Deutscher Gewerkschaftsbund

Da hat sich nicht viel geändert

Laut einer neuen DGB-Studie werden Schwangere und junge Mütter am Arbeitsplatz benachteiligt.

Frau trägt Mutter auf ihren Schultern

photocase/SirName

Hier geht es zur Studie: www.dgb.de/-/lqT. DGB-Jugend-Tipps zu Fragen rund um die Schwangerschaft: https://jugend.dgb.de/-/imy

Vor 70 Jahren verabschiedete der Deutsche Bundestag das Mutterschutzgesetz. Von den damals 410 Abgeordneten waren 30 weiblich. Seither hat sich einiges im Parlament getan – aber wenig an den Schutzvorkehrungen. Das Gesetz regelt das Arbeitsverhältnis während Schwangerschaft und Stillzeit. Nach einer Novelle im Jahr 2018 müssen Arbeitgeber den Arbeitsplatz Schwangerer oder Stillender so einrichten, dass sich Kinder kriegen, Stillwunsch und Berufstätigkeit nicht von vornherein ausschließen.

Die aktuelle DGB-Studie "Erfahrungen mit dem Mutterschutz am Arbeitsplatz" zeigt aber, dass Verstöße gegen ebendiese Regelungen keine Seltenheit sind. Mehr als die Hälfte der 1.193 online befragten Mütter gab an, in der Schwangerschaft mehrmals Mehrarbeit über die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit hinaus geleistet zu haben. Und ebenso viele geben an, die Tageshöchstarbeitszeit von 8,5 Arbeitsstunden in dieser Zeit überschritten zu haben (55 Prozent). "Mehrarbeit ist offensichtlich die Regel, ebenso werden Vorschriften für Ruheräume und Entlastungsmöglichkeiten vielfach nicht eingehalten", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.

Angesichts des grundsätzlich nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen gesundheitlichen Beschwerden und dem Leisten von Überstunden bezeichnen die Autor*innen der Studie dieses Ergebnis als besonders gravierend. Hannack: "Immer noch ist für viele Frauen die Geburt eines Kindes eine Karrierebremse – um dies zu ändern, gibt es noch viel zu tun."

Die Unternehmen müssten endlich lernen, Schwangerschaft und Geburt als selbstverständlichen Teil in den Berufsbiografien ihrer Beschäftigten zu akzeptieren.


(Aus der Soli aktuell 9-10/2022, Autorin: Soli aktuell)