Deutscher Gewerkschaftsbund

Schlechte Ausbildung hilft nicht

Berufsbildungsbericht 2012: Es mangelt nicht an Fachkräften, sondern an korrekten Bedingungen.

Ist doch alles super, oder? Mitte Mai 2012 konnte die Bundesregierung ihren jährlichen Berufsbildungsbericht veröffentlichen. Die Demografie soll demnach alles richten. "Die deutsche Wirtschaft wird bald jeden jungen Menschen brauchen", verkündet das Bundesbildungsministerium, das den Bericht herausbringt.

Grund genug für die Spitzenverbände der Wirtschaft, bezüglich der aktuellen Zahlen über einen robusten Fachkräftemangel zu klagen. Hätten sie recht, müssten die Unternehmen den jungen Leuten rote Teppiche ausrollen, und zwar meterdick. Aber das Gegenteil ist der Fall: Von einer Steigerung etwa der Ausbildungsvergütungen ist man ebenso weit entfernt wie von mehr freien Tagen.

Kein Wunder, dass dem DGB der Kragen geplatzt ist. Seine Bildungsabteilung hat passend zum Report eine Untersuchung veröffentlicht. Tenor: Es gibt mehr als genug ausbildungswillige junge Menschen. Aber die Betriebe sind nicht ausbildungsreif. Denn die Lage auf dem Ausbildungsmarkt mag sich 2011 aufgrund der demografischen Entwicklung zwar etwas entspannt haben - fast 30.000 Stellen sollen nicht besetzt worden sein. Doch andererseits bleibt die Situation für zehntausende Jugendliche problematisch. Denn noch immer waren zum Abschluss des Berufsbildungsjahres 2011 wesentlich mehr AusbildungsstellenbewerberInnen (insgesamt 76.700) auf Stellensuche als Ausbildungsplätze (29.689) vorhanden.

Rein rechnerisch hätte somit jede der noch offenen Stellen mehr als zweimal besetzt werden können. Die Frage an das Bildungsministerium lautet also: Wann ist bald? Und warum diskutiert Deutschland schon seit Jahren über einen Mangel an Fachkräften?

Antwort: wider besseren Wissens. Die DGB-Bildungsexperten Matthias Anbuhl und Thomas Gießler haben die Ausbildungsberufe mit einem hohen Anteil unbesetzter Plätze untersucht. Das Ergebnis: In diesen Berufen gibt es hohe Abbrecherquoten, Überstunden und hohe Misserfolgsquoten bei den Prüfungen. Sparten wie die Gastrobranche schneiden auch in der Bewertung der Auszubildenden regelmäßig schlecht ab, wie der Abgleich mit dem Ausbildungsreport der DGB-Jugend 2011 ergeben hat. Würden die Betriebe ihre Ausbildung besser und attraktiver gestalten, gäbe es auch nicht so viel zu jammern.

Problematisch sind auch die Ausbildungsvergütungen, vor allem, wenn es darum geht, dass Azubis mobil sein sollen: Ohne eine faire Bezahlung ist zum Beispiel ein Wechsel in eine andere Stadt kaum möglich, weil Miete und Lebenshaltungskosten von der Vergütung nicht bezahlt werden könnten.

Die Schlussforderung des DGB: Wenn Betriebe und ganze Branchen Probleme mit der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben, müssten sie gerade im eigenen Interesse der Fachkräftesicherung eine angemessene Vergütung bezahlen.

(aus der Soli aktuell 6/12, Autor: Soli aktuell)