Deutscher Gewerkschaftsbund

Sagen, worauf es ankommt: Die JAV-Preisträger aus Essen

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung der Stadt Essen hat den Sonderpreis der DGB-Jugend für gute JAV-Arbeit im öffentlichen Dienst gewonnen. Soli aktuell traf die beiden JAVis Louis Heidrich und Sahdia Schieren in Berlin.

JAV der Stadt Essen, junger Mann, junge Frau, im Hintergrund weitere Personen

© Simone M. Neumann

Louis Heidrich, 24, (l. v.) ist JAV-Vorsitzender bei der Stadtverwaltung Essen; Sahdia Schieren, 25, (r. v.) Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit der JAV. Bei der Preisverleihung in Berlin trafen sie: Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack, ver.di-Bundesjugendsekretärin Julia Böhnke und GEW-Hauptvorstandsmitglied Daniel Merbitz (v. l. h.).

Was ist die JAV der Stadt Essen für ein Gremium?
Sahdia: Unsere JAV hat neun Mitglieder. Wir sind noch ein sehr junges Gremium: Nur unser Vorsitzender Louis und zwei weitere Mitglieder hatten schon JAV-Erfahrung. Nach einer kleinen Findungsphase ging es dann auf die Personalversammlung zu – und wir wollten einen Film drehen. Wir wollten unsere Forderungen einfach noch mal anders verpacken und dem Arbeitgeber vor versammelter Mannschaft lieb, nett und lustig sagen, worauf es uns ankommt. Ich finde, wir haben das echt gut hinbekommen!

Warum bist du in die JAV gegangen?
Sahdia: Eine Kollegin vom Personalrat hat gefragt, wie alt ich bin. Ich war die Einzige, die jung genug war für das Amt. Louis kam dann auf mich zu und hat gesagt: "Nächstes Jahr sind JAV-Wahlen, da bist du dabei." Und ich habe eine Aufgabe gefunden, die mir richtig viel Spaß macht.

Louis, wie kriegt man denn die Kontinuität in der JAV-Arbeit hin? Eure Film-Themen klingen ja nach längerfristigem Engagement…
Louis: Das ist das Problem – in der Regel ist man nur zwei Jahre in der JAV. Wir drücken mit unseren Forderungen deswegen mächtig aufs Tempo, um sie durchzusetzen.

Was ist der wichtigste Punkt?
Louis: Das Thema Verbeamtung. Als wir das öffentlich gemacht haben, hatten wir eine riesige Resonanz – mein Telefon stand den ganzen Tag nicht mehr still. Wir sind besonders stolz, dass wir an dieser Stelle endlich etwas durchsetzen konnten!

Sahdia: Das hat viel mit Fachkräftegewinnung zu tun: Die Verwaltungen der Städte um Essen herum verbeamten Nachwuchskräfte schon im Studium – oder spätestens, wenn sie nach dem Abschluss in den Job wechseln. Wir mussten da konkurrenzfähiger werden, die Ausgebildeten gehen doch sonst einfach woanders hin.

Louis: Zum zweiten waren uns die dual Studierenden der Sozialen Arbeit sehr wichtig. Sie müssen ihre Studiengebühren selber zahlen, das fanden wir ungerecht. Wir konnten uns nicht ganz durchsetzen, aber durch eine Gehaltsanpassung zahlen sie nun nur noch einen viel kleineren Betrag. Da sind wir aber weiter im Gespräch.

Was bedeutet Gewerkschaft für euch?
Louis: Solidarität!

Sahdia: Wir stehen im kontinuierlichen Austausch mit der ver.di Jugend vor Ort. Die halbe JAV ist bei ver.di aktiv. Eine JAV-Kollegin und ich haben nun auch die Geschäftsführung beim Bezirksjugendvorstand übernommen. Die Gewerkschaft hat uns bei unserem Filmprojekt massiv unterstützt, das war ja ansonsten ein No-Budget-Projekt.

Louis: Ich bin zudem aktiv bei der Arbeitskampfleitung für die nächste Tarifrunde.

Kanntet ihr die Laudatorin, die ver.di-Bundesjugendsekretärin Julia Böhnke?
Sahdia: Klar, vom Aktiventreffen im letzten April in Berlin.

Was bedeutet euch der JAV-Preis der DGB-Jugend?
Sahdia: Wir haben die Ausschreibung vier Wochen vor dem Abgabetermin entdeckt – wir haben unseren Film also auf den letzten Drücker eingereicht. Wir freuen uns sehr!


(Aus der Soli aktuell 1/2023, Autorin: Soli aktuell)

Wir drehen unseren eigenen Film!
"Die Ausbildung zu verbessern zählt zu unseren wichtigsten Aufgaben – dafür gehen wir auch gerne unkonventionelle Wege": Louis Heidrich, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der Stadtverwaltung Essen, und seine Mitstreiter*innen scheuen keine Mühen, wenn es um die Interessen der jungen Menschen geht, die sie vertreten.

So zum Beispiel, als sie ihre Forderungen zur Verbesserung der Ausbildungsbedingungen bei ihrem Arbeitgeber in einen knackigen Filmbeitrag verpackten, den sie auf der Personalversammlung präsentierten – um den Arbeitgeber auf charmante, aber bestimmte Art zu Verhandlungsgesprächen zu bewegen.

Dafür erhielt das Gremium im Winter 2022 den Sonderpreis der DGB-Jugend bei der Verleihung des Deutschen Personalräte-Preises im Rahmen des Schöneberger Forums in Berlin. "Erfolgreich verhandeln mit Unterstützung neuer Medien", das sei der JAV-Essen vorbildlich gelungen, unterstrich ver.di-Bundesjugendsekretärin Julia Böhnke in ihrer Laudatio. Mit seinem Projekt habe das Gremium die Ausbildungsqualität gesichert und dem Fachkräftemangel entgegengearbeitet.

Nach einer Umfrage unter den jungen Leuten im Betrieb wurden an die JAV drei Forderungen gestellt:

  • die Ausstattung mit digitalen Endgeräten anzustreben, die den Nachwuchskräften im Unterricht sowie beim Lernen helfen sollen,
  • für die Verbeamtung ab dem ersten Tag der Ausbildung bzw. des Studiums zu sorgen,
  • die Vergütung der dual Studierenden der sozialen Arbeit zu erhöhen, sodass sie ihre Studiengebühren nun gut kompensieren können.

Gedreht wurde im Rathaus der Stadt Essen und in einem Greenscreen-Room. Ein Gremienmitglied kümmerte sich um die Technik – und am Ende war ein zehnminütiger Film fertigproduziert, mit dem sich die JAV mit ihren Forderungen auf der Personalversammlung vorstellte.

Der Arbeitgeber sicherte danach zu:

  • dass digitale Endgeräte zunächst für die Studierenden im gehobenen und danach im mittleren Dienst eingeführt werden,
  • dass die Nachwuchskräfte ab dem ersten Tag der Ausbildung bzw. des Studiums verbeamtet werden,
  • eine Gehaltsanpassung bei den Studierenden der Sozialen Arbeit.

Auch 2023 wird der Preis der DGB-Jugend für JAV-Arbeit im öffentlichen Dienst verliehen. Hier geht es zur Bewerbung!