Deutscher Gewerkschaftsbund

Personalpolitik: Anonym ist besser

Eine Studie belegt: Anonymisierte Bewerbungsverfahren verhindern Diskriminierung. Vor allem das ­Verschweigen des Geschlechts und der Herkunft zahlt sich aus.

Anonymisierte Bewerbungsverfahren bieten mehr Chancengleichheit für alle, denn die Qualifikationen rücken stärker in den Vordergrund - so lautet das zentrale Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Pilotstudie der Antidiskriminierungsstudie des Bundes.

Fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber waren an der Umfrage beteiligt: Sie vergaben für zwei Monate ihre Jobs nach einem anonymisierten Bewerbungsverfahren. Auf Angaben zu Geschlecht, Alter oder Herkunft (durch den Namen) wurde verzichtet. Der Bewerber sollte allein nach den Qualifikationen beurteilt werden - sogar der Nachweis von Zeugnissen war überflüssig. Die Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen besetzten so 246 Stellen aus insgesamt 8.550 Bewerbungen.

Ergebnis: Das Fehlen dieser Angaben stellte für die Mehrheit der Personalverantwortlichen kein Problem dar, im Gegenteil: Besonders das Weglassen des Fotos trage dazu bei, sich rein auf die Qualifikationen zu konzentrieren. Einige berichteten sogar von BewerberInnen, die sie mit dem herkömmlichen Verfahren womöglich nicht eingeladen hätten. Positiv beurteilt wurde auch, dass die anonymisierten Bewerbungsverfahren zur Diskussion der bisherigen Rekrutierungspraxis anregten.

Bei den BewerberInnen schätzten 41 Prozent ihre Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, beim anonymisierten Verfahren höher ein als beim herkömmlichen Verfahren. 54 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihr Potenzial beim anonymisierten Verfahren besser darstellen konnten.
Einen besonderen Vorteil hat das anonymisierte Verfahren vor allem für junge Frauen. Trotz sehr guter Qualifikationen und Berufserfahrungen scheitern sie oft, da ihnen bei der Auswahl oft ein baldiger Kinderwunsch unterstellt wird. Auch Menschen anderer Nationalität, mit einem ausländisch klingenden Namen oder Aussehen würden profitieren. Die Studie zeigt, dass auch ihre Chancen durch die Anonymisierung steigen.


Die Studie im Internet: http://tinyurl.com/Antidis-Pilotstudie


(aus der Soli aktuell 5/12, Autor: Soli aktuell)