Deutscher Gewerkschaftsbund

Wer nicht wählt, wählt falsch!

Ein Gewerkschaftspionier: Zum Andenken an den ehemaligen DGB-Bundesjugendsekretär Walter Haas.

© Solidarität

In Gedenken an Walter Haas (links im Bild, auf der Europäischen Jugenddelegiertenkonferenz 1971. Aus der "Solidarität" 1-2/1971).

"In diesen Monaten treffen junge Arbeitnehmer in den Betrieben und Unternehmen eine wichtige Entscheidung. Sie werden an der Wahlurne darüber befinden, wer ihre Interessen für die nächsten 2 Jahre vertritt"…

Schon lange ruft die DGB-Jugend zu den JAV-Wahlen auf und verbindet damit politische Forderungen. So auch im Magazin "Solidarität", der Vorläuferin der Soli aktuell vor gut fünf Jahrzehnten. Worum ging es damals? Gefordert wurde:

  • eine wirksamere Interessenvertretung im Betrieb und in der Ausbildung durch mehr Rechte der Jugendvertreter*innen
  • eine bessere Berufsbildung
  • ein wirksamerer Jugendschutz
  • Bildungsurlaub
  • die Herabsetzung des Volljährigkeitsalters.

Der DGB gab damals noch einen Rat mit: Er forderte "alle jungen Arbeitnehmer auf, durch eine große Wahlbeteiligung ihre Bereitschaft zur Durchsetzung ihrer Rechte und Forderungen in den Betrieben und Unternehmen zu zeigen. Wer nicht wählt, wählt falsch!"

Geschrieben hat das der damalige DGB-Bundesjugendsekretär Walter Haas, der in diesem Frühjahr im Alter von 81 Jahren verstorben ist. "Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, den Freundinnen und Freunden sowie den Kolleginnen und Kollegen, die mit Walter arbeiten durften. Wir werden ihn sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken erhalten", schreiben die Kolleg*innen vom DGB NRW.

Geboren am 26.März 1941 in Solingen, absolvierte Haas nach dem Besuch der Volksschule eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Schon am 1.Mai 1955 wurde er Mitglied der IG Metall und engagierte sich in den Folgejahren als Jugendvertreter und Betriebsrat. Als anerkannter Kriegsdienstverweigerer leistete er seinen zivilen Ersatzdienst in der Altenpflege bei der Arbeiterwohlfahrt.

Im November 1968 wurde Haas DGB-Bundesjugendsekretär und war in den Folgejahren gleichzeitig Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR), wo er sich als Pionier des deutsch-israelischen Gewerkschaftsaustauschs hervortat.

Der junge Ehrenamtliche war 1961 zum ersten Mal mit einer Gewerkschaftsdelegation in Israel. Diese Begegnung prägte ihn sein ganzes Leben lang – in all seinen späteren Funktionen blieb er ein treuer Freund Israels. 1974 rief er die Partnerschaft des DGB NRW mit dem israelischen Dachverband Histadrut in Tel Aviv-Yafo ins Leben.

Als DBJR-Vorsitzender engagierte er sich zudem für die Gleichrangigkeit von Jugendfürsorge und -arbeit im Jugendhilfegesetz. Nach seinem Ausscheiden als DGB-Bundesjugendsekretär gehörte er seit 1978 dem Geschäftsführenden Vorstand des DGB NRW an, war im Vorstand bzw. Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben und des DGB-Bildungswerks NRW, machte sich um die politische Bildung verdient.

Die Gewerkschaftsbewegung hat einen großen Mitstreiter verloren.


(Aus der Soli aktuell 9-10/2022, Autorin: Soli aktuell)