Deutscher Gewerkschaftsbund

Das war kein Jahr der Jugend

Dokumentiert: Erklärung der EGB-Jugend zum Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut.

© EGB-Jugend

"Junge Menschen nicht allein lassen" – Die EGB-Jugend macht Ansagen. Die Erklärung im Netz: hier.

Krise der jungen Generation
Wir befinden uns im letzten Quartal des Europäischen Jahrs der Jugend – einem Jahr, das jungen Menschen gewidmet wurde, weil sie eine der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Gruppen sind. Aktuelle Forschungen haben ergeben, dass Armut und Ungleichheit zu den größten Sorgen junger Menschen gehören, nur noch übertroffen von Problemen mit Arbeit bzw. Beschäftigung.

Europäer*innen unter 25 Jahren sind einem höheren Risiko von Armut und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt, da sie in prekären Arbeitsverhältnissen leben. Sie sind von Lohnkürzungen, Zwangsurlauben und Entlassungen bedroht. Deshalb wollen wir inmitten der Krise, der steigenden Lebenshaltungskosten laut werden und die Aufmerksamkeit auf junge Menschen lenken. Sie laufen Gefahr, zurückgelassen zu werden, sie benötigen rasche Hilfe aus der Politik, auf nationaler wie europäischer Ebene.

Junge Menschen stehen an vorderster Front, wenn es um Freiwilligenarbeit, den Kampf gegen den Klimawandel, die Arbeit mit Geflüchteten und den Widerstand gegen rechtsextreme und autokratische Regierungen geht, die Freiheit und Menschenrechte in Europa bedrohen. Viele von uns haben das Gefühl, dass uns die aktuelle Krise wieder unverhältnismäßig heftig treffen wird.

Soziale Sicherheit
Die Politik muss gezielte Maßnahmen ergreifen, um in junge Menschen zu investieren. Anständige Löhne, angemessene Mindestlöhne und Mindesteinkommen müssen für Menschen jeden Alters sichergestellt werden. Wir weisen das falsche Narrativ zurück, dass eine Erhöhung der Löhne die Inflation antreibt und dass junge Menschen deshalb nicht mehr verdienen sollen. Es ist Zeit, hochwertige Praktika und Ausbildungsstellen einzurichten, die in dauerhafte Arbeitsplätze münden, abgesichert durch eine starke Position in Tarifverhandlungen. In der aktuellen Krisensituation gibt es kein besseres Mittel.

Wir sagen es nach jeder Krise der jüngsten Zeit in Europa, also auch dieses Mal: Der Zugang zu sozialer Sicherheit – Arbeitslosengeld und Krankenversicherung – unabhängig von der Art des Arbeitsvertrags muss allgemein möglich sein.

Übergewinnsteuer
Die Besteuerung von Gewinnüberschüssen wird dafür sorgen, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen, ohne dass eine zerstörerische Sparpolitik betrieben wird. Wir sollten eine Besteuerung entwickeln, die höhere staatliche Einnahmen ermöglicht, damit die Sozialschutzsysteme und die öffentlichen Dienste besser auf die Bedürfnisse junger Menschen eingehen und Ungleichheiten bekämpfen können.

Wohnen
Der Zugang zu Wohnraum und die Möglichkeit, unabhängig zu leben, war für junge Menschen schon vor der Krise ein Problem. Der kontinuierliche Anstieg der Mietkosten, die fehlende Deckelung der Hypothekenzinsen und die verdoppelte – manchmal verdreifachte – Höhe der Energierechnungen machen es fast unmöglich, das Elternhaus zu verlassen. Dies schränkt die Möglichkeiten ein, Familien- und Privatleben kurz-, mittel- und langfristig zu planen. Gerade junge Menschen haben keine finanziellen Rücklagen. Sie dürfen mit den Kosten der Krise nicht allein gelassen werden.

In diesem Zusammenhang müssen auch die Auswirkungen der Situation auf die psychische Gesundheit erkannt werden – und diejenigen, die sie brauchen, müssen Zugang zu entsprechenden Hilfen bekommen.

Die Probleme sind allgemein bekannt, ebenso wie die Hindernisse, denen wir beim Zugang zu notwendiger Hilfe begegnen. Im Europäischen Jahr der Jugend fordern die jungen Menschen, dass alle notwendigen Maßnahmen aus ihrer Perspektive gesehen – und jetzt umgesetzt werden.