Deutscher Gewerkschaftsbund

Joshua Kensy über Corona in der Krankenpflege

Joshua Kensy setzt sich in der Krankenpflege für gute Ausbildung ein. In der Soli aktuell spricht er über die größten Baustellen und die JAV-Arbeit unter Corona-Bedingungen.

Joshua Kensy

© Pauline Kracht

Joshua Kensy, 24, hat eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert und arbeitet auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Er ist aktiv in der Jugend- und Auszubildendenvertretung und in der ver.di Jugend.

Joshua, die Pflegebranche ist stark in den Blick geraten, seitdem über Corona geredet wird. Was begegnet einem Krankenpfleger- Azubi in seinem Ausbildungsalltag, womit hat er zu kämpfen?
Durch die Corona-Pandemie ist die Pflegebranche zwar präsenter geworden, für die Beschäftigten hat sich jedoch kaum etwas geändert. Auszubildende haben mit den gleichen Problemen wie vor zwei Jahren zu kämpfen – schlimmer noch, es haben sich einige Dinge sogar zum Negativen entwickelt: Lernformate wechseln willkürlich von Präsenz- über Hybrid- zum Online- Unterricht.

Auch die Durchführung der Abschlussprüfungen ist nicht transparent geregelt: So wird sich auf eine gesonderte, den Hygienevorschriften angepasste Abschlussprüfung vorbereitet. Zwei Wochen vorher erfahren die Auszubildenden dann teilweise, dass die Prüfung wie vor Corona- Zeiten ablaufen soll. All dies erzeugt bei ihnen Verunsicherung und Angst, nicht ausreichend auf die Abschlussprüfungen vorbereitet zu sein.

Gibt es noch weitere Auswirkungen der Anti-Corona-Maßnahmen auf die Abschlussprüfungen?
Ja. Durch Corona ist es den Lehrkräften nicht gestattet, auf die Stationen zu gehen. Aus diesem Grund ist sowohl die Prüfungsvorbereitung als auch die Abschlussprüfung selbst an sich eine komplett andere. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass diese Auszubildenden nach der Pandemie wie Fachkräfte zweiter Klasse gesehen werden.

Sind Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) derzeit besonders aktiv, und wenn ja, wie?
Die sind immer aktiv! Aber sie haben gerade jetzt eine besonders schwierige Arbeit: Nicht nur ihr Berufsalltag hat sich verändert, auch die JAV-Arbeit muss anders ablaufen. Wir sind zum Beispiel auf Online-Sitzungen umgestiegen und behandelt dort all die Probleme, die durch Corona entstanden sind. Schwierig ist aktuell das schnelle Gespräch mit den Auszubildenden, um zu erfahren, wie es ihnen geht und wo Handlungsbedarf besteht. Die Flurgespräche fehlen einfach.

Was benötigen die Ausbildung und alle, die damit zu tun haben, derzeit am dringendsten?
Verbindliche und transparente Handlungsoptionen. Auszubildende brauchen verbindliche Aussagen, wie es mit der Ausbildung weitergeht und wie die Aussichten nach der Ausbildung sind.

Inwiefern arbeitet ihr als Gewerkschaftsjugend an Verbesserungen im Ausbildungsbereich?
Die Verbesserung der Ausbildung ist eines unserer Hauptanliegen als ver.di Jugend. Wir fordern klar, dass die Auszubildenden durch Corona nicht auf der Strecke bleiben dürfen, es darf nicht zu einer Ausbildung zweiter Klasse kommen. Mit den Tarifverträgen haben wir die Möglichkeit, direkt auf die Ausbildung einzuwirken – und die Ausbildungsbedingungen zu verbessern, sodass junge Menschen nicht mit Existenzsorgen leben müssen, nur weil sie eine Ausbildung machen.

Kannst du sagen, ob der Organisationsgrad unter den Mitarbeiter_ innen angestiegen ist?
Sowohl das letzte als auch dieses Jahr waren und sind Jahre mit großen Tarifrunden. Sie bieten den Beschäftigten die Möglichkeit, aktiv zu werden und für die eigenen Arbeitsbedingungen einzutreten. Das zieht, und so haben wir im letzten Jahr in meinem Betrieb eine große Aktiven-Gruppe unter den Auszubildenden aufbauen können, die seitdem an verschiedenen Projekten arbeitet.

Was sollten die Arbeitgeber schleunigst tun?
Die müssen aufhören, die Last auf die Beschäftigten abzuwälzen. Das Personal arbeitet nun seit anderthalb Jahren unter erschwerten Bedingungen, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Nun ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben – und das sollte kein Obstkorb sein!

Wie macht sich denn die Corona-Pandemie in deinem eigenen Arbeitsbereich im Krankenhaus bemerkbar?
Zu Beginn der Pandemie gab es große Unsicherheit. Niemand wusste viel über das neue Virus, es gab jeden Tag neue Hygienerichtlinien. "Welche Maske muss ich jetzt eigentlich tragen? " war eine der Fragen, die wir uns in den ersten Wochen ständig zu stellen hatten. Im Verlauf haben sich viele neue Dinge etabliert: So sind die gemeinsamen Pausen verschwunden, wie auch die Welle an Besucher_innen, die bei uns nachmittags über die Station liefen.

Würde ich als Patient etwas von den Veränderungen bemerken?
Ja, zum Beispiel, dass der Besuch durch Angehörige immer noch nicht gestattet ist. Patient_innen haben vor der Pandemie regelmäßig Besuche durch Familie und Freunde bekommen und sind mit ihnen spazieren gegangen – ein extrem wichtiger Zeitvertreib. In Corona-Zeiten gibt es diese Möglichkeit nicht.

Corona und die Gesundheitsbranche
Die Maßnahmen gegen die Erkrankung Covid-19 stellen den Kranken- und Pflegebetrieb auf die Probe. Sie bringen besondere Belastungen für das Gesundheitssystem und für die Beschäftigten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Unikliniken, Reha-Einrichtungen, Behindertenhilfe und den Rettungsdiensten mit sich. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Ausbildung in diesen wichtigen Berufssparten.


Umfassende Informationen für die Beschäftigten und Auszubildenden gibt es auf https://jugend.verdi.de und https://gesundheit-soziales.verdi.de


(aus der Soli aktuell 8/2021, Autorin: Soli aktuell)