Deutscher Gewerkschaftsbund

Ganz schön düster

Erstmals hat der Internationale Gewerkschaftsbund eine weltweit repräsentative Umfrage durchgeführt. Die Mehrzahl der Weltbevölkerung blickt pessimistisch in die Zukunft.

Unsicherheit, Angst und das Gefühl politischer Ohnmacht - das Lebensgefühl vieler Menschen ist derzeit getrübt. Dies geht aus der ersten weltweiten repräsentativen Umfrage hervor, die im Auftrag des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) im Mai 2012 in 13 Ländern durchgeführt wurde.

Der IGB hatte nach den Lebensumständen gefragt. Antworten gaben Menschen in Belgien, Brasilien, Bulgarien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Indonesien, Japan, Mexiko, Südafrika, Großbritannien und den USA. Damit spiegelt die Umfrage die Meinung von mehr als 1,4 Milliarden Menschen wider, das sind rund 20 Prozent der Weltbevölkerung. 14 Prozent der Befragten sind Gewerkschaftsmitglieder. Natürlich spielte hier die junge Generation eine große Rolle - schließlich wurden Zukunftsthemen abgefragt:

  • 58 Prozent glauben, dass sich ihr Land in die falsche Richtung bewegt.

  • 66 Prozent glauben, dass es künftige Generationen schlechter haben werden.

  • 67 Prozent glauben, dass internationale Banken und Finanzinstitutionen zu viel Einfluss auf die wirtschaftlichen Entscheidungen der Regierungen haben.

  • 67 Prozent glauben nicht, dass die WählerInnen genügend Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen haben.



Vor allem für junge Leute sieht es in der Wahrnehmung der Befragten demnach nicht gut aus. Wie aber die Dauerkrisen beheben? Vor die Wahl gestellt, wünschen sich 66 Prozent der Menschen staatliche Investitionen zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Förderung des Wirtschaftswachstums. Nur 24 Prozent wollen sofort Schulden abbauen, indem öffentliche Ausgaben gesenkt werden. Die Mehrheit lehnt die strikte Sparpolitik einiger Regierungen ab. Ein klares Meinungsbild zeigt sich denn auch bei der Frage nach den Verursachern der globalen Finanzkrise:

  • 78 Prozent der Befragten glauben, dass internationale Banken und Finanzinstitutionen mehr für die globale Finanzkrise bezahlen sollten.

  • 45 Prozent glauben, dass kleine Unternehmen weniger für die weltweite Finanzkrise bezahlen sollten.

  • 50 Prozent glauben, dass vor allem die Beschäftigten weniger für die Krisenbewältigung zahlen sollten.



Erstmals wurde in den 13 Ländern zudem erfragt, was die Bevölkerung von grundlegenden Arbeitsgesetzen hält:

  • 70 Prozent der Befragten halten den gesetzlichen Schutz zur Arbeitsplatzsicherung nicht für ausreichend.

  • 89 Prozent befürworten das Recht auf einen Gewerkschaftsbeitritt.

  • 86 Prozent sind für das Recht auf Tarifverhandlungen.



Die komplette Umfrage gibt's auf Englisch im Internet auf www.dgb.de/-/fHz


(aus der Soli aktuell 7/12, Autor: Soli aktuell)