Deutscher Gewerkschaftsbund

So geht Zukunft: Zum Berufsbildungsbericht

Die Daten des Berufsbildungsberichts bestärken die DGB-Jugend in der Forderung nach einer Ausbildungsgarantie. Von Julian Uehlecke

 Julian Uehlecke DGB

© Marie-Sophie Seger

Julian Uehlecke ist der Ausbildungsexperte der DGB-Jugend.

Die Daten des neuen Berufsbildungsberichts der Bundesregierung zeigen, dass der Ausbildungsmarkt weiterhin unter den Corona-Folgen und auch strukturellen Problemen leidet: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist nach einem historischen Tiefststand zwar um 1,2 Prozent auf 473.100 hochgegangen. Doch die Gefahr eines dauerhaften Substanzverlusts ist nicht gebannt, wenn sich die Zahl künftig nicht wieder massiv erhöht.

Im Jahr 2021 stieg die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze auf 63.200. Sie muss aber im Verhältnis zu den 67.800 jungen Menschen betrachtet werden, die als unversorgte Bewerber_innen in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit geführt werden. Hinzu kommen außerdem 20.400 junge Menschen, für die kein Vermittlungsauftrag mehr besteht, die sich aber arbeitssuchend gemeldet haben. Darüber hinaus sind auch im Jahr 2021 insgesamt 228.100 junge Menschen im Übergangssystem gelandet – ohne Ausbildungsperspektive.

Immer mehr Jugendliche absolvieren gar keine Ausbildung: Für das Jahr 2020 weist der Berufsbildungsbericht erneut einen Anstieg junger Erwachsener zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss aus. Ihre Zahl beträgt mittlerweile 2,32 Millionen. Bei ihnen ist die Gefahr hoch, dass sie letztlich weiterhin ohne Berufsabschluss bleiben und vor einem Erwerbsleben mit prekären Jobs stehen. Nicht zu vergessen: Die Lösungsquote bei bestehenden Ausbildungsverträgen liegt mit 25,1 Prozent auf dauerhaft hohem Niveau.

Rosa Zukunft

© DGB-Jugend/Jörg Farys

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Im Grundsatz steht das System der dualen Ausbildung für Chancengleichheit im Bildungssystem und bietet durch gut ausgebildete Fachkräfte die Basis für wirtschaftliches Handeln der Betriebe. Die Zahlen des Berufsbildungsberichts zeigen jedoch, dass beide Funktionen nur noch unzureichend erfüllt werden.

Für die DGB-Jugend ist dies eine Bestätigung ihrer Forderung nach einer umlagefinanzierten Ausbildungsgarantie, die allen jungen Menschen eine sichere Perspektive bietet und dabei die Betriebe nicht aus der Verantwortung entlässt. Es braucht zudem ein systematisches Übergangsmanagement zwischen Schule und Beruf sowie eine Stärkung der Berufsschulen. Denn nur im Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile lässt sich eine echte Ausbildungsgarantie erfolgreich umsetzen.

Die Bundesregierung muss deshalb schleunigst die im Koalitionsvertrag festgehaltenen Versprechen zur Stärkung der Beruflichen Bildung angehen.
 

(Aus der Soli aktuell 7/2022, Autor: Julian Uehlecke)

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