Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Ausbildungsstart und die JAV

Die neuen Auszubildenden sind da. Jetzt ist die JAV gefragt.

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Das Informationsrecht
Mit dem neuen Ausbildungsjahr bekommen viele Betriebe wieder Zuwachs – die Auszubildenden. Für ihre Interessen ist die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) zuständig. Und mit dem neuen Betriebsrätemodernisierungsgesetz wurde erst kürzlich die Zuständigkeit der JAV auf alle Auszubildenden unabhängig vom Lebensalter erweitert (siehe Soli aktuell 8/2021).

Es ist eine Pflichtaufgabe der JAV, sich von Beginn an um die "Neuen" zu kümmern. Wer da alles genau in den Betrieb eintritt, erfährt die JAV im Normalfall bereits im Vorfeld: Der Arbeitgeber muss den Betriebsrat lange vor etwaigen Einstellungen im Rahmen seiner Personalplanung über die Anzahl der Auszubildenden informieren, die er einzustellen beabsichtigt (§ 92 Betriebsverfassungsgesetz, BetrVG).

Dazu gehören auch Infos über die jeweils angebotenen Ausbildungsberufe, die Anzahl der Ausbildungsstellen und die geplanten Einsatzorte. Nachdem der Arbeitgeber Kandidat_innen ausgewählt hat, muss er darüber den Betriebsrat umfassend informieren und die Zustimmung zu den beabsichtigten Einstellungen einholen (§ 99 BetrVG).

Der Arbeitgeber teilt nicht nur die Personalien und den vorgesehenen Arbeitsplatz mit, der Betriebsrat erhält auch die kompletten Bewerbungsunterlagen – und zwar von allen Bewerber_ innen – und weitere Infos wie Personalfragebögen und Testergebnisse.

Auch die JAV erhält diese Informationen. Sie hat das Recht zur Teilnahme an den Betriebsratssitzungen (§ 67 BetrVG). Gleiches gilt für Ausschusssitzungen.

Hinweis: Bei den Informationen zu den Bewerbungen handelt es sich um sensible personenbezogene Daten, die ausschließlich für das Gremium bestimmt sind. Sie müssen streng vertraulich behandelt werden.

Die Ansprache
Jetzt hat die JAV die Chance, sich passgenau auf die neuen Kolleg_innen vorzubereiten. Nun kann sie deutlich machen, dass sie als Ansprechpartnerin und Unterstützerin bei auftretenden Problemen zur Verfügung steht. Das ist wichtig, da gerade junge Leute zum Teil spezielle Probleme in der Ausbildung haben können (siehe Seite 14).

Für die Ansprache gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Welche davon genutzt werden können, hängt ebenso von den innerbetrieblichen Gegebenheiten ab wie von der Anzahl der neuen Auszubildenden und nicht zuletzt von der aktuellen Corona-Lage.

Gerade traditionelle Methoden entfalten auch heute noch große Wirkung. Ein eigener Flyer, verteilt im Rahmen einer Betriebsbegehung – auch gemeinsam mit dem Betriebsrat –, ist immer richtig. Die JAVis stellen sich persönlich vor und sprechen die Auszubildenden individuell an.

Eine persönliche Ansprache ist auch unter einem anderen Gesichtspunkt wichtig: Denn schon 2022 finden wieder turnusgemäß JAV-Wahlen statt. Da sollte jetzt schon an die Nachwuchsgewinnung gedacht werden. Vielleicht haben die "Neuen" schon von sich aus Interesse an einer Mitarbeit ("Meine Mutter ist im Betriebsrat – finde ich spannend") oder ihre bisherigen Aktivitäten lassen auf eine Unterstützung bzw. Kandidatur schließen – vielleicht waren sie bereits als Klassen- oder Schulsprecher_in aktiv.

Übrigens: Gibt der Betriebsrat einen eigenen Infodienst heraus, spricht nichts dagegen, sich auch darin vorzustellen. Der Betriebsrat ist zur Unterstützung der JAV verpflichtet, dort wird man mit Sicherheit nicht Nein sagen.

Unbedingt sollte – sofern im Betrieb vorhanden – das Intranet genutzt werden. Auch wenn in der Praxis zumeist keine große Resonanz zu erwarten ist: das klassische "Schwarze Brett" nicht vergessen. Auch dort sollte die JAV sich präsentieren.

Wird vom Betrieb eine Werkszeitung herausgegeben, schadet es nicht, beim Arbeitgeber anzufragen, ob nicht auch dort eine Vorstellung der JAV möglich ist. Verpflichtet ist er dazu nicht, aber fragen kostet nichts.

Einführungsveranstaltungen
In manchen Betrieben gehört die Durchführung von Einführungs- und Orientierungsveranstaltungen zur Betriebskultur. Betriebsrat und JAV werden dabei häufig eingebunden und es wird Zeit für die Vorstellung eingeräumt. Wo das bisher nicht geschieht: Da kein Rechtsanspruch auf Teilnahme existiert, fragt doch einmal beim Arbeitgeber nach, ob und was da alles möglich ist.

Noch im Herbst dieses Jahres sollte von der Möglichkeit Gebrauch gemacht werden, eine Jugend- und Auszubildendenversammlung durchzuführen. Sie kann vor bzw. nach jeder Betriebsversammlung oder aber mit Zustimmung des Arbeitgebers und Betriebsrats eigenständig abgehalten werden. Um auch die Neuen im Betrieb anzulocken, sollte schon die Einladung Tagesordnungspunkte enthalten, die das Interesse wecken wie z. B. "Kurzreferat über Azubi- Rechte".

Tipp: In der Einladung sollte der Hinweis stehen, dass die Zeit der Teilnahme bezahlte Arbeitszeit ist und auch etwaige Anreisekosten erstattet werden.

Gut vorbereiten
Alle Aktivitäten bedürfen einer guten Vorbereitung. Um die entsprechenden Service-Leistungen anbieten zu können, sollten alle erforderlichen Unterlagen rechtzeitig gesichtet und durchgearbeitet werden. Dazu zählen neben den in Betracht kommenden Ausbildungsplänen, -rahmenplänen und -ordnungen auch sämtliche Betriebsvereinbarungen (die, die auf Unternehmens- bzw. Konzernebene abgeschlossen wurden, nicht vergessen) und Tarifverträge, die speziell Angelegenheiten der Auszubildenden regeln.

Gleichfalls gehören dazu auch die im Berufsbildungsgesetz enthaltenen Rechtsgrundlagen der Berufsausbildung und das Jugendarbeitsschutzgesetz. Dabei könnt ihr auf die Publikationen der DGB-Jugend zurückgreifen (siehe Kasten Seite 14, "Die DGB-Jugend ist für dich da").

Tipp: Bei der Vorbereitung die zuständigen Jugendsekretär_innen der Gewerkschaft einbeziehen.

Check: Die erste Vorstellung

Das sind die Infos für die Weitergabe an die neuen Auszubildenden:

  • Namen der JAVis mit aktuellem Lichtbild und Kontaktdaten. Bei großen JAVen: Ansprechpartner_innen für bestimmte Ausbildungsberufe oder Filialen/Abteilungen/Betriebsteile
  • Erreichbarkeit (Zeit und Ort/Räumlichkeiten)
  • Erklärung, was die JAV ist und welche Aufgaben sie hat
  • Ort des Briefkastens (wenn einer vorhanden ist)
  • Termine für Sprechstunden/Extra-Einladung der "Neuen" für die nächste Sprechstunde
  • Ankündigung der nächsten Jugend- und Auszubildendenversammlung (mit Tagesordnung)
  • Hinweis auf bestehende Rechte der Auszubildenden (z. B. Beschwerderecht)
  • Informationen über Betriebsvereinbarungen (etwa zur Kostenübernahme für Bücher etc.).

 
(aus der Soli aktuell 9-10/2021, Autor: Wolf-Dieter Rudolph)

JAV-Ratgeber

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