Deutscher Gewerkschaftsbund

Digitalbeschleuniger Corona: die HJAV Berlin

Woher bekomme ich zehn Millionen Euro für eine moderne Ausbildung? Björn Hanisch von der Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung (Haupt-JAV) des Landes Berlin weiß, wie das geht.

Björn Hanisch

© Simone M. Neumann

"Neue Methoden in der Ausbildung": Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertreter Björn Hanisch. Der Polizist ist Vorsitzender der Haupt-JAV des Bundeslandes Berlin. Das Gremium gewann 2019 den Sonderpreis der DGB-Jugend beim Deutschen Personalräte-Preis für eine Rahmendienstvereinbarung, die alle 8.500 Auszubildenden des Landes betraf.

Björn, für das letzte Jahr stellte das Land Berlin finanzielle Mittel in Höhe von zehn Millionen Euro bereit, die ausschließlich der Steigerung der Qualität von digitaler Ausbildung dienen sollen. Ihr von der Haupt-JAV des Landes Berlin habt da einigen Anteil dran. Wie kam es zu eurer Initiative?
Als wir damit anfingen, war Corona ziemlich präsent. Wir haben damals – im engen Kontakt mit dem Referat für Finanzen – bei den örtlichen Bereichen abgefragt, was am dringends ten ist. Da war viel von Homeoffice und digitalem Lernen die Rede. Dann wurden aus dem Gesamtkonzept Corona-Soforthilfe des Senats diese zehn Millionen Euro bereitgestellt. Im Rahmen der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung hatten wir die Möglichkeit, an der Verteilung der Mittel mitzuarbeiten. Bei unseren Vorschlägen haben wir uns auf die Angaben der örtlichen JAVen verlassen – und relativ viele Vorschläge umsetzen können.

Aus welchem Topf kommt denn das Geld?
Es stammt aus einem 500-Millionen-Euro-Corona-Programm des Landes Berlin.

Wieso gab es denn keine digitale Lernplattformen?
Die waren zwar notwendig, aber nie so in der Priorität. Das ist natürlich durch Corona gekommen. Vorher war das ja so: Ich gehe in eine Lerneinrichtung, in der Präsenzveranstaltung wird gelehrt. Wir haben aber auch dual Studierende, die bereits an den freien Unis Plattformen kannten, wo das Unterrichtsmaterial bereitgestellt wurde. Aber gerade für die Berufsschulen oder die landeseigenen Akademien, etwa die Polizeiakademie, war das nicht im Fokus. Kopie der Unterlagen in die Hand – und das dann bearbeiten. Da mussten irgendwann neue Methoden gefunden werden.

Jetzt sind auch die Berufsschulen digital.
Ich glaube, es ist noch eine weite Strecke dahin, dass man sagt: Wir haben jetzt eine "volldigitale" Ausbildung. Ich weiß auch nicht, ob man da unbedingt hin möchte (zu den Plänen: siehe Kasten).
Aber grundsätzlich ist man da auf einem guten Weg, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen oder nutzbar zu machen – und wahrscheinlich wesentlich schneller unterwegs als ohne Corona.

Was haben die Auszubildenden davon?
Es ist eine Menge Geld, ja; aber es reicht natürlich nicht, die ganzen Einschnitte in den letzten zwei Jahren zu kompensieren. Durch die schnelle Umstellung auf Corona-Betrieb ist viel Qualität verlorengegangen.

Haben viele ihre Ausbildung geschmissen?
Da sind wir noch in der Evaluation. Wir haben vor allem gemerkt, dass das Umstellen auf digitale Lehre die Kluft zwischen sehr guten und eher schlechteren Schüler_innen vergrößert hat. Manche kommen viel besser durch die Ausbildung, aber die wären sowieso gut durchgekommen. Bei Leuten, die Probleme hatten in der Ausbildung, hat sich die Situation verschärft.

Und – bewerbt ihr euch wieder für den JAV-Preis der DGB-Jugend?
Wir nehmen diese Frage auf jeden Fall zum Anlass, uns tiefer mit der Materie zu beschäftigen. Aktuell sind wir dabei, alles chronologisch aufzubereiten – wer wo welche Abfragen gestellt hat und mit wem wir zusammengearbeitet haben. Und ich denke: Ja – wir werden uns noch mal bewerben!

HJAV Land Berlin: Für die Zukunft einer modernen Ausbildung

Für das Jahr 2021 stellte das Land Berlin Mittel in Höhe von zehn Millionen Euro bereit, die ausschließlich der Steigerung der Qualität von digitaler Ausbildung dienen sollen. Die Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung (Haupt-JAV) des Landes Berlin hatte in einem Positionspapier zum Thema Corona in der Ausbildung u.a. die Forderung gestellt, dass die Qualität von selbstangeleitetem Lernen zu Hause schnellstmöglich gesteigert werden soll und in Abstimmung mit den JAVen vor Ort der Senatsverwaltung für Finanzen Vorschläge zur Verwendung der Mittel gemacht.

Unter anderem wurden folgende Vorschläge im Anschluss bei der Senatsverwaltung für Finanzen eingebracht:

  • digitale Endgeräte als persönliche Ausstattung
  • WLAN in den Lehreinrichtungen
  • eine einheitliche Lernplattform mit integrierter Videosoftware und entsprechenden digitalen Lerninhalten
  • einheitliche digitale Klassenbücher
  • Fortbildungen und Schulungen von Lehrkräften im Bereich digitale Lehre sowie
  • Dienst-E-Mail-Adressen für Lehrkräfte der Verwaltungsakademie Berlin.

Wie ging es weiter? Die Vorschläge der Haupt-JAV sind zum Großteil auch umgesetzt worden. Nach Ermittlung der Bedarfe in den einzelnen Dienststellen der Hauptverwaltung und der Bezirke wurde mit der Beschaffung digitaler Endgeräte für auszubildende Dienstkräfte – insbesondere Laptops und Tablets – sowie des notwendigen Zubehörs begonnen. Bis heute wurde auch ein Großteil dieser Geräte bereits geliefert.

Zudem wurden der Polizei Berlin, der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie der Verwaltungsakademie Berlin Fördermittel für die Erweiterung bzw. den Aufbau einer digitalen Lernplattform bewilligt. Außerdem wurden für die Polizei Berlin, die Berliner Feuerwehr und die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung Fördermittel zur Einrichtung bzw. zum Ausbau von WLAN-Netzen in den Ausbildungsstandorten freigegeben.

"Wir bedanken uns bei der Senatsverwaltung für Finanzen für die gute Zusammenarbeit und die zeitnahe Umsetzung", sagt Hanisch. Die Haupt-JAV begrüße diese Entwicklungen ausdrücklich.

Fazit: In Berlin blickt man derzeit zuversichtlich auf die Zukunft der modernen Ausbildung im öffentlichen Dienst.


Hier findet ihr das Berliner Gremium: www.facebook.com/hjavlandberlin, https://twitter.com/HJAVBerlin

(aus der Soli aktuell 4/2022, Autorin: Soli aktuell)