspiegel" bringt genaue und damit leider auch prekäre Zahlen über die Arbeitsbedingungen von jungen AkademikerInnen.

Gehalt checken im Internet - dafür steht der "Lohnspiegel" des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI). Besonders tricky: Wenn man ein Häkchen setzt, bekommt man die schönsten Teilauswertungen.

Seit einiger Zeit gibt es die Umfrage auch für junge AkademikerInnen. Und 4.300 von ihnen - zum Teil mit drei Jahren Berufserfahrung - haben schon mitgemacht. Die neuesten Daten: Junge HochschulabsolventInnen erhalten im ersten Jahr ihrer Berufstätigkeit im Durchschnitt ein Bruttogehalt von rund 3.400 Euro im Monat.

Dabei variieren die Einkommen sehr stark, je nach Abschluss. An der Spitze liegen BerufsanfängerInnen mit Promotion mit einem Durchschnittseinkommen von rund 4.220 Euro, gefolgt von AbsolventInnen mit einem Uni-Masterabschluss mit rund 3.680 Euro. Eine mittlere Position nehmen AbsolventInnen mit Bachelor an einer Fachhochschule mit rund 3.300 Euro ein, am Ende stehen BerufsanfängerInnen mit Magister mit rund 2.620 Euro. Bezogen auf Berufe liegen ElektroingenieurInnen mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 4.540 Euro an der Spitze. Diplomkaufleute erreichen im Schnitt 3.750 Euro, JuristInnen 3.730 Euro.

"Die Studie zeigt außerdem erhebliche Einkommensdifferenzen nach Geschlecht, Art des Arbeitsvertrags, Region und nach Tarifbindung des Arbeitgebers", sagt WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck. Besonders drastisch: Die Einstiegsgehälter der Akademikerinnen liegen mit 2.966 Euro rund 713 Euro unter den Akademikern - das sind 19,4 Prozent.

Prekär ist der Berufseinstieg auch: Rund 34 Prozent der Befragten mit bis zu einem Jahr Berufserfahrung haben nur eine befristete Beschäftigung. Ihr monatliches Durchschnittseinkommen beträgt 2.941 Euro - 19 Prozent minus gegenüber den unbefristet beschäftigten EinsteigerInnen mit 3.640 Euro. Überstunden sind auch normal, und zwar unbezahlte: Rund 58 Prozent arbeiten mehr als vertraglich vereinbart.

Wichtig für die Gewerkschaften ist auch diese Zahl: Nur rund 48 Prozent der Befragten gaben an, dass der Betrieb, in dem sie arbeiten, an einen Tarifvertrag gebunden ist. Während Jung-AkademikerInnen in einem Betrieb mit Tarifbindung durchschnittlich 3.757 Euro verdienen, sind es bei denjenigen ohne nur rund 3.116 Euro - ein Minus von 17,1 Prozent.

Fazit: Gewerkschaftliche Organisierung lohnt sich!

 

www.absolventen-lohnspiegel.de

(aus der Soli 12/12, Autor: Soli aktuell)