Deutscher Gewerkschaftsbund

Joshua Kensy: Umlage in der Luft

Jugend auf dem DGB-Bundeskongress III: Im B006 geht es um die Ausbildungsgarantie mit Umlagefinanzierung. Joshua Kensy stellt den Antrag des DGB-Bundesjugendausschusses vor.

© DGB-Jugend/Jörg Farys

Gesundheits- und Krankenpfleger Joshua Kensy (2. v. l.) studiert derzeit Medizin und ist in der Geschäftsführung des ver.di-Bundesjugendvorstandes aktiv. Auf dem Parlamentarischen Abend der DGB-Jugend traf er u. a. (v. l.): Florian Urban (jungeNGG), Ute Neumann (DGB-Jugend NDS–HB–SAH), Timon Dzienus (Grüne Jugend) und Jakob Blankenburg (SPD).

Joshua, was ist die Ausbildungsgarantie mit Umlagefinanzierung?
Die Ausbildungsplatzgarantie mit Umlagefinanzierung bedeutet, dass Unternehmen in die Verantwortung genommen werden, für die Ausbildung zu bezahlen. Auf der einen Seite wird immer wieder über einen Fachkräftemangel geklagt. Auf der anderen Seite bilden über 80 Prozent der Betriebe, die ausbilden könnten, überhaupt nicht aus. Diese Situation wollen wir deshalb mit unserer Forderung nach einer Ausbildungsplatzgarantie mit Umlagefinanzierung angehen.

Dies ist auch eine sehr alte Forderung der Gewerkschaftsjugend. Hat sie derzeit gute Chancen auf eine Umsetzung? Im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien steht zwar was von Garantie, aber nicht, wie sie finanziert wird. Was hältst du davon?
Was soll ich dazu sagen – fehlt halt die Hälfte. Aber da sind wir als Gewerkschaftsjugend dran, wir lassen nicht locker, bis es eine Umlagefinanzierung gibt. Jetzt heißt es, deutlich zu machen, dass eine Ausbildungsplatzgarantie nur mit einer Umlagefinanzierung umgesetzt werden darf.

Vonseiten der Unternehmen hört man dieser Tage, dass sie oft keine Auszubildenden finden, die Ausbildungsplätze leer bleiben. Braucht es da wirklich einen gesetzlichen Rahmen?
Dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, ist das eine Thema. Junge Menschen, die in Übergangsmaßnahmen stecken anstatt direkt eine Ausbildung zu starten, sind das andere. Ausbildungsplätze müssen dort zur Verfügung stehen, wo junge Menschen leben und eine Ausbildung machen wollen.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Thema Ausbildung in Zeiten von Corona? Auf dem DGB-Kongress hast du gesagt, dass Auszubildende bei euch ins Internetcafé gehen mussten, um am Online-Unterricht teilzunehmen…
Die Corona-Pandemie hat sehr deutlich gemacht, in welchem Zustand sich die Ausbildungen in vielen Betrieben befinden. Die fehlende technische Ausstattung ist hier nur die Spitze des Eisbergs. Hier müssen Regelungen geschaffen werden, um Ausbildung auf ein modernes Niveau zu heben.

Du hast auch betont, dass Auszubildende heute einiges älter sind als früher, im Schnitt 20 Jahre alt. Sie sollten ein eigenständiges Leben führen können. Sind sie nicht oft auch zur Mobilität gezwungen, müssen für die Ausbildung umziehen?
Zu einem eigenständigen Leben gehört das Ausziehen in eine eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft einfach dazu. Nur so können junge Menschen für ihr eigenes Leben Verantwortung übernehmen. Da dies immer wieder von ihnen gefordert wird, müssen sie auch die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen dafür bekommen.

Zwei Dinge spielen ebenfalls eine Rolle: die Übernahme nach der Ausbildung und die Ausbildung von Geflüchteten. Was kann und soll eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie bei diesen Themen leisten?
Hier steht vor allem der Zugang zum Ausbildungsmarkt im Vordergrund. Denn eine Ausbildungsplatzgarantie muss für alle gelten und so jedem die Möglichkeit auf Qualifikation bieten. Und nach der Ausbildung darf aber nicht einfach Schluss sein, mit einer Übernahmegarantie entstehen Sicherheit und Perspektiven, und zwar für alle Beteiligten.

Zurzeit häufen sich die Stimmen, die sagen, dass die duale Ausbildung ein Auslaufmodell ist, das duale Studium sei schwer auf dem Vormarsch. Sind dies verschiedene Dinge, und wie blickt die Gewerkschaftsjugend auf diese Entwicklung?
Gerade die duale Ausbildung ist Vorbild für viele andere Ausbildungsmodelle weltweit geworden. Ausbildung muss auch weiterhin niederschwellig zugänglich sein – es dürfen keine Schranken auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz eingezogen werden! Die duale Berufsausbildung muss sich mit den beruflichen Anforderungen und Arbeitsrealitäten weiterentwickeln. Das duale Studium bietet Antworten auf andere Fragen und ist mittlerweile eine etablierte Form in unserem Ausbildungssystem, an die wir ebenfalls einen Gestaltungsanspruch haben. Die duale Berufsausbildung kann jedoch dadurch nicht ersetzt werden.

Welche – nicht so guten – Erfahrungen hast du selbst in deiner Ausbildung gemacht, wo dir eine Ausbildungsgarantie vielleicht geholfen hätte?
Ich habe eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert. Hierbei ist die Ausbildung über die Krankenkassen refinanziert – und das führt dazu, dass es sehr viele Ausbildungsplätze gibt. Ich habe also bereits ein wenig Umlagefinanzierungsluft schnuppern können. Und daher bin ich mir sicher: Eine Ausbildungsplatzgarantie mit Umlagefinanzierung muss für alle gelten!


(Aus der Soli aktuell 12/2022, Autorin: Soli aktuell)

Rechtsanspruch – solide und solidarisch
"Der DGB fordert eine umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie, die einen individuellen Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz sichert. Diese Garantie muss zum einen die Stärkung der betrieblichen Ausbildung zum Ziel haben und zum anderen auf einer soliden und solidarischen Finanzierungsbasis stehen. Beides kann mit einem umlagefinanzierten Zukunftsfonds sichergestellt werden, in den die Betriebe einzahlen."

Aus: 22. DGB-Bundeskongress, Antrag B006: "PRESS START für Auszubildende!"

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