Deutscher Gewerkschaftsbund

Erschreckende Zahlen

DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker kommentiert die Ergebnisse des diesjährigen Ausbildungsreports.

DGB-Bundesjugendsekretär Kristof Becker bei der Präsentation des DGB-Ausbildungsreports 2022 am 31. August 2022 in Berlin. Infos und Material zum Ausbildungsreport findet ihr hier.

 Wie geht es Azubis in ihrer Ausbildung in Deutschland? Das haben wir euch gefragt. Über 14.000 junge Menschen haben sich am diesjährigen Ausbildungsreport der DGB-Jugend beteiligt. Und er liefert konkrete Ergebnisse:

  • Jungen Menschen fehlt die Perspektive. Über die Hälfte aller Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr berichten uns, dass sie immer noch nicht wissen, ob sie übernommen werden oder nicht.
  • Fast ein Drittel der Auszubildenden muss regelmäßig Überstunden ableisten, im Durchschnitt drei Stunden pro Woche. Mehr als jede*r zehnte Auszubildende bekommt für die Überstunden weder eine Vergütung noch einen Freizeitausgleich. Das sind klare Verstöße gegen das Berufsbildungsgesetz. Das geht so nicht. Wir brauchen endlich wirksame Kontrollen der Aufsichtsbehörden, um diese Verstöße aufzudecken.
  • Mangelhaft ist oft auch die fachliche Anleitung im Ausbildungsbetrieb. So stieg der Anteil derjenigen Auszubildenden, deren Ausbilder*innen selten oder nie am Ausbildungsplatz verfügbar sind, mit 11,6 Prozent auf den höchsten seit 2008 dokumentierten Wert. Zudem gaben 13,2 Prozent der Auszubildenden an, Arbeitsvorgänge nur "selten" oder "nie" zufriedenstellend erklärt zu bekommen.

Da muss etwas getan werden! Wer Fachkräfte will, muss auch gut ausbilden. Gerade in Branchen, die für einen rauen Umgangston und für Mängel in der Ausbildung bekannt sind, haben es die Arbeitgeber selbst in der Hand, neue Auszubildende zu finden. Wenn die Ausbildungsqualität schlecht ist und die Perspektive fehlt, spricht sich das unter den jungen Menschen eben herum. Und wer seine Ausbildung erfolgreich absolviert, muss auch übernommen werden: im ausgebildeten Beruf, wohnortnah, Vollzeit und unbefristet.

  • Die Berufsorientierung war diesmal das Schwerpunktthema des Reports. Auch hier liefert er unschöne Ergebnisse: Drei von vier Auszubildenden berichten, dass ihnen die schulische Berufsorientierung nicht weitergeholfen hat. Und nicht einmal 29 Prozent der Befragten hat die Berufsberatung der Agentur für Arbeit genutzt.

Das zeigt: Die Jugendberufsagenturen müssen mit ihrer Arbeit sichtbarer und noch enger als bisher mit den Schulen zusammenarbeiten. Zudem muss die schulische Berufsorientierung in allen Schulformen gestärkt werden. Niemand darf verloren gehen!

Was nicht vergessen werden darf: Über 220.000 Jugendliche stecken jedes Jahr in Übergangsmaßnahmen zwischen Schule und Ausbildung fest. Dazu kommen über 2,3 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren, die keinen Berufsabschluss haben.

Unsere Anforderung ist klar: Die Arbeitgeber müssen mehr und besser ausbilden. Dazu braucht es eine gesetzliche Ausbildungsgarantie, die umlagefinanziert ist. Und es muss auch ein für alle Mal klar sein: Geltende Gesetze müssen eingehalten werden.

(Aus der Soli aktuell 11/2022, Autor: Kristof Becker)

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