Deutscher Gewerkschaftsbund

Sozial durchlässig

Studieren ohne Abitur - ein Projekt der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung unterstützt Berufserfahrene beim Hochschul-Start.

Studieren ohne Abitur - das ist möglich für alle Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Berufserfahrung. Allerdings ist diese Praxis weder weit verbreitet, noch ohne Schwierigkeiten: "Wir hören immer wieder von berufserfahrenen Studierenden, dass sie den Start in ein Vollzeitstudium als Hürdenlauf, ja als Kulturschock erleben", sagt Wolfgang Jäger von der Hans-Böckler-Stiftung (HBS).

Deshalb startet das Studienförderwerk der deutschen Gewerkschaften ein Modellprojekt: Ein Programm aus Vorbereitungskursen, speziellen Lerngruppen und E-Learning-Angeboten unterstützt beruflich Qualifizierte beim Einstieg in ein Vollzeit-Bachelor-Studium der Ingenieurwissenschaften an der Uni Duisburg-Essen bzw. des Gesundheitsmanagements und der -informatik an der Hochschule Niederrhein.

Bereits mehrere Monate vor Studienbeginn bereitet ein Seminarangebot die - noch berufstätigen - Studierenden in spe auf ihren neuen Lebensabschnitt vor. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie die Vereinbarkeit von Studium und Familie, Zeitmanagement oder tarifliche Regelungen zur Weiterbildung. Das Wichtigste: Die TeilnehmerInnen erhalten ein HBS-Stipendium. Die Suche nach BewerberInnen verläuft über Gewerkschaften und Betriebsräte.

Die Geförderten erhalten bis zu 970 Euro pro Monat, durch einen Familienzuschlag kann sich das Stipendium auf rund 1.200 Euro erhöhen. Bewerbungen für die erste Runde sind möglich bis zum 31. Januar 2013. Insgesamt stellt das Studienförderwerk der Stiftung für das Projekt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Hintergrund des Projekts: "Trotz beträchtlicher finanzieller Förderung durch die öffentliche Hand blieb das Studieren ohne Abitur bisher im Schatten", sagt Stefanie Geyer, bei der DGB-Jugend für Studierendenarbeit zuständig. Unter den StudienanfängerInnen 2010 seien bundesweit nur 2,1 Prozent gewesen, die kein Abitur vorweisen konnten.

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) übernimmt eine Patenschaft für das Modellprojekt. Das HBS-Stipendienprogramm sei aus mehreren Gründen "bestechend gut": "Es holt die beruflich Qualifizierten an unsere Hochschulen. Es fördert den für den Studienerfolg so wichtigen Start ins Studium - mit Geld und vor allem auch mit besonderen Orientierungs- und Beratungsangeboten. "Und nicht zuletzt sei das Stipendium einfach und ohne viel Bürokratie zu beantragen.

Die HBS will nun erkunden, wie neue Brücken vom Beruf ins Studium aussehen müssen, um das Studieren ohne Abitur zu erleichtern und die soziale Durchlässigkeit an den Hochschulen weiter voranzutreiben.

Infos: www.boeckler.de/40936.htm, HBS-Hotline: 0211/77 86 05

(aus der Soli 12/12, Autor: Soli aktuell)