Deutscher Gewerkschaftsbund

Corona und die Prüfungen bei "Dr. Azubi"

Ausbildungsinhalte werden nicht gelernt, Abschlüsse verschoben: Die Corona-Pandemie hat starke Auswirkungen auf das Prüfungswesen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem "Dr. Azubi"-Forum der DGB-Jugend.

Azubi-Ratgeberin Julia Kanzog

Kann meine Abschlussprüfung überhaupt stattfinden?
Prüfungen sind vom Versammlungsverbot ausgeschlossen und können regulär stattfinden. Natürlich müssen sich die Kammern an die geltenden Maßnahmen zu Hygieneschutz und -maßnahmen halten und sie auch umsetzen. Hygienevorschriften sind entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts bzw. der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) einzuhalten.

Hilfe, ich habe Angst, mich während der Prüfung anzustecken. Kann ich einfach fernbleiben?
Jedem Auszubildenden muss eine sichere Prüfung angeboten werden. Von der Prüfung fernbleiben kannst du nur, wenn du krank oder in Quarantäne bist. Alle anderen Gründe gelten als nicht anerkannt und führen dazu, dass deine Prüfung mit "nicht bestanden" bewertet wird.

Was passiert, wenn ich die Prüfung noch nicht schreiben konnte und meine Ausbildung bald endet?
Droht dein Ausbildungsvertrag auszulaufen und du konntest noch keine Prüfung machen, kannst du den Ausbildungsvertrag per Antrag bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung, höchstens um ein Jahr, verlängern. Die Verlängerung musst du bei deinem Ausbildungsbetrieb schriftlich beantragen.

Ich konnte im letzten Ausbildungsjahr nichts lernen, weil mein Betrieb zu hatte und mir nichts beigebracht wurde. Was passiert jetzt mit meiner Prüfung?
Ist ein Teil der Ausbildung ausgefallen oder konnte nicht wahrgenommen werden und konnten dir aufgrund dessen nicht alle Ausbildungsinhalte vermittelt werden, kann deine Ausbildung gemäß § 8 Abs. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) verlängert werden. Den Antrag stellst du – am besten schriftlich – bei der Kammer.

Das Ausbildungsverhältnis läuft dann mit allen Rechten und Pflichten weiter. Unter Umständen kannst du von deinem Betrieb Schadenersatz fordern.

Wer meldet mich zu der Prüfung an?
Eine fristgerechte Anmeldung zur Abschlussprüfung muss durch den Betrieb erfolgen. Da die Ausbildung für den Auszubildenden kostenfrei ist, übernimmt der Betrieb die Prüfungsgebühren und die der erforderlichen Mittel, die du für die Abschlussprüfung benötigst. Das kann zum Beispiel das erforderliche Gold einer Zahnkrone sein, das eine Zahntechnikerin benötigt, oder auch die Blumen für die Gestecke einer Floristin bei der Prüfung.

Muss ich mir für die Prüfung Urlaub nehmen?
Ein klares Nein! Dein Arbeitgeber muss dich für die Teilnahme an der Prüfung, inklusive Pausen, freistellen. Musst du danach noch in den Betrieb kommen, wird die Fahrtzeit vom Prüfungsort in den Betrieb auf die Arbeitszeit angerechnet. Zusätzlich wirst du noch am Tag vor der schriftlichen Abschlussprüfung bzw. der Wiederholungsprüfung freigestellt.

An welchem Tag endet meine Ausbildung?
Die Ausbildung endet mit dem Ablauf deiner Ausbildungszeit. Sollte das Bestehen der Prüfung schon vorher offiziell bekannt gegeben werden, endet die Ausbildung zu diesem Zeitpunkt ebenfalls vorzeitig. Läuft dein Ausbildungsvertrag zum Beispiel bis zum 31. August, aber das Bestehen der Prüfung wird schon am 23. Juni offiziell bekannt gegeben, endet deine Ausbildungszeit auch am 23. Juni vorzeitig mit dieser Bekanntgabe der Ergebnisse.

Und wie läuft das mit der Übernahme?
Eine gesetzliche Regelung, die eine Übernahme nach der Ausbildung vorsieht, gibt es leider nicht. Falls es aber einen gültigen Tarifvertrag gibt, ist hier oftmals eine bindende Übernahme nach der Ausbildung festgehalten. Frage am besten bei deiner zuständigen Gewerkschaft nach.

Arbeitest du nach der bestandenen Prüfung in deinem Betrieb weiter, gehst du dort stillschweigend ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ein und dir steht ein Gehalt von Ausgelernten zu.

Und wenn ich die Prüfung nicht bestanden habe?
Wenn du durch die Prüfung gefallen bist, dann kannst du sie noch zweimal wiederholen. Deine Ausbildung läuft bis zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt weiter. Auf deinen Wunsch hin verlängert sich die Ausbildung in deinem Betrieb bis zu der nächstmöglichen Wiederholungsprüfung (höchstens um ein Jahr; § 21 BBiG).

Bei einer Verlängerung behält man weiterhin den Auszubildendenstatus, man kann die Berufsschule besuchen und an der Nachhilfe der Agentur für Arbeit teil- bzw. ausbildungs- begleitende Hilfen in Anspruch nehmen, um optimal auf die Wiederholungsprüfung vorbereitet zu sein. In diesem Fall ist es sinnvoll, sich für eine Verlängerung zu entscheiden.

Du musst die Ausbildung aber nicht unbedingt in deinem Betrieb fortsetzen: Du kannst deine Ausbildungszeit in deinem Ausbildungsbetrieb auch auslaufen lassen, als "Ungelernter" ins Berufsleben einsteigen und an der Wiederholungsprüfung als externer Prüfling teilnehmen. Dann musst du dich aber eigenständig um die Prüfungsanmeldung kümmern, die Gebühren selber tragen – und die Berufsschule kannst du auch nicht mehr besuchen.

Wegen Corona musste meine Ausbildung verlängert werden. Kann ich Schadenersatz fordern?
Das ist eine gute Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Dein Ausbildungsbetrieb hat dafür zu sorgen, dass dir alle wichtigen Ausbildungsinhalte und somit eine berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt werden. Ist dein Betrieb dieser Verpflichtung nicht nachgekommen, obwohl er die Möglichkeit dazu gehabt hätte – zum Beispiel durch die Umstellung des Ausbildungsplans, das theoretische Erlernen oder einer anderen Organisation der Ausbildungsinhalte –, kannst du unter Umständen Schadenersatz fordern.

Der Schaden kann in der Differenz zwischen der Ausbildungsvergütung und dem entgangenen Arbeitsentgelt bestehen, das du bei rechtzeitiger Beendigung während der Verlängerungszeit verdient hättest. Dafür benötigst du aber gute Nachweise. Hol dir am besten Unterstützung von deiner zuständigen Gewerkschaft!


Zur weiteren Information siehe auch: "Die Corona-Krise darf nicht zur Ausbildungs- oder Fachkräftekrise werden: Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung beschließen 'Gemeinsame Aktion zur Stärkung von Ausbildungsbetrieben und jungen Menschen in der Corona-Pandemie'" auf www.dgb.de/-/0y1

(aus der Soli aktuell 5/2021, Autorin: Julia Kanzog)

Prüfungen in der Soli aktuell

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