Deutscher Gewerkschaftsbund

DGB – das große Zusammenkommen

Wie wird man eigentlich aktiver Gewerkschafter? Sercan Karaagac und Marc van Oirschot von der DGB-Jugend Köln-Bonn sagen, was sie bei ihrem Engagement antreibt.

Sercan Karaagac und Marc van Oirschot

© DGB-Jugend Köln-Bonn

Sercan Karaagac (r.), 20, von der Jungen GEW ist der neue ehrenamtliche Vorsitzende der DGB-Jugend Köln-Bonn. Marc van Oirschot (l.), 24, von der IG BCE-Jugend ist stellvertretender Vorsitzender. In Stein gehauen sind die Kollegen Andreas Gottschalk (2.v.l.), Arzt und Aktivist der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert, und Hans Böckler, ab 1949 erster Vorsitzender des DGB.

Sercan und Marc, wie ist euer bisheriges (Berufs-)Leben verlaufen?
Sercan:
Ich bin ’ne waschechte Kölsche Jung mit Migrationshintergrund. Ursprünglich kommt meine Familie aus dem kurdischen Teil der Türkei. Ich bin in Köln geboren und aufgewachsen. Nach meinen Realschulabschluss habe ich mein Fachabitur und ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht, jetzt war mein letztes Abi-Jahr dran.

Marc: Geboren wurde ich in Kempen am Niederrhein. In der Realschule habe ich meine Liebe für die Fächer Mathematik, Naturwissenschaften und Technik entdeckt. Ganz besonders hat mich dabei die Chemie begeistert, weshalb für mich in der Realschule schnell feststand, dass ich später mal in der Chemie arbeiten werde. Entsprechend habe ich nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Chemielaborant begonnen, die ich 2017 erfolgreich abgeschlossen habe. Neben der Ausbildung habe ich am Berufskolleg Stadtmitte in Mühlheim an der Ruhr mein Fachabitur erworben.

Wie seid ihr zur Gewerkschaft gekommen?
Sercan: Das war für mich selbstverständlich! Meine Eltern haben mich schon als Kind immer zu Demonstrationen oder Mitgliederversammlungen mitgenommen. Ob es eine Demo von ver.di zur Situation der Erzieher_innen oder eine Mitgliederversammlung der IG Metall war – wenn meine Eltern hingingen, war ich auch dabei. Deshalb war der Schritt, Gewerkschaftsmitglied zu werden, wirklich kein großer.

Marc: Im ersten Ausbildungsmonat hat mein damaliger Betriebsratsvorsitzender alle neuen Auszubildenden eingeladen. Bei diesem Treffen hat er uns kurz die Vorteile der Gewerkschaft erklärt. Die Tatsache, mit meiner Mitgliedschaft in der Gewerkschaft dafür zu sorgen, dass die Arbeitswelt solidarischer wird, ist eine hervorragende Sache, wovon nicht nur ich, sondern auch meine Kolleg_innen profitieren. Zusammen mit den Leistungen der Gewerkschaft hat mich das direkt davon überzeugt: Die Gewerkschaft ist ein Mehrwert und spiegelt meine Werte wider – da trete ich gerne ein.

Und warum engagiert Ihr euch in der Gewerkschaft?
Sercan:
Weil gewerkschaftliche Arbeit wichtig ist! Unsere Gewerkschaften streiten für die Rechte von Arbeitnehmer_innen und sorgen dadurch für mehr Gerechtigkeit. Ohne den massiven Druck der Gewerkschaften hätte es z.B. den Mindestlohn nie gegeben. Dieser Druck auf die Politik ist superwichtig! Auch jetzt noch, wenn es um die Umsetzung des elternunabhängigen BAföG oder der umlagefinanzierten Ausbildungsplatzgarantie geht.

Marc: Leider musste ich in Betrieben auch schon erleben, dass nicht vom jedem unsere Werte Solidarität und Antirassismus gelebt werden. Mir berichten Kolleg_innen immer wieder davon, dass gute Arbeitsbedingungen auch in Deutschland nicht gelebter Standard sind. Zudem beschäftigt viele Kolleg_innen die Transformation der chemischen Industrie und die Industrie 4.0. Nur gemeinsam können wir diese Herausforderungen im Sinne der Arbeitnehmer_innen meistern.

Und jetzt auf DGB-Jugend-Ebene…
Sercan: Der DGB war meine erste gewerkschaftliche Anlaufstelle. Es macht viel Spaß, mich mit Kolleg_innen aus anderen Betrieben und Fachrichtungen auszutauschen und Lösungen für gemeinsame Probleme zu suchen. Der DGB ist das große Zusammenkommen vieler Gleichgesinnter.

Marc: Gegenüber der Politik sind wir als großer Gewerkschaftsbund viel stärker, als wenn wir nur als Einzelgewerkschaft auftreten würden. Während die allgemeinpolitische Arbeit in den Einzelgewerkschaften schnell einmal zu kurz kommen kann, ist im DGB dafür Raum und Platz – um unsere Ideen für ein gerechteres Deutschland wachsen zu lassen. Der Austausch mit anderen Gewerkschaften liegt mir sehr am Herzen.

Ihr seid jetzt Mitglieder im Stadtjugendausschuss. Was sind eure Ziele dort?
Sercan:
In diesem Jahr haben wir uns viel vorgenommen. Die Landtagswahl stand an und wir wollen einen klaren Kurswechsel der Landesregierung: mehr Wohnungsbau für Auszubildende, Studierende und Schüler_innen, mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr Teilhabe für marginalisierte Gruppen. In der Zeit nach der Wahl möchte ich mich stark mit der Mitgliedergewinnung beschäftigen.

Marc: In diesem Jahr haben wir uns auch mit der Landtagswahl beschäftigt. Dazu hatten wir klare Ziele formuliert und sie an junge Politiker_innen aus unserer Region herangetragen. Bei diesem Austausch, aber auch allgemein werden wir uns dieses Jahr vor allem um günstigen Wohnraum für Auszubildende und Studierende, Chancengleichheit im Bildungssystem, Gleichberechtigung für alle Menschen – egal welche Abstammung oder sexuelle Orientierung sie haben –, die Transformation der Wirtschaft und ein bezahlbares, attraktiveres Angebot von Bus und Bahn kümmern.


(aus der Soli aktuell 6/2022, Autorin: Laura Knöchel)