Deutscher Gewerkschaftsbund

So geht gute Ausbildung

Werdet ihr gut auf die Prüfungen und das Arbeitsleben vorbereitet? Stellt euren Betrieb auf den Prüfstand! Eure JAV kann euch dabei unterstützen.

Julia Kanzog

 Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog.

Die Ausbildungsinhalte
Ist der Begriff Ausbildungsrahmenplan ein Fremdwort für euch, dann solltet ihr jetzt gut aufpassen: Er stellt den Grundstock für eine inhaltlich qualitative Ausbildung dar und legt für jeden Ausbildungsberuf genau fest, was ihr wann lernen müsst. Er muss eurem Ausbildungsvertrag beiliegen. Ihr seid unsicher, ob ihr richtig ausgebildet werdet? Nehmt den Rahmenplan zur Hand, vergleicht ihn mit den Inhalten im Berichtsheft und holt euch Unterstützung, wenn was nicht stimmt!

Das Berichtsheft
Wenn ihr das Berichtsheft aufschlagt und es herrscht gähnende Leere, dann sollten die Alarmglocken klingeln: Denn hier schreibt ihr täglich oder wöchentlich, was ihr im Betrieb gelernt habt. Das dient als Lernzielkontrolle und auch als wichtiger Nachweis, ob ihr auch alle Ausbildungsinhalte erlernt. Das Berichtsheft muss vom Betrieb kostenlos zur Verfügung gestellt, regelmäßig kontrolliert und unterschrieben werden. Und da es verpflichtender Teil der Ausbildung ist, dürft ihr das Berichtsheft während der Arbeitszeit schreiben!

Die Ausbilder*innen
Im stillen Kämmerchen oder mithilfe des Internets lassen sich Abläufe und Praxisinhalte schlecht erlernen. Auch Mitauszubildende, Praktikant*innen oder Aushilfskräfte sind keine qualifizierten Ansprechpersonen, um einen Beruf zu erlernen. Daher muss euch eine Person ausbilden, die fachlich und persönlich geeignet ist und im Betrieb greifbar sein muss. Dies*e Ausbilder*in ist auch in einem Ausbildungsvertrag eingetragen.

Euer Leistungsstand
Lernfortschritte sind individuell, die Ausbildung ist also auf den individuellen Leistungsstand abzustimmen. Bei guten Leistungen besteht die Möglichkeit der Verkürzung. Wenn ihr dagegen mehr Unterstützung braucht, gibt es bei schulischen Problemen die Möglichkeit zur Nachhilfe (ausbildungsbegleitende Hilfen) oder einer Verlängerung der Ausbildungszeit. Euer Betrieb muss euch hier unterstützen.

Die Berufsschule
Die Berufsschule ist verpflichtender Bestandteil der Ausbildung, ihr seid vom Betrieb für die Berufsschule freizustellen. Klartext: Die Berufsschule geht der betrieblichen Praxis vor. Ein betriebliches Interesse an eurem Leistungsstand in der Berufsschule ist daher ein gutes Zeichen. Solltet ihr im Betrieb angewiesen werden, zu arbeiten anstatt die Berufsschule zu besuchen, darf das nur der absolute Ausnahmefall sein.

Überstunden? Nein, danke!
Übermüdet in der Berufsschule, weil ihr am Vortag bis open end gearbeitet habt? Sind Überstunden bei euch an der Tagesordnung und einen freien Tag gibt es dafür auch nicht? Das entspricht nicht dem Zweck einer Ausbildung.

Die Ausbildungsinhalte können in der vorgegebenen Zeit vermittelt werden, daher braucht es keine oder nur im Ausnahmefall Überstunden für eine qualifizierte Ausbildung. Arbeitet ihr andauernd mehr, als es euer Vertrag vorschreibt, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass ihr mehr Arbeitskraft als Auszubildende seid.

Die JAV ist das Sprachrohr für junge Menschen im Betrieb. Sie unterstützt euch bei allen wichtigen Fragen.

Urlaubszeit ist freie Zeit
Urlaub dient der Erholung – ihr habt ein Recht darauf, eure Urlaubstage im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Mindestens zwei Wochen Urlaub am Stück sollten drin sein. Müsst ihr um euren Urlaub kämpfen oder er wird kurzfristig gestrichen oder verlegt, ist das ein Zeichen für eine mangelnde Ausbildungsqualität.

Das Geld stimmt
Die Höhe der Ausbildungsvergütungen kann zwischen Branchen und Betrieben extrem schwanken. Dennoch muss sich die Vergütung nach einem gültigen Tarifvertrag richten, sofern es einen gibt. Wenn das nicht der Fall ist, darf dein Betrieb die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nicht unterschreiten.

Für Verträge ab dem 1.Januar 2022 gilt eine Mindestausbildungsvergütung im ersten Ausbildungsjahr von 585 Euro (im zweiten 690,30 Euro, im dritten 789,75 Euro). Bekommt ihr zu wenig Vergütung, kommt sie unregelmäßig oder bleibt sogar komplett aus, stimmt was nicht und ihr solltet aktiv werden. Schließlich arbeitet ihr nicht für lau.

Die Übernahme
Einen gesetzlichen Übernahmeanspruch gibt es leider nicht. Er kann sich aber aus gültigen Tarifverträgen ergeben. Eine Übernahmeabsicht sollte in jedem Fall vor der Abschlussprüfung kommuniziert werden und beweist das Interesse der Firma an qualifiziertem Fachpersonal.

Die JAV im Betrieb
Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) ist das Sprachrohr für junge Menschen im Betrieb. Sie unterstützt euch bei allen wichtigen Fragen rund um die Ausbildung.

Sie achtet darauf, dass die Auszubildenden korrekt behandelt werden – und dass eure Chef*innen die geltenden Gesetze, Bestimmungen und Tarifverträge einhalten. Die JAV hilft, wenn es Probleme mit dem*der Meister*in gibt. Oder wenn die Qualität der Ausbildung nicht stimmt – etwa weil ein Auszubildender Kaffee kochen und Putzen muss statt seinen Beruf zu erlernen.

Die JAV organisiert zudem Aktionen, etwa auf Betriebsversammlungen, mit denen Auszubildende und Jugendliche ihre Forderungen klarmachen. Außerdem setzt sie gemeinsam mit dem Betriebsrat durch, dass der Betrieb alle Auszubildenden nach der Abschlussprüfung – am besten unbefristet – übernimmt.

Was passiert, wenn die Ausbildung schlecht läuft?
Das hängt natürlich immer von eurer individuellen Situation ab. Wir raten, bereits zu Beginn der Probezeit genau hinzusehen, ob sich noch etwas ändern kann in dem Betrieb oder nicht. Sucht das Gespräch im Betrieb.

Unterstützung gibt es bei der JAV und bei eurer zuständigen Gewerkschaft. Auch die zuständigen Kammern haben Ausbildungsberater*innen, die dafür zuständig sind, die Betriebe zu kontrollieren. Bei Verstößen gegen die Arbeitszeit ist die zuständige Gewerbeaufsicht die richtige Anlaufstelle. Sollte in letzter Konsequenz keine Änderung eintreten, ist ein Ausbildungsplatzwechsel sinnvoll.

Und wenn es kurz vor der Abschlussprüfung schlecht läuft? Dann gilt es Strategien zu finden, mit z.B. geeigneter Nachhilfe oder, wenn es gar nicht mehr geht, durch eine externe Prüfung doch noch einen erfolgreichen Abschluss zu schaffen.


(Aus der Soli aktuell 9-10/2022, Autorin: Julia Kanzog)

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