Deutscher Gewerkschaftsbund

Gutes Handwerk wäre besser

Fachkräftebedarf ist ein Zukunftsthema auch im Handwerk. Davon weiß dies aber vielerorts noch nichts. Das muss anders werden. Ein Zwischenruf von IG Metall-Bundesjugendsekretär Eric Leiderer.

Einen betrieblichen Ausbildungsplan, eine Ausbildungswerkstatt, qualifiziertes Ausbildungspersonal oder eine zusätzliche Förderung, wenn in der Ausbildung mal was nicht klappt - was für Auszubildende in Groß- und Mittelbetrieben zum Standard gehört, ist in Klein- und Handwerksbetrieben eher die Ausnahme. Einzelne Lernphasen werden häufig nach Auftragslage organisiert - und die Azubis nebenher mitbetreut. Ausbildungsfremde Arbeiten sind an der Tagesordnung.

Im Industriebetrieb würden in ähnlichen Situationen die Betriebsräte eingreifen und dafür sorgen, dass der Ausbildungsplan eingehalten wird. Denn gerade in Fragen der Berufsausbildung haben Betriebsräte weitreichende Mitspracherechte. Doch diese betriebliche Interessenvertretung gibt es in vielen Handwerksbetrieben nicht. Denn ein Betriebsrat kann erst ab einer Betriebsgröße von fünf Beschäftigten gewählt werden. Und das ist bei 58 Prozent der Handwerksbetriebe gar nicht der Fall.

Grundsätzlich gibt es in jedem Handwerksbetrieb einen Meister, der gleichzeitig über die Qualifizierung zum Ausbilder verfügt. Doch in der täglichen Praxis übernehmen nicht sie, sondern die Gesellen die Ausbildung. Und diese stehen meist unter enormem Arbeitsdruck. Allzu oft werden Auszubildende während ihrer Ausbildungszeit dann zu Tätigkeiten herangezogen, die mit der Ausbildung nichts zu tun haben oder als Aushilfe für fehlende Mitarbeiter eingesetzt. Das nennt man dann praxisnah. Mit ihrer lückenhaften Ausbildung haben sie es schwer, in einem anderen Unternehmen zu bestehen.

Dass diese Ausbildungsbedingungen viele junge Menschen vor einer Ausbildung im Handwerk abschrecken, liegt auf der Hand. Trotzdem wird im Handwerk über den eigenen Bedarf ausgebildet. Allein im Organisationsbereich der IG Metall gibt es etwa 220.000 Jugendliche, die in Handwerksbetrieben ausgebildet werden. Viele von ihnen stehen nach der Prüfung auf der Straße. Denn es ist Praxis in vielen Handwerksbuden, sich nach der Prüfung die Besten herauszupicken und alle anderen nicht in einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu übernehmen.

Trotzdem spricht der Zentralverband des Deutschen Handwerks für den Bereich Ostdeutschland und für einzelne Regionen und Berufe von einem drohenden Fachkräftemangel. Ein Widerspruch? Wohl kaum: Wenn ein Ausbildungsbetrieb keine qualifizierte Berufsausbildung durchführt, kann er nach der Prüfung nicht auf einen gut ausgebildeten Gesellen zurückgreifen. Auf lange Sicht fehlt dann der qualifizierte Nachwuchs. Dazu kommt, dass viele junge Menschen das Handwerk verlassen, da die Arbeitsbedingungen unreguliert und oft weit von guter Arbeit entfernt sind. Zudem wird im Handwerk schlechter bezahlt als in der Industrie. Das erleben Auszubildende bereits während der Ausbildungszeit.

Die Handwerksunternehmen täten besser daran, bereits während der Ausbildung die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen zu fördern und eine qualifizierte Berufsausbildung durchzuführen.


(aus der Soli aktuell 1/12, Autor: Eric Leiderer)