Deutscher Gewerkschaftsbund

Elternzeit während der Ausbildung

Weihnachten mit Soli aktuell: Kind und Ausbildung gleichzeitig - das stellt gerade für junge Mütter und Väter eine große Herausforderung dar und ist nicht immer leicht zu meistern. Nicht verzweifeln: Beides lässt sich gut vereinbaren.

Abbruch? Nein, Danke!

In zwei Monaten ist Kims Entbindungstermin. Sie macht eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation im zweiten Ausbildungsjahr und möchte auf jeden Fall erst einmal für ihr Kind da sein. Viele Gedanken gehen ihr durch den Kopf. Schaffe ich das alles? Wie geht es mit meiner Ausbildung weiter?

Informationen sollte Kim sich schon frühzeitig holen und sich Gedanken machen, wie es mit ihrer Ausbildung weitergeht. Abbrechen ist dabei die letzte Alternative, da es viele Möglichkeiten gibt, Ausbildung und Kind unter einen Hut zu bringen.

Mutterschutz

Vor und nach der Geburt gelten spezielle Mutterschutzfristen. Sechs Wochen vor der Geburt kannst du in Mutterschutz gehen, du hast aber auch auf deinen ausdrücklichen Wunsch hin die Möglichkeit, bis zu deinem Geburtstermin zu arbeiten. Nach der Geburt gilt ein achtwöchiges absolutes Beschäftigungsverbot. Falls deine Abschlussprüfung in den Mutterschutz fällt, ist eine Teilnahme an der Prüfung möglich, da die Abschlussprüfung nicht als arbeitsrechtliche Beschäftigung gilt. Das solltest du aber unbedingt mit der zuständigen Stelle - Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammern - und mit deinem Arbeitgeber absprechen. Du benötigst auch eine Bescheinigung von deinem Arzt, dass du aus gesundheitlicher Sicht fit genug bist, an der Prüfung teilzunehmen.

Nach der Mutterschutzzeit haben Mütter und Väter, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden, einen Anspruch darauf, sich eine Auszeit zur Erziehung ihres Kindes zu nehmen - in Form der Elternzeit. Während dieser Zeit "ruht " das Ausbildungsverhältnis. Im Anschluss an die Elternzeit hast du das Recht, wieder an deinen Ausbildungsplatz zurückzukehren und die Ausbildung fortzusetzen. Dieses Recht ist in einem eigenen Gesetz, dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) verankert, das auch für Auszubildende gilt.

Wie lange kann ich in Elternzeit gehen?

Elternzeit kann maximal drei Jahre bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes genommen werden. Es sind viele Kombinationen möglich: Eine Zeitlang kann die Mutter des Kindes in Elternzeit gehen, einen Teil der Vater, aber auch beide Elternteile gemeinsam. Auch die Großeltern des Kindes können unter Umständen Elternzeit für ihr Enkelkind in Anspruch nehmen.

Wie lange du Elternzeit nimmst, solltest du dir gut überlegen, da hier einige Formalitäten eingehalten werden müssen. Bei der Beantragung musst du zunächst für die ersten zwei Lebensjahre des Kindes verbindlich festlegen, wie lange du in Elternzeit gehen willst. Möchtest du die Auszeit direkt an die achtwöchige Mutterschutzfrist nach der Geburt anschließen, wird die Zeit der Mutterschutzfrist mit auf die Elternzeit angerechnet.

Die Elternzeit muss nicht in einem Stück genommen werden, sondern kann auch in mehrere Blöcke aufgeteilt werden. Es können sich also Phasen von Elternzeit und Arbeit abwechseln.

Das dritte Jahr kann dann flexibel gestaltet werden, die Entscheidung über diesen Zeitraum kannst du bei der Anmeldung der ersten zwei Jahre noch offen lassen. Wenn Kim nach zwei Jahren Unterbrechung beschließt, dass sie noch ein weiteres Jahr in ihrer Ausbildung pausieren möchte, hat sie einen Anspruch darauf. Mit Zustimmung des Arbeitgebers kann das dritte Jahr Elternzeit auch bis zum achten Lebensjahr des Kindes noch genommen werden.

Wie und wann muss die Auszeit beantragt werden?

Die Elternzeit für die ersten zwei Lebensjahre muss sieben Wochen vor Beginn schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber angemeldet werden. Spätere Änderungswünsche muss dein Arbeitgeber nicht mehr berücksichtigen.

Das dritte Elternzeitjahr muss dann ebenfalls erst sieben Wochen vor Beginn gegenüber dem Arbeitgeber angezeigt werden. Die Zustimmung deines Arbeitgebers ist in diesem Fall nicht notwendig. Wenn Kim direkt nach der Mutterschutzfrist in Elternzeit gehen möchte, muss sie dies spätestens eine Woche nach der Geburt dem Arbeitgeber mitteilen.

Es ist wichtig, dass du dir schon frühzeitig vor der Geburt überlegst, wie du die Elternzeit gestalten möchtest. Und dass du mit dem Arbeitgeber sprichst, um eine gemeinsame Lösung zu finden, wie die Ausbildung im Anschluss an die Elternzeit am besten fortgeführt werden kann. Das kann für das Arbeitsklima sehr förderlich sein, und im Betrieb möchte man schließlich auch planen und wissen, wie lange Ersatz für dich notwendig ist.

Während der Elternzeit

Da dein Ausbildungsverhältnis nun ruht, bekommst du keine Ausbildungsvergütung und erwirbst auch keine Urlaubsansprüche. Während der Elternzeit hast du aber Anspruch auf andere finanzielle Leistungen (Eltern- und Kindergeld).

Ganz wichtig: Dein Arbeitgeber kann dich während der Elternzeit nicht kündigen. Es besteht ein besonderer Kündigungsschutz nach dem BEEG. Eine Beschäftigung während der Elternzeit ist aber dennoch möglich: bis zu 30 Stunden in der Woche darfst du arbeiten. Mit Zustimmung deines Arbeitgebers kannst du sogar bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt werden.

Der Kontakt zu deinem Betrieb und deiner Berufsschule während der Elternzeit ist sehr wichtig. So signalisierst du Interesse an deiner Ausbildung und entfernst dich nicht von der Arbeitswelt.

Wie beim Thema Mutterschutz gilt auch hier: Sollte dein Ausbildungsverhältnis schon weit fortgeschritten sein, kannst du unter besonderen Bedingungen auch während deiner Auszeit an der Abschlussprüfung teilnehmen. Mit der bestandenen Prüfung endet dann auch dein Ausbildungsverhältnis während der Elternzeit und verlängert sich nicht weiter.

Wie geht es danach weiter?

Nach der Elternzeit lebt das Ausbildungsverhältnis wieder auf. Der Ausbildungsvertrag mit allen Rechten und Pflichten besteht weiter, wird aber um die genommene Auszeit verlängert.

Noch Fragen zum Thema? Bestellt euch den dieses Jahr neu erschienenen DGB-Jugend-Ratgeber für Schwangere in der Ausbildung.

(aus der Soli aktuell, Autorin: Julia Kanzog)