Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausblick: Warteschleife

Jahresabrechnung der Bundesanstalt für Arbeit: Trotz gefälliger Konjunktur und guter Schulbildung der BewerberInnen landen fast 300.000 Jugendliche in Übergangsmaßnahmen.

"Insgesamt positiv": Nach dem Ende des Berufsberatungsjahres am 30. September 2012 und dem Start der Nachvermittlung zeichnen die Partner des Ausbildungspaktes ein schönes Bild von der Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Doch die aktuellen Zahlen aus dem Hause der Bundesagentur für Arbeit (BA) geben dafür keinen Anlass. Den 559.877 BewerberInnen standen 517.086 Ausbildungsplätze gegenüber. Dabei zählt die BA 60.379 BewerberInnen als versorgt, obwohl sie ausdrücklich weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen. Deutschlandweit suchen noch immer 76.029 gemeldete BewerberInnen einen Ausbildungsplatz. Demgegenüber stehen 33.275 unbesetzte Ausbildungsstellen. Damit fehlen allein für die registrierten BewerberInnen rein rechnerisch 42.754 Stellen.

Was kein Ausbildungspakt bisher verhindern konnte: dass die Quote der ausbildenden Betriebe mit 22,5 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 1999 liegt. "Von einer entspannten Situation kann für das Ausbildungsjahr 2012 noch immer nicht die Rede sein", sagt DGB-Jugend-Ausbildungsexperte Benjamin Krautschat. Die Zahlen der BA zeigten immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit - viele Ausbildungsinteressierte würden gar nicht erfasst.

Und trotz guter Konjunktur und sinkender Bewerberzahlen dreht fast jeder dritte Jugendliche, der eine betriebliche Ausbildung sucht, eine Warteschleife im Übergangssystem - 2011 waren dies 294.294 -, obwohl die meisten von ihnen nur einen Ausbildungsplatz und keine Maßnahmen benötigen. Mehr als 75 Prozent der jungen Menschen verfügen über einen Schulabschluss, jeder zweite Jugendliche hat einen Hauptschulabschluss. Knapp 25 Prozent erreichen also die Mittlere Reife.

"Hier rächt sich, dass der Ausbildungspakt jedes Jahr zehntausende Jugendliche als versorgt zählt, die von der BA zwar als ausbildungsreif eingestuft werden, trotzdem aber nur Warteschleifen drehen", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock.

Der DGB hat gerade eine Expertise zum Übergangssystem veröffentlicht - mit unfassbaren Ergebnissen: Demnach absolviert das Gros der Jugendlichen mehr als eine Maßnahme und steckt durchschnittlich 17 Monate in der Warteschleife. Fast jeder dritte Jugendliche im Übergangsbereich hat auch nach zwei Jahren noch keinen Ausbildungsplatz.

Dies seien junge Menschen, die schlechte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt hätten und kaum ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen könnten, warnt Sehrbrock.