Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Anfang ist gemacht

Was passiert, wenn die erste Hürde geschafft ist? "Dr. Azubi" gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Probezeit der dualen Ausbildung.

Julia Kanzog

 Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog.

Wie lange ist "auf Probe"?
Die Probezeit muss mindestens einen Monat und darf maximal vier Monate lang sein. Vier Monate ist aber die Regel. Wie lange deine konkrete Probezeit dauert, steht im Ausbildungsvertrag. Ein Beispiel: Wenn du am 1. September deine Ausbildung begonnen hast, endet sie in den meisten Fällen am 31.Dezember.

Kann die Probezeit verlängert werden?
Immer wieder gibt es Fälle im "Dr. Azubi"-Forum, in denen über eine Verlängerung der Probezeit über die vier Monate hinaus berichtet wird. Dies ist aber nur im Ausnahmefall möglich – und zwar dann, wenn du mehr als ein Drittel der Probezeit krank warst. Hierfür braucht es eine schriftliche Vereinbarung – entweder in deinem Ausbildungsvertrag oder als Zusatzdokument. In diesem Fall verlängert sich dann deine Probezeit um deinen Krankheitszeitraum.

Welchen Zweck erfüllt sie?
Die Probezeit soll dir die Möglichkeit geben, klar zu werden, ob der gewählte Ausbildungsbetrieb zu dir passt. Du kannst prüfen, ob dein Ausbildungsbetrieb dir eine gute Ausbildung gewährleisten wird. Hier die Checkliste:

  • Stimmen die Arbeitszeiten?
  • Sind Überstunden die Ausnahme?
  • Hast du Ausbilder*innen, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen?
  • Fühlst du dich wohl im Betrieb, herrscht dort ein gutes Betriebsklima?
  • Hast du die Möglichkeit, Fragen zu stellen?
  • Wird der Ausbildungsrahmenplan auch eingehalten?

Wenn du diese Fragen zum größten Teil mit Ja beantworten kannst, stehen die Chancen gut für eine gute Ausbildung. Auf der anderen Seite kann man im Betrieb prüfen, ob du gut passt. Geachtet wird hierbei auf:

  • Interesse und Spaß am Ausbildungsberuf
  • Lernfähigkeit
  • Pünktlichkeit
  • Teamfähigkeit
  • Zuverlässigkeit.

Weihnachten naht…
Im ersten Ausbildungsjahr erwirbst du einen anteiligen Urlaubsanspruch. Er richtet sich nach deinem Alter und danach, wie viele volle Monate du im ersten Jahr gearbeitet hast (pro Monat ein Zwölftel deines Jahresurlaubs).

Laut § 4 Bundesurlaubsgesetz kannst du erstmalig nach sechs Monaten innerhalb eines Kalenderjahres deines Ausbildungsverhältnisses Urlaub nehmen. Du erwirbst in dieser Zeit zwar deinen Urlaubsanspruch, dies gilt aber eingeschränkt, wenn du die sechs Monate innerhalb des Kalenderjahres nicht mehr voll machen kannst. Beginnst du z.B. am 1.September deine Ausbildung, hat das Kalenderjahr nur noch vier Monate und du kannst die sechsmonatige Wartefrist nicht mehr erreichen.

Für diese vier Monate kannst du dir also anteilig Urlaub nehmen. Für Januar und Februar hast du keinen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub, du kannst ihn erst ab März nehmen.

In vielen Betrieben ist es dennoch möglich, auch schon früher anteilig erworbenen Urlaub zu machen. Frage am besten nach und stelle frühzeitig einen Urlaubsantrag. Dann bist du auf der sicheren Seite.
Tipp: Eine gute Internetseite, um deinen anteiligen Urlaub auszurechnen, findest du auf der Seite der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf.

Das ist nichts für mich!
Du kannst während der Probezeit ohne Angaben von Gründen schriftlich kündigen. Solltest du noch minderjährig sein, müssen deine Erziehungsberechtigen mitunterschreiben. Deine Ausbildung endet dann sofort. Überlege dir aber gut, ob du wirklich kündigen willst – suche erst nach einer Alternative. Deine Bewerbungschancen stehen besser, wenn du noch in einem bestehenden Ausbildungsverhältnis bist. Nach der Probezeit ist eine Kündigung nicht mehr so leicht.

Achtung: Die Berufsfreiheit ist geschützt. Auch wenn du nach der Probezeit merkst, dass dein Ausbildungsberuf nicht der richtige für dich ist und einen anderen Beruf erlernen willst, kannst du immer mit einer Frist von vier Wochen wegen Berufsaufgabe kündigen.

Wenn in deinem Betrieb extrem gegen die Pflichten verstoßen wird, kannst du auch nach der Probezeit fristlos aus wichtigem Grund kündigen. Hole dir hierfür aber auf jeden Fall die Unterstützung deiner Gewerkschaft!

Der Betrieb will mich nicht
Dein Betrieb kann dich während der Probezeit ebenso schriftlich kündigen – ohne Angaben von Gründen. Diese Kündigung muss auch deinen Eltern zugestellt werden, wenn du noch minderjährig bist.

Dies ist natürlich erst einmal ein Schock für dich. Die Kündigung kann dennoch ganz unterschiedliche Gründe haben. Am besten sprichst du noch einmal mit den Verantwortlichen in deinem Betrieb. So kannst du für die Zukunft lernen.

Wichtig: Bei der Kündigung in der Probezeit kommt es auf Fristen an. Sie muss dir noch innerhalb der Probezeit zugestellt werden. Endet deine Probezeit am 31. Dezember, dann musst du die Kündigung an diesem Tag in der Hand halten. Ein Widerspruch gegen die Kündigung ist nicht möglich und ergäbe auch keinen Sinn, da ja keine Gründe angegeben werden müssen.

Hinweis: Egal, wer gekündigt hat: Dir steht dein Gehalt, Geld für geleistete Überstunden, die Ausbezahlung von nicht genommenen Urlaubstagen und nicht zuletzt ein Ausbildungszeugnis zu. Auf dein Verlangen hin muss dein Betrieb dir ein qualifiziertes Zeugnis mit Angaben zu deinem Verhalten und deinen Leistungen ausstellen.
Ausnahmen

Wenn du schwanger, schwerbehindert oder Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung bist, gilt ein besonderer Kündigungsschutz für dich – und du bist auch in der Probezeit geschützt. In diesem Fall kannst du eben auch nicht einfach gekündigt werden.


(Aus der Soli aktuell 12/2022, Autorin: Julia Kanzog)

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