Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir zählen auf euch!

Die umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie stand beim Parlamentarischen Abend der DGB-Jugend im Mittelpunkt des Geschehens.

© DGB-Jugend/Jörg Farys

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Politik macht gute Laune: Der Parlamentarische Abend sandte Botschaften zur umlagefinanzierten Ausbildungs garantie aus. V. l. o.: Anna Kasparyan (DGB-Jugend), Cansel Kiziltepe (SPD), Peter Sylka (IG Metall-Jugend), Pascal Meiser (Die Linke), Cosima Steltner (IG Metall-Jugend), Susanne Ferschl (Die Linke), Oliver Kaczmarek (SPD), Hannah Trulsen (ver.di Jugend), Sarah-Lee Heinrich (Grüne Jugend) und Mila-Joy Alonzo (EVG-Jugend).

"Wir zählen auf euch. Und die vielen jungen Menschen da draußen zählen auf euch. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass wir keinen jungen Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz im Regen stehen lassen!"

Zu Beginn des Parlamentarischen Abend der DGB-Jugend, der Mitte Oktober 2022 am Berliner Humboldthafen stattfand, machte DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker klar, was die junge Generation von der Politik derzeit erwartet: Unterstützung für ein Gesetz zur Einführung einer umlagefinanzierten Ausbildungsgarantie in Deutschland. Das bedeutet: Betriebe, die nicht ausbilden, müssen in einen Fonds einzahlen. Kosten der ausbildenden Betriebe werden ausgeglichen. Außerbetriebliche Ausbildungsplätze, die als Auffangnetz entstehen, können so auch finanziert werden.

Eingeladen und angesprochen hatte die DGB-Jugend die Fraktionsspitzen der demokratischen Parteien und die Abgeordneten, die sich im Bundestag vorwiegend mit Bildungs- und Ausbildungsfragen beschäftigen. Darüber hinaus aber auch gezielt jene Parlamentarier*innen, die unter 35 Jahre alt sind.

Mitglieder des Bundestages wie die Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal zählten zu den Gästen. Zudem unterstützten Angehörige der Parteijugenden, zum Beispiel Sarah-Lee Heinrich und Timon Dzienus von der Grünen Jugend, die Forderungen der DGB-Jugend, ebenso wie Vertreter*innen befreundeter Jugendorganisationen, des Deutschen Bundesjugendrings und der Arbeiterjugendverbände.

Im Zentrum des Abends mit seinen rund 200 Besucher*innen stand die zentrale diesjährige Forderung der DGB-Jugend, mit der Becker den Abend anmoderiert hatte: die nach einer Ausbildungsgarantie mit Umlagefinanzierung. Das Gesetzgebungsverfahren rückt immer näher und die Gewerkschaftsjugend baut natürlich auf Unterstützung im parlamentarischen Prozess.

Zur Information gab es einen Film vom Besuch der DGB-Jugend-Delegation im Sommer in Österreich. "Schaut nach Österreich" ist ein beliebter Turn, wenn es um die Garantie geht – bei den Arbeitgebern. Denn im Nachbarland gibt es bereits eine Ausbildungsgarantie. Im Video wurde auf die Vorteile – jeder ausbildungswillige Jugendliche bekommt ein Angebot, die Betreuung ist umfassend – und die Nachteile eingegangen: In Österreich rutscht die Ausbildung mit der Garantie manchmal recht weit in Richtung außerbetriebliche Ausbildung – zur Freude der Unternehmen, denn in Österreich greift die Finanzierung durch den Staat.
Die DGB-Jugend favorisiert ein anderes Konzept: Es braucht das Umlagemodell, das die Betriebe finanzieren. Nur so – und mit breiter betrieblicher Ausbildung – sind die Probleme auf dem Ausbildungsstellenmarkt anzugehen. Gute Ausbildung kann nur an einem Ort stattfinden: im Betrieb. Becker: "Deshalb werden wir die Bundesregierung daran messen, ob und wie viele betriebliche Ausbildungsplätze sie schafft."

Denn für die duale Ausbildung sieht es in Deutschland nicht gut aus: Die Wirtschaft klagt über fehlende Fachkräfte, was einen nicht wundern kann: Mittlerweile bilden 82 Prozent Betriebe keine der Expert*innen aus, die dort dann so schmerzlich vermisst werden. Ein absoluter Tiefstand. Klar ist: Es muss schleunigst was passieren. "Die Entwicklung der dualen Berufsausbildung in den letzten Jahren ist besorgniserregend", wie die DGB-Jugend in ihrer neuesten Veröffentlichung "Ausbildung für alle! Für eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie" schreibt. Die Zahlen:

  • 2,33 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren sind ohne Berufsabschluss – ein Rekordhoch und der höchste Stand der letzten 15 Jahre.
  • 228.000 junge Menschen begannen 2020 eine der zahllosen Maßnahmen im Übergang von der Schule in die Ausbildung – ohne Aussicht auf einen vollqualifizierenden Berufsabschluss.
  • Jede*r dritte erfasste Ausbildungsinteressierte bekommt in Deutschland keinen Ausbildungsplatz.

Noch mehr Impressionen vom Parlamentarischen Abend

Ersatzmaßnahmen statt betrieblicher Ausbildung? Das ist kein zukunftsfähiges Programm! Zudem haben die Corona-Pandemie und die Gegenmaßnahmen den Ausbildungsmarkt hart getroffen. Jeder zehnte Ausbildungsplatz ist durch die Pandemie verloren gegangen. Die Ausbildungsbereitschaft hat stark gelitten. Der fatale Trend: Es gibt nicht genügend Ausbildungsplätze für diejenigen, die eine Ausbildung machen wollen.

Nun liegt es an den demokratischen Parteien im Bundestag und der Bundesregierung, sich zu überlegen, wie sie mit den klaren Anforderungen von den 500.000 jungen Menschen, die Mitglied der Gewerkschaftsjugend sind, umgehen. Beim Parlamentarischen Abend wurden die Akteur*innen des Bundestages gezielt angesprochen. Dabei hatte die DGB-Jugend den Schwerpunkt auf den informellem Austausch gelegt. Die Kolleg*innen aus der Gewerkschaftsjugend konnten so direkt mit den Abgeordneten in Kontakt kommen und ihre Erfahrungen aus den Betrieben weitergeben. Dafür hatten sie sich in Workshops am Nachmittag noch mal extra für das Thema fitgemacht.

Neben Büfett, Musik und Getränken gab es mehrere Ice-Breaker, die das Kennenlernen erleichterten. Ein "Kennenlernbingo" ("XY hat eine duale Ausbildung gemacht", "War dieses Jahr am 1.Mai auf der Straße"), verschiedene Infowände mit Fakten zum Ausbildungsmarkt, ein Gewerkschafts-Info-Point. Und: Live-Fotosessions, eine Fotobox, Bällesäulen, mit denen die Gäste ihre Unterstützung sichtbar machen konnten, sowie eine Social Wall, die von allen mitgestaltet wurde und deren Inhalte sich später in den sozialen Medien wiederfanden. "Junge Menschen brauchen die Möglichkeit, den Beruf zu erlernen, den sie möchten.

Aus diesem Grund wurde die Ausbildungsgarantie in den Koalitionsvertrag aufgenommen und muss nun umgesetzt werden", schrieb etwa der SPD-Parlamentarier Jan Dieren, selbst Jahrgang 1991. Und sein gleichaltriger Kollege Felix Döring textete: "Die DGB-Jugend setzt sich an vorderster Stelle für die umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie ein. Davon habe ich mich selbst bei ihrem parlamentarischen Abend überzeugt!"

Die DGB-Jugend richtet Grüße aus: "Danke an die vielen, vielen Abgeordneten im Bundestag und unsere Freund*innen aus den Jugendverbänden, die mit dabei waren." Sie hat die Ausbildungsgarantie in den Koalitionsvertrag gekämpft. Jetzt setzt sie sich dafür ein, dass eine – und zwar gute – Ausbildungsgarantie kommt.


Die neue DGB-Jugend-Broschüre zur Ausbildungsgarantie gibt es: hier.

(Aus der Soli aktuell 12/2022, Autorin: Soli aktuell)