Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugendwohnen ausbauen

Kann Jugendwohnen die Wohnungskrise lösen? Soli aktuell fragte nach bei Gewerkschafter Eric Schley.

© Privat

Eric Schley war bis 1. August 2021 Bezirksjugendsekretär der DGB-Jugend NRW.

Eric, die DGB-Jugend führt Gespräche mit dem Kolpingwerk, das viel Potenzial beim Azubi-Wohnen hat. Bereits jetzt verfügt es über viele Jugendwohnheimplätze. Wie ist da der Stand?
Jugendwohnen ist eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe – gedacht für 14- bis 27-Jährige, die im Rahmen einer beruflichen oder schulischen Ausbildung oder Eingliederung Unterkunft in einer sozialpädagogisch begleiteten Wohnform benötigen.

Es gibt in Deutschland rund 500 Einrichtungen in unterschiedlicher Trägerschaft. Zurzeit werden sie jedes Jahr von 200.000 jungen Leuten in Anspruch genommen. Eine individuell abgestimmte Begleitung unterstützt die Jugendlichen dabei, im neuen Alltag klar zu kommen, Kontakt zu anderen Leuten zu finden und die Ausbildung erfolgreich zu meistern.

Ein Großteil sind aber minderjährige Jugendliche, die etwa über ein Praktikum versuchen, eine Ausbildungsstelle zu bekommen oder die einen Schulabschluss nachholen. Es sind hauptsächlich Jugendliche aus benachteiligten Familien, oft kommen sie direkt aus der Jugendhilfe. Sie brauchen eine klar strukturierte Begleitung.

Du siehst einen Unterschied zu Auszubildenden?
Ja. Wir schauen auf eine andere Zielgruppe. Wir können uns aber durchaus vorstellen, dass das Wohnkontingent hochgefahren wird, auch ein Mix mit Studierenden-Wohnheimen wäre attraktiv. Ideen gibt es, aber zu wenig Projekte.

Aber das Potenzial ist da?
Ja, durchaus, es geht hier um Wohnen, das nicht gewinnbringend orientiert ist. Die Miete muss im Prinzip auch mit einer Mindestausbildungsvergütung zu bestreiten sein. Wir wollen da an einem Strang ziehen und könnten uns vorstellen, dass sich das Kolping-Werk mehr für den "klassischen" Auszubildenden öffnet.

Ist der Bedarf hoch?
Nach dem Sommer soll es eine Kurzbefragung in NRW geben – und auf der Grundlage dann einen Runden Tisch mit Akteuren wie der Arbeiterwohlfahrt, den Kammern, Arbeitgebern und auch der privaten und kommunalen Wohnungswirtschaft. Wir sind der Meinung, dass sich auch die Ausbildungsbetriebe finanziell beteiligen müssten, sodass günstiges Wohnen möglich ist und auch die Nebenkosten überschaubar bleiben.


Infos zum Jugendwohnen: https://auswaerts-zuhause.de/

(aus der Soli aktuell 9-10/2021, Autorin: Soli aktuell)

Das fordert die Gewerkschaftsjugend
"Auszubildende und dual Studierende wollen ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden führen. Hierfür ist bezahlbarer Wohnraum notwendig. Gemeinschaftlich nutzbare Auszubildenden-Appartements ermöglichen eine kostengünstige und eigenständige Unterbringung in der Nähe der Ausbildungsstätte. Der Bau soll durch die öffentliche Hand mitfinanziert werden. Bei der Einrichtung der Appartements ist ein Träger zu wählen, der die Mitbestimmung der Sozialpartner vorsieht. Die Miete soll nicht mehr als 20 bis 25 Prozent der durchschnittlichen Ausbildungsvergütung betragen."

(Aus dem Ausbildungsreport 2020 der DGB-Jugend, S. 28)