Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir brauchen eine echte BAföG-Reform, sagt Natalie Schäfer

Der DGB-Bundesjugendausschuss fordert auch eine BAföG-Reform. Nathalie Schäfer erläutert, worum es dabei geht.

© GEW/Kay Herschelmann

Nathalie Schäfer ist Bundessprecherin der Studierenden in der Bildungsgewerkschaft GEW.

Nathalie, nicht nur die "Sendung mit der Maus"-Maus feiert dieses Jahr ihren 50. Geburtstag, sondern auch das BAföG. Der Maus geht es aber entschieden besser! Die DGB-Jugend fordert eine umfassende Reform der Studienförderung. Was stört euch am derzeitigen BAföG?
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz, das BAföG, wurde vor 50 Jahren eingeführt, um die Chancengleichheit für alle und die soziale Öffnung der Hochschulen zu gewährleisten. Leider blicken wir auf ein trauriges Jubiläum zurück:

Während 1971 noch 45 Prozent der Studierenden gefördert wurden, also fast jede zweite Person, ist das BAföG heute auf einen historischen Niedrigstand mit 11,4 Prozent gesunken, bei den Schüler_innen sind es sogar nur noch 1,5 Prozent.

Gründe sind etwa die Grenzen, wie viel deine Eltern verdienen dürfen, damit du BAföG erhältst. Vor allem aber ist das BAföG kein Vollzuschuss – viele junge Menschen, die sich für ein Studium interessieren, werden also durch die entstehenden möglichen Schulden von der Aufnahme eines Studiums abgeschreckt.

Welchen Auftrag hat das BAföG und warum wird es ihm nicht gerecht?
Das BAföG soll garantieren, dass alle sich weiterbilden können. Ein Studium ist teuer: Wenn man in eine andere Stadt zieht, muss man sich ein Zimmer oder eine Wohnung suchen, selbst für Lebensmittel aufkommen, sich Lernmaterialien wie Bücher besorgen. Gleiches gilt auch für eine Schullaufbahn, wenn sie auf eigenen Beinen bestritten wird. Wir brauchen Fördersätze, mit denen sich ein Leben auch bestreiten lässt. Mit rund 860 Euro Höchstsatz geht das kaum, und nur die wenigsten Studis bekommen ihn überhaupt.

Bekommst du selbst BAföG?
Nein, weil meine Eltern zu viel verdienen. Dass BAföG ist leider so gestrickt, dass es viele Förderlücken aufweist, durch die viele junge Menschen fallen. Und es gibt noch weitere Hürden: die Antragsstellung ist kompliziert und bürokratisch. Darüber hinaus fördert das BAföG mit seiner Kopplung an die Regelstudienzeit ein Durchhetzen durchs Studium und kaum freien Erfahrungsgewinn.

Warum wird die DGB-Jugend einen alternativen BAföG-Bericht vorlegen?
Um die aktuellen Entwicklungen und den notwendigen Reformbedarf erkennen zu können, ist eine regelmäßige und ehrliche Analyse notwendig. Dabei folgt die DGB-Jugend den zweijährigen Berichterstattungen der Bundesregierung. Denn die haben oft Leerstellen, die durch den alternativen BAföG-Bericht geschlossen werden, der darüber hinaus Lösungsvorschläge bietet.

Die DGB-Jugend hat mit ihrem Beschluss einen Katalog von Forderungen vorgelegt. Welche ist die Wichtigste?
Für die 27. Novellierung des BAföG fordern wir schnelle Verbesserungen, um den brennenden Missständen entgegenzuwirken. Darüber hinaus fordern wir eine Strukturreform des BAföG, damit das Gesetz dem Grundrecht auf eine größtmögliche Unabhängigkeit von den Eltern in der Ausbildung und in der Ausbildungswahl angepasst und der Empfängerkreis vergrößert werden.


Die Beschlüsse findet ihr auf https://jugend.dgb.de/bja

(aus der Soli aktuell 5/2021, Autorin: Soli aktuell)