Deutscher Gewerkschaftsbund

Unternehmen ohne Zukunft

Die meisten Azubis haben zum Ende ihrer Ausbildung hin keine Übernahmezusage. Die DGB-Jugend kritisiert die Arbeitgeber für ihre nicht vorhandene Nachwuchsarbeit.

Nicht müde werden Arbeitgeber, wenn sie den Fachkräftemangel beklagen - am besten in Kombination mit der Forderung nach Aufweichung des Jugendarbeitsschutzes oder ähnlicher oller Kamellen. Wenn es aber um die Übernahme in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung geht, wird es merklich still.

Und so wundern einen die Ergebnisse der neuesten DGB-Jugend-Studie "Perspektiven durch Übernahme", die in sechs Bundesländern im letzten Ausbildungsjahr durchgeführt wurde, nicht wirklich: 57 Prozent der ca. 1.500 befragten Auszubildenden haben demnach noch keine Übernahmezusage. Und als würde das noch nicht reichen, gibt es umgekehrt ganz viel Gewissheit: Jeder vierte Befragte (25 Prozent) kann angeben, dass er nach der Ausbildung nicht übernommen wird. Etwa ein Drittel (32 Prozent) hatte bis dato überhaupt keine Informationen darüber, wie es weitergehen soll. Motto: "Keine Ahnung, was aus mir wird." Und selbst wenn junge Menschen nach ihrer Ausbildung übernommen werden, erfolgt dies oft nur zeitlich befristet.

"Diese Ungewissheit belastet viele Auszubildende", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Ihnen würden leichtfertig Perspektiven für das weitere Berufsleben und die eigene Lebensplanung vorenthalten.

Stichwort Prekarität: Junge Leute, die nach ihrer Ausbildung keine Stelle finden, haben häufig nur begrenzten Anspruch auf Arbeitslosengeld. Daher droht ihnen im Fall von Erwerbslosigkeit häufig der Weg ins Fürsorgesystem Hartz IV - ein enormes Erpressungspotenzial. Denn sie werden so in prekäre Jobs gedrängt. "Das Ergebnis bestätigt die Tendenz, dass gerade junge Menschen, wenn überhaupt, eher in unsicherer Beschäftigung landen", so Sehrbrock.

Diese Zunahme von prekärer Arbeit sei jedoch kein Zufall, sondern folge aus der Politik der letzten Jahre, die sich die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zum wichtigsten Ziel gesetzt hat, heißt es in der Studie.

Überraschend sind die Ergebnisse aus Sicht der DGB-Jugend aber im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Zukunft der Unternehmen: "Die Auszubildenden kennen die Gegebenheiten des Betriebs, sind in die Abläufe involviert und müssen sich nicht erst einarbeiten", sagt DGB-Jugend-Ausbildungsexperte Benjamin Krautschat. Es sei höchst fahrlässig, dass die Betriebe die Sicherung von Fachkräften vernachlässigten und ihre eigenen Potenziale nicht nutzten.

Die Gewerkschaftsjugend fordert im Sinne der Azubis die unbefristete Übernahme in ein Vollzeitbeschäftigungsverhältnis unter Berücksichtigung der absolvierten Ausbildung sowie des Wohnorts.


Die Studie gibt's auf www.dgb-jugend.de/ausbildung


(aus der Soli aktuell 7/12, Autor: Soli aktuell)