Deutscher Gewerkschaftsbund

Viele Wege führen ans Ziel

Du hast noch keinen Ausbildungsplatz gefunden? Dr. Azubi stellt Alternativen vor, um die Zeit sinnvoll zu überbrücken oder die Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche zu erhöhen.

Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen, aber nicht jeder hat einen Ausbildungsplatz gefunden. Das ist beileibe nicht die Schuld junger Menschen: Während die Chefs zunehmend die "mangelnde Ausbildungsreife" der SchulabgängerInnen beklagen, sollten sie sich ruhig an die eigene Nase fassen. Nur noch ein Viertel der Betriebe bildet nach Zahlen der DGB-Jugend überhaupt aus (siehe "Mangelbranche Ausbildung"). Manchen scheint die Verantwortung für die Nachwuchssicherung gar nicht klar zu sein. Die Lage ist also schwierig.

Welche Möglichkeiten hat man nun, wenn man gerade die Schule verlassen hat, die Ausbildungsstelle aber nicht in Sicht ist?

Bundesagentur für Arbeit
Die Nachvermittlungsaktion der Agentur für Arbeit in Kooperation mit den zuständigen Kammern läuft noch. Hier werden noch freie Ausbildungsstellen angeboten und Jugendliche werden vermittelt. Du solltest dich aber nicht zu einer Ausbildung überreden lassen, nur damit du etwas gefunden hast. Dies birgt schnell die Gefahr eines Abbruchs, weil der Beruf zum Beispiel nichts mit deinen Interessen zu tun hat.

Auch eine Option: Mehr Schule
Du kannst dir überlegen, weiter die Schulbank zu drücken und den Hauptschul-oder den mittleren Schulabschluss oder die Fachhochschule nachzuholen. Grundsätzlich gilt: Je höher der Bildungsabschluss, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich.

Eine Berufsfachschule kann als Alternative zu einer allgemeinbildenden Schule das Richtige für dich sein, wenn du schon weißt, in welche berufliche Richtung du gehen möchtest. Die Schule gibt es in diversen Fachrichtungen. Der Vorteil: Du wirst auf eine berufliche Ausbildung vorbereitet. Der Abschluss wird auf eine weiterführende duale Ausbildung angerechnet, du verlierst keine Zeit oder erwirbst einen vollwertigen Berufsabschluss.

Oftmals werden auch viele Türen geöffnet, wenn du nach Alternativberufen Ausschau hältst, in denen es noch freie Ausbildungsstellen gibt. Mit einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss erwirbst du - mit einem bestimmten Notendurchschnitt - die Mittlere Reife. Und über Weiterbildungen oder den zweiten Bildungsweg kannst du nach der Ausbildung immer noch nach verschiedenen Spezialisierungen Ausschau halten.

Zur Überbrückung von Wartezeiten: Jobben und Praktikum

Als Überbrückung zu deiner Traumausbildungsstelle sind Job oder Praktikum eine Möglichkeit, um Arbeitserfahrung zu sammeln und erste Kontakte zu knüpfen. Wichtig: immer an den weiteren Lebenslauf denken, also sich die Tätigkeit in Form eines Arbeits-oder Praktikumszeugnis bestätigen lassen. Ein gutes Praktikum soll aus Sicht der DGB-Jugend an Regeln gebunden sein, was die Betreuung, Dauer und Vergütung angeht. Infos gibt’s auf www.dgbjugend.de/studium/praktika.

Auslandserfahrung: In die weite Welt
Raus von Zuhause und ab ins Ausland? Es gibt viele Möglichkeiten, internationale Erfahrungen zu sammeln: als Au-pair, in Form eines Praktikums oder beim Besuch einer Sprachschule. Die Vorteile: Du festigst deine Sprachkenntnisse, erwirbst interkulturelle Kompetenzen und stärkst deine persönlichen Fähigkeiten.

Freiwilliges Soziales (oder ähnliches) Jahr
Auch ein Freiwilliges Soziales Jahr wird oft positiv von späteren Arbeitgebern bewertet und bietet dir die Möglichkeit, Zeit zu überbrücken und etwas Sinnvolles zu tun. Einsätze sind nicht mehr nur im Sozialen möglich, sondern auch im kulturellen, ökologischen und politischen Bereich.

Weiterbildung der besonderen Art: Das Studium
Wenn du das Fachabitur oder das allgemeine Abitur in der Tasche hast, ist ein Studium immer eine gute Alternative zu einer Ausbildung. Auch eine Doppelqualifikation in Form eines dualen Studiums ist möglich. Hier erwirbst du neben einem Ausbildungs-auch einen Hochschulabschluss. Zu beachten ist aber der große Druck aufgrund der Doppelbelastung.


(aus der Soli 10/12, Autorin: Julia Kanzog)