Deutscher Gewerkschaftsbund

Gewerkschaftsarbeit - eine abendfüllende Veranstaltung

René Rudolf war seit 2007 DGB-Bundesjugendsekretär. Nun wechselt er als Fachgruppenleiter Verlage und Druckindustrie zu seiner Heimatgewerkschaft ver.di. Was bedeuten fast sechs Jahre Gewerkschaftspolitik für Jugendliche? Soli aktuell fragte nach Fazit und Ausblick.

So lange wie du haben nicht viele im Amt des DGB-Bundesjugendsekretärs ausgeharrt. Was hat dich an der Arbeit so begeistert?


Die Vielseitigkeit der Funktion ist absolut spannend und faszinierend. Sie vereint die politische Außenvertretung der DGB-Jugend mit der Funktion des Geschäftsführers eines Jugendverbands und der des Abteilungsleiters für Jugend und Jugendpolitik im DGB-Bundesvorstand. Alle drei Aufgaben für sich genommen sind grundsätzlich schon abendfüllend. Hier ist nicht nur die Einzelperson, sondern ein ganzes Team gefragt.

Was waren die großen Aufgaben der letzten Jahre?


Ganz klar der Wandel der Arbeitswelt und die damit verbundenen Probleme für junge Menschen. Hierbei hat die Deregulierung des Arbeitsmarktes einen großen Anteil. Die Ausprägungen der Flexibilisierung sind katastrophal, werden aber nach wie vor von der Wirtschaft und großen Teilen der Politik bagatellisiert und als notwendig verteidigt. Unsere Aufgabe war und ist es, für mehr Sicherheit und Planbarkeit der Zukunft zu kämpfen. Die derzeitigen politischen Führungen Deutschlands und Europas lassen auf keine grundsätzlichen Verbesserungen für junge Menschen hoffen. Von daher bleibt es dabei: Die Gewerkschaftsjugend ist die Interessenvertretung der jungen Generation. Mit ihr und unseren Bündnispartnern müssen wir für gute Ausbildung für alle und sichere Beschäftigung kämpfen. Das Thema Verteilungsgerechtigkeit gewinnt weiter an Relevanz und wird zukünftig gesellschaftlich entscheidend sein.

Hat sich die Jugend in dieser Zeit verändert?


Ganz sicher. Neben dem in den letzten Jahren veränderten Kommunikationsverhalten hat ein großer Teil der Jugend das Gefühl, abgehängt und chancenlos zu sein. 2,2 Millionen Jugendliche ohne Berufsausbildung sprechen hier eine klare Sprache. Ein großer Teil der Jugendlichen traut es den etablierten Parteien nicht mehr zu, die anstehenden gesellschaftlichen Probleme zu lösen. Das ist auch aus demokratischer Sicht höchst problematisch.

Wie hat sich die DGB-Jugend unter diesem Gesichtspunkt verändert?


Gemeinsam mit den Mitgliedsgewerkschaften hat die DGB-Jugend ihre Aktivitäten in den letzten Jahren stark auf die Kernprobleme der Jugendlichen rund um Ausbildung und Arbeit konzentriert. Das ist gut so und wird von einer gewerkschaftlichen Interessenvertretung erwartet. Dadurch ist unser Einfluss enorm gestiegen. Das belegt auch die durchweg positive Mitgliederentwicklung bei den Jugendlichen in den Mitgliedsgewerkschaften. Desweiteren haben Studierende zu Recht einen höheren Stellenwert in der gewerkschaftlichen Arbeit eingenommen.

In deine Amtszeit fiel der weitere Ausbau des Internetprogramms der gewerkschaftlichen Jugendarbeit - die stärkere Nutzung der sozialen Netzwerke. Was bedeutet die Digitalisierung von Kommunikation?

Die Kommunikation über die sozialen Netzwerke ist das eine - und die Gewerkschaftsjugend ist gut beraten, diese im Blick zu behalten. Ansprache und vor allem Einbindung der Jugendlichen im Betrieb, an der Berufsschule oder an der Uni sind allerdings nach wie vor entscheidend für die Aktivierung der Jugendlichen.

Welche zentrale Erfahrung nimmst du mit?

Für die politische Durchsetzungsfähigkeit und gesellschaftliche Relevanz der DGB-Gewerkschaften in Deutschland und Europa ist es zwingend nötig, auch zukünftig einen starken und effizienten Dachverband zu haben.

Was gibst du deinem Nachfolger Florian Haggenmiller mit auf den Weg?

Ich hoffe, eine Menge Anregungen und gute Ideen. Und dass er sich eine gewisse Portion Gelassenheit bewahrt. Aber das ist leichter gesagt als getan, das weiß ich aus eigener Erfahrung.

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