Deutscher Gewerkschaftsbund

Griechenland hungert

Ein Blick auf Europa: Die DGB-Jugend Hessen-Thüringen hat eine Info-Tour mit griechischen Kolleginnen organisiert. Ulrike Eifler war dabei.

Seit mehr als zwei Jahren wird Griechenland zu den schärfsten Kürzungen gezwungen, die es jemals für ein Land gegeben hat: Löhne runter, Steuern rauf - Millionen Griechen müssen um ihre Existenz fürchten. Auf einer spätsommerlichen Rundreise der DGB-Jugend durch Hessen und Thüringen konnten die jungen Arbeitnehmerinnen Alkistis Tsolakou und Argiro Baduva berichten, wie die Streichungen vor allem die junge Generation treffen. Lehrerin Baduva, die auch im Vorstand des Gewerkschaftsbundes der LehrerInnen Griechenlands (DOE) ist: "Während nach wie vor fünf Prozent der Staatsausgaben in den Militäretat gesteckt werden, wurden die Bildungsausgaben auf 0,2 Prozent zusammengestrichen."

Die Folge: Mehr als 2.000 Schulen wurden geschlossen. Vor allem für die SchülerInnen auf dem Land verlängert sich der Schulweg auf bis zu zwei Stunden. Immer mehr Kinder bleiben einfach zu Hause, die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist für viele Familien unerschwinglich geworden. Obendrein gibt’s auch keine Schulbücher mehr.

"Viele kommen hungrig zur Schule, einige fallen während des Unterrichts sogar in Ohnmacht. Wir Lehrer haben gemeinsam mit vielen Eltern Lebensmittelspenden gesammelt, damit die Kinder wenigstens einmal am Tag etwas zu essen haben", sagt Baduva.

Wer mit der Schule fertig ist und eine Ausbildung sucht, hat ebenso wenig Glück. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 56 Prozent, man wandert aus. Baduva: "Viele Junge versuchen nun, ihre Träume im Ausland zu verwirklichen."

Die Milliarden aus Europa kommen bei der Bevölkerung nicht an. "90 Prozent landen auf einem Sperrkonto, von dem die Zinsen an die europäischen Banken bezahlt werden", so die Lehrerin. Gleichzeitig findet ein Raubbau an den Lebensentwürfen, Träumen und Bildungswegen einer ganzen Generation statt, dessen Ausmaß sich erst in ein paar Jahren ermessen lässt.

Fazit: Als deutsche GewerkschafterInnen sollten wir nicht die Augen vor den Nöten und Sorgen unserer KollegInnen in Südeuropa verschließen, sondern Solidarität organisieren.


Ulrike Eifler ist Jugendbildungsreferentin der DGB-Jugend Hessen-Thüringen. Infos: www.dg-jugend-hessen-thueringen.de


(aus der Soli 10/12, Autorin: Ulrike Eifler)