Deutscher Gewerkschaftsbund

Abbruchunternehmen Hochschule

HIS-Studie 2012: Besser, praxis­tauglicher, grenzüberschreitend -
so sollte das Studium mit Bologna ­werden. In der Realität brechen nach wie vor Tausende ihr Studium ab.

Vor gut 13 Jahren haben die EU-BildungsministerInnen im italienischen Bologna die größte Bildungsreform seit Jahrzehnten angestoßen. Das Studium sollte besser, praxisnäher und internationaler werden. Doch ein wesentliches Ziel - die hohe Zahl der Studienabbrüche zu reduzieren - bleibt uneingelöst, wie eine neue Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) zeigt. Nach wie vor brechen tausende Studierende ihr Studium ab. Eigentlich sollte die Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem das Gegenteil bewirken: dass wesentlich mehr Studierende ihr Studium erfolgreich abschließen.

Für die HIS-Studie wurden der Absolventenjahrgang 2010 bzw. die StudienanfängerInnen der Jahre 2004 bis 2007 befragt. Im Vergleich mit den letzten Studienabbruchbefragungen der Absolventenjahrgänge 2006 und 2008 zeigen sich insbesondere folgende Veränderungen: Von 100 deutschen StudienanfängerInnen der Jahrgänge 2006/2007 im Bachelorstudium sind 28 erfolglos ausgestiegen. Damit hat sich die Studienabbruchquote bei den Bachelorstudierenden im Vergleich zu 2004/ 2005 um drei Prozentpunkte erhöht.

Große Unterschiede zeigen sich dabei zwischen Universitäten und Fachhochschulen: Während im Bachelorstudium an den Fachhochschulen lediglich ein Studienabbruch von 19 Prozent (2006: 36 Prozent) der betreffenden StudienanfängerInnen festzustellen ist, liegt diese Quote an den Universitäten bei 35 Prozent (2006: 25 Prozent). Besonders viele Studierende brechen ihr Studium dabei in ingenieurs- und naturwissenschaftlichen Studiengängen ab.

Gründe und Zeitpunkte der Studienabbrüche wurden leider nicht erhoben. Es ist aber zu befürchten, dass die in einer gesonderten Studie 2010 festgestellten Mängel weiterhin bestehen: hohe Leistungsanforderungen, (unzureichende) Studienbedingungen, Prüfungsversagen und finanzielle Probleme.

Um ein Scheitern der Reform zu vermeiden, fordert die DGB-Jugend einen Kurswechsel bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses. Es muss der Grundsatz gelten: Qualität geht vor Tempo. DGB-Jugend-Referentin Stefanie Geyer: "Wir brauchen die sorgfältige Umsetzung einer Reform, die die Qualität des Studiums und der Lehre nachhaltig verbessert."


Die HIS-Abbrecherstudie 2012: www.his.de/pdf/pub_fh/fh-201203.pdf


(aus der Soli aktuell 7/12, Autor: Soli aktuell)