Deutscher Gewerkschaftsbund

Duales Studium besser machen

Jugend auf dem DGB-Bundeskongress IV und Schluss: Mit dem Antrag B007 will die DGB-Jugend den Status dual Studierender verbessern.

Duale Studiengänge sind mittlerweile fester Bestandteil der Berufsbildungslandschaft und stellen mit ihrem Anspruch der Aufrechterhaltung der Wissenschaftlichkeit bei gleichzeitiger Ausweitung der betrieblichen Praxisphase ein besonderes Studienformat dar.

Die DGB-Jugend hat daher den Antrag B007 "Duales Studium besser machen" auf dem 22. Ordentlichen DGB-Bundeskongress im Mai 2022 gestellt. Tenor: Obwohl es duale Studiengänge seit mehreren Jahrzehnten gibt, liegen Anspruch und Wirklichkeit bei der Qualitätssicherung in wichtigen Bereichen nach wie vor weit auseinander.
Aus gewerkschaftlicher Sicht müssen in den betrieblichen Praxisphasen folgende Probleme aus dem Weg geräumt werden:

  • fehlende Qualitätsstandards in den betrieblichen Praxisphasen
  • die oft unzureichende Verzahnung zwischen Hochschule und Praxispartner
  • fehlende gute Standards bei Ausbildungsverträgen für dual Studierende
  • zu viele dual Studierende erhalten keine angemessene Vergütung.

Kritisiert werden darüber hinaus die hohe zeitliche Arbeitsbelastung der Studierenden vor allem in so genannten Intensivstudiengängen, die noch zunimmt, wenn große Entfernungen zwischen Hochschule und Betrieb liegen; die hohen finanziellen Belastungen der Studierenden durch Studiengebühren, Lernmaterialien und Unterhaltskosten an unterschiedlichen Lernorten. Zur Beseitigung dieser Missstände braucht es institutionalisierte Mitbestimmungsgremien und einen Rahmen, der die tatsächliche rechtliche Gleichstellung von Auszubildenden und dual Studierenden regelt.

Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sollen daher auf Folgendes hinwirken:

  • Die Praxisphasen des dualen Studiums brauchen einen gesetzlichen Rahmen. Regelungen des Berufsbildungsgesetzes etwa zu Vertragsgestaltung, Vergütungsanspruch und der Nichtigkeit von Bindungs- und Rückzahlungsklauseln sollten für alle dual Studierende gelten.
  • Sollte es aufgrund noch fehlender Tarifbindung dual Studierende geben, deren Vergütung nicht an einen Tarifvertrag gekoppelt sind, muss eine Mindestausbildungsvergütung gezahlt werden.
  • Es sind gemeinsame regionale und überregionale Koordinierungs- bzw. Abstimmungsgremien zu schaffen, analog zu Berufsbildungsausschüssen – also mit Gewerkschaftsvertreter*innen, Vertreter*innen der Arbeitgeber und der Hochschulen sowie Studierenden. Auch am Lernort Hochschule braucht das duale Studium einheitliche gesetzliche Regelungen.
  • In die über ECTS-Punkte ausgedrückten durchschnittlichen Workloads von dual Studierenden sollte das Recht auf Erholungsurlaub miteingerechnet und 39 Stunden pro Woche nicht überschritten werden. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sollen daher Intensivstudiengänge ablehnen, die mit mehr als 60 ECTS-Punkten im Akademischen Jahr versehen sind.

Der Arbeitsauftrag: "Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften entwickeln entsprechend ihrer Zuständigkeiten eine gemeinsame, gut verzahnte Strategie für die Organisierung, Interessenvertretung und Ansprache von dual Studierenden." Sie sollen zudem eine beteiligungsorientierte Kampagne zur Durchsetzung gesetzlicher Regelungen für und mit dual Studierenden ausarbeiten: "Die regelmäßige Ansprache in Betrieb und Hochschule gehört ebenso dazu wie entsprechende gewerkschaftliche Bildungs- und Beratungsangebote."


(Aus der Soli aktuell 12/2022, Autorin: Soli aktuell)

Cosima Steltner am Podium

© DGB

Cosima Steltner ist Delegierte der IG Metall Jugend im DGB-Bundesjugendausschuss. Sie hat den Antrag auf dem DGB-Bundeskongress im Mai 2022 vorgestellt.

Da muss sich etwas bewegen
Das duale Studium muss geregelt werden. Von Cosima Steltner.

Mit der Annahme des Antrags B007 und auch der des Antrags B005 ("Bildung neu gestalten") des DGB-Bundesvorstandes können wir unsere Beschlusslage zum dualen Studium noch einmal deutlich erweitern und ausbauen.

Die im Frühjahr veröffentlichte große Evaluationsstudie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung kommt zuallererst zum Ergebnis, dass es eine kaum noch überschaubare Regelungsdichte für den hochschulischen Teil des dualen Studiums gibt. Dieses ist in sage und schreibe 57 Gesetzen und Verordnungen geregelt, während der betriebliche Teil, also die Praxis im Betrieb, in null Gesetzen geregelt ist und die Wortkombination "duales Studium" in keinem unserer Arbeitnehmerschutzgesetze auftaucht.

Dabei gibt es so viele Probleme, für die dual Studierende unbedingt Schutzrechte bräuchten. Denn die Arbeitgeber machen richtig Druck: Rund ein Drittel der befragten Unternehmen will, dass Studienangebote außerhalb der regulären Arbeitszeit absolviert werden. Wir können doch nicht akzeptieren, dass dual Studierende ihre vertraglich vereinbarten Leistungen in ihrer Freizeit erbringen müssen und damit Unternehmen einen Zugriff auf unsere Freizeit bekommen. Studienzeit muss immer Ausbildungszeit und Arbeitszeit sein, und unsere Freizeit mussunsere Freizeit bleiben.

45 Prozent der Unternehmen zahlen die Studiengebühren nicht vollständig. In Anbetracht der Tatsache, dass die Unternehmen entscheiden, an welche Hochschulen wir gehen, und wir da teilweise von mehreren Hundert Euro im Monat reden, ist das ein Skandal.

Hinzu kommt, dass 34 Prozent der befragten dual Studierenden während der Studienphase und der Praxisphase an unterschiedlichen Orten wohnen müssen. Wir alle wissen, dass es als junger Mensch in einer Berufsausbildung oft schon schwierig genug ist, sich überhaupt eine Wohnung leisten zu können, geschweige denn, zwei Wohnorte finanzieren zu müssen. Hier muss sich etwas bewegen!

(Aus der Soli aktuell 12/2022, Autorin: Cosima Steltner)

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