Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung in Demokratie

Junge Frau in Trainingsjacke

© DGB-Jugend

Vor zehn Jahren startete die Berufsschultour des DGB. Susanne Wingertszahn ist von Anfang an dabei.

Susanne, zehn Jahre Berufsschultour, du bist von Beginn an dabei. Was war das schrägste Ereignis?

Schräg nicht, eher spannend: Ich habe mal mit DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock eine Berufsschülerin gespielt. Es gab in der Startphase sehr viele Diskussionen um die Inhalte des Projekttags Demokratie und Mitbestimmung (PDM). Auch Ingrid wollte wissen, wie genau ein PDM umgesetzt wird - und da gibt es keine bessere Methode, als den Projekttag selbst zu erleben. In Rheinland-Pfalz hat auch schon die Bildungsministerin Doris Ahnen, die die Berufsschultour unterstützt, am Projekttag selbst teilgenommen.

Worin besteht das Konzept?


Wir sind Partner der Berufsschulen. Wir besuchen viele von ihnen in einem bestimmten Zeitraum, gehen mit Teams in die Klassen, machen dort Projekttage. Währenddessen befindet sich ein Team aus Haupt-und Ehrenamtlichen der Gewerkschaften auf dem Schulhof.

War das erfolgreich?


Auf jeden Fall! Wir sind mal mit ca. 40 Teamenden bundesweit gestartet. Heute machen wir mindestens vier Teamschulungen pro Jahr, sind innergewerkschaftlich gut vernetzt und erreichen mit dem Konzept bundesweit jährlich Zehntausende von Auszubildenden.

Gibt es heute andere Anforderungen?

Die Ausbildungslandschaft hat sich strukturell gewandelt, viele Azubis erreichen wir nicht mehr ausschließlich über betriebliche Zugänge. Für drei Viertel der Jugendlichen, die wir mit unserer Berufsschularbeit erreichen, ist die Tour der erste Kontakt mit Gewerkschaften. Gut die Hälfte davon kann sich vorstellen, Mitglied zu werden. Die Berufsschultour ist also weiterhin das entscheidende Instrument, um möglichst viele Auszubildende anzusprechen.

Wie weit her ist es mit ihren Demokratiekenntnissen?

Für eine politische und gesellschaftliche Aktivierung der jungen Generation ist es Voraussetzung, dass alle Jugendlichen Möglichkeiten der Artikulation und Vertretung haben. Mit der Berufsschultour erreichen wir eine Zielgruppe, die mit sonstigen Angeboten politischer Jugendbildung, z. B. durch Jugendverbände, eher weniger in Kontakt kommt. Daher sind unsere Angebote sehr wichtig.

Schlägt sich die Präsenz neuer Medien bei den Schülern nieder?

Für viele junge Menschen sind die Möglichkeiten interaktiver Medien bereits gelebte Kultur. Sie werden wenig Verständnis dafür haben, wenn andere diese Möglichkeiten nicht nutzen. Wir sind als Gewerkschaftsjugend im Web 2.0 bereits gut aufgestellt und wir werden weiter kontinuierlich auf hohem Niveau in diesem Bereich arbeiten.

Wo siehst du die Zukunft der Berufsschultour?


Sie ist ein gemeinsames, sehr erfolgreiches und besonderes Projekt der DGB-Jugend mit allen Gewerkschaftsjugenden - auf Bundesebene und vor Ort. Ich möchte die Berufsschultour in der Zukunft an allen berufsbildenden Schulen bundesweit sehen.


Susanne Wingertszahn ist Bezirksjugendsekretärin beim DGB West.


(aus der Soli 8+9/12, Autor: Soli aktuell)