Deutscher Gewerkschaftsbund

Transformation sozial gerecht gestalten

Der Klimawandel wird alle Bereiche des Lebens beeinflussen, sagt Kai Reinartz von der ver.di Jugend. Zu den Forderungen des DGB-Bundesjugendausschusses (BJA) für eine sozial-ökologische Transformation.

Kai Reinartz, rotes T-Shirt, Brille

© DGB-Jugend/Jörg Farys

Kai Reinartz ist ehrenamtlicher Vorsitzender der ver.di Jugend. Das Positionspapier "Transformation. Klima. Gerechtigkeit." findet ihr auf https://jugend.dgb.de/-/HiA

Kai, der DGB-BJA hat sein Positionspapier "Transformation. Klima. Gerechtigkeit." verabschiedet. Dort heißt es zu Beginn: "Krise als Krise begreifen". Mit welcher Art Problemen haben wir es zu tun und wie will die Gewerkschaftsjugend darauf reagieren?
Der Klimawandel und seine Folgen gehen uns alle etwas an. Wir sollten bei jeder Entscheidung, die wir treffen, auch unsere Umwelt mitdenken. Dies gilt auch in Zusammenhang mit unserer Tätigkeit. Viele aktive Kolleg_innen haben sich daher auch der Fridays-for-Future-Bewegung angeschlossen. Und auch in unserer Tarifarbeit zeigt sich, wie eng die Zusammenarbeit ist: Eine gemeinsame Kampagne von ver.di und FFF bei den Tarifverhandlungen im Nahverkehr im letzten Jahr, in der die Arbeitsbedingungen in kommunalen Nahverkehrsunternehmen verhandelt wurden, war ein voller Erfolg!

Ein wichtiger Punkt betrifft Bildung und Qualifikation. Welche Rolle spielen sie aus eurer Sicht für die junge Generation in der Transformation?
Durch die Transformation werden bestehende und benötigte Arbeitsplätze womöglich in ihrer heutigen Form nicht erhalten bleiben. Hier geht es darum, die Beschäftigten durch Fort- und Weiterbildungsangebote der Arbeitgeber zu qualifizieren und die Beschäftigung zu sichern. Die Transformation kann nicht auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden.

Mobilität ist ein Grundrecht, heißt es in dem Papier. Welche Ziele strebt die Gewerkschaftsjugend bei diesem Thema an?
Aus meiner Sicht muss das großgedachte Ziel sein, allen Menschen einen gebührenfreien staatlichen öffentlichen Nahverkehr anzubieten. Er muss durch Streckennetz und Fahrttakt attraktiver sein als Auto-Mobilität. Als Beispiel kann man hier den Stadtverkehr nehmen: Mit einem Pkw in oder durch die Stadt zu fahren, ist wesentlich unpraktischer als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dieser ÖPNV soll mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

"Die junge Generation hat ein Recht darauf, in einer intakten Umwelt zu leben."

Vor allem Energie- und Industriepolitik stehen ja im Mittelpunkt der Transformation. Wie können sie gerecht und im Sinne der jungen Generation gestaltet werden?
Für die Energiepolitik ist zu sagen, dass auch junge Generationen das Recht haben, in einer intakten Umwelt zu leben – daher müssen wir auf erneuerbare Energien setzen und für Klimaneutralität kämpfen. Die Transformation darf nicht zu Lasten der Beschäftigten erfolgen. Hierfür braucht es weitsichtige Konzepte und eine größtmögliche Beschleunigung des Aufbaus treibhausgasneutraler Produktion. Neue Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen, Tarifverträgen und starker Mitbestimmung zu schaffen, hat für uns Priorität. Diesen Weg müssen wir gemeinsam gehen.

Nun gibt es ja ganz verschiedene Branchen und Bereiche der Arbeitswelt. Muss es auch unterschiedliche Maßnahmen geben für eine sozial gerechte Transformation?
Klar ist, dass es kein Schema F gibt, das für alle Branchen und Betriebe passt. Hier ist die Mitbestimmung das wichtigste Werkzeug, um die Veränderungen in den Betrieben zu begleiten und mitzugestalten. Wie du schon sagst, gibt es verschiedene Branchen, also braucht es auch verschiedene Maßnahmen zur Lösung. Manche sind kaum, andere besonders stark von der Transformation betroffen. Ich glaube, solche Veränderungen müssen immer mit den Beschäftigten gemeinsam erfolgen. Die betriebliche Interessenvertretung sowie die betriebliche Mitbestimmung sind hierfür prädestiniert. Solidarität und Gerechtigkeit sind entscheidende Faktoren für die Gewerkschaftsjugend.

Wie schätzt ihr denn die Chancen für eine sozial gerechte Transformation ein?
Wenn wir jetzt alle gemeinsam an einem Strang ziehen und die Politik endlich zu dem Thema ins Arbeiten kommt, dann haben wir schon einen großen Schritt gemacht! Die Frage müsste eher lauten, was die Alternative zur sozial gerechten Transformation sein kann. Ein "Weiter so" auf jeden Fall nicht! Und dass wir uns als Gewerkschaftsjugend für die Belange der jungen Kolleg_innen einsetzen, ist klar. Gemeinsam sind wir stärker als jede und jeder für sich allein!

Transformation: Die DGB-Jugend spricht mit
Wie sich Nachhaltigkeit aus Sicht der jungen Generation darstellt, könnt ihr im Protokoll der 73. Sitzung des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung vom 24. März 2021 nachlesen. Neben Vertreter_ innen aller im Bundestag vertretenen Parteien kommen hier die Jugendverbände zu Wort. Die Positionen der DGB-Jugend brachte Joscha Wagner von der Abteilung Jugend und Jugendpolitik beim DGB-Bundesvorstand ein: Wesentliche Grundlage für nachhaltiges Wirtschaften seien gute Arbeit, starke Mitbestimmung, eine wirkungsvolle Tarifbindung, faire Einkommen und sichere Arbeitsplätze.

Für die notwendige sozial-ökologische Transformation seien Qualifikationen, unter anderem durch strukturelle Fort- und Weiterbildungsansprüche und die Verankerung des Themas Transformation in der beruflichen Bildung wichtig. Außerdem sei eine faire Verteilung der Kosten entscheidend: Diejenigen, die von den bisherigen Verhältnissen am meisten profitieren, müssten jetzt am stärksten in Verantwortung genommen werden.

Hier gibt es den Videomitschnitt:  Und hier das Protokoll.

(aus der Soli aktuell 6/2021, Autorin: Soli aktuell)