Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugendfilmschule Moria

Die Schauspielerin Katja Riemann drehte für den Sender Arte einen Film mit jungen Geflüchteten im griechischen Lager Moria.

© Arte

Ein Kinolabor: Katja Riemann und die Filmschule.

Katja Riemann gehört zu den prominentesten Schauspielerinnen in Deutschland, man denke nur an ihre Rolle als Schuldirektorin in der "Fack ju Göhte"-Trilogie. Darüber hinaus engagiert sie sich aber auch weltweit für Menschenrechtsprojekte. Nun hat sie mit ihrem Film für den Sender Arte "…and here we are!" Beruf und Engagement verbunden.

Gedreht hat sie in Europas bekanntestem Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos, das im letzten Jahr abbrannte. Wenig bekannt ist, dass es dort auch eine Filmschule gab (und wieder geben soll). 2018 gründeten der US-Amerikaner Douglas Herman und die Polin Sonia Nandzik ein Filmschulprojekt. Das Ziel: junge Menschen befähigen, selbst Kurzfilme zu produzieren.

Riemann lernte die beiden Filmprofis im vergangenen Jahr kennen, als sie für eine Buchrecherche längere Zeit in Griechenland war – und drehte ihrerseits mit ihnen. Ihr Film gibt einen Einblick in den Alltag der Geflüchteten in den Lagern an Europas Außengrenzen. Neben den jungen Filmemacher_innen kommen die Lehrer_innen zu Wort.

Durchbrochen wird die Erzählung von Ausschnitten aus dort entstandenen Filmen. Die jungen Filmemacher_innen gehen mit der Kamera durch das Lager, interviewen Kinder und Erwachsene. Ihre Filme sind schnell geschnitten, nutzen Elemente aus dem Kino wie aus Nachrichtenreportagen. Stoff, sagt Jung-Regisseur Yaser, gebe es im Camp auf jeden Fall genug.

Der Film gibt einen Einblick in den Alltag der Geflüchteten in den Lagern an Europas Außengrenzen.

Die junge Nazanin aus Afghanistan ist über ihre Filmstudien sogar an Sender wie die BBC gekommen. Über ihre Kurse sagt sie. "Im ersten Semester war ich die einzige Frau. Im nächsten war das Verhältnis von Männern und Frauen schon 50 zu 50."

Die Schule stülpt auch durchaus eingefahrene Bilder von Geschlechtern um. "Es war eine völlig neue Erfahrung", erzählt Zahra aus dem Filmkurs: "Ich als Frau sage als Regisseurin anderen, wo es lang geht." So etwas habe sie als junge Afghanin bisher nicht gekannt.

Das Projekt soll allen Schwierigkeiten – zwischenzeitlich wurde Filmlehrer Herman ausgewiesen, neben dem Feuer im alten gab es Überschwemmungen im neuen Camp – zum Trotz weitergeführt werden. Riemann plant, dort im nächsten Jahr selbst zu unterrichten.

Die DGB-Jugend hatte bereits im letzten Jahr die Bundesregierung in einem offenen Brief ("#LeaveNoOneBehind") aufgefordert, sich mehr für die Menschen dort zu engagieren.


"…and here we are! Eine Filmschule in Moria". Regie: Katja Riemann. F 2021. In der Arte-Mediathek abrufbar.

Das Video der DGB-Jugend zu der Situation in den Lagern: hier.

(aus der Soli aktuell 7/2021, Autorin: Soli aktuell)