Deutscher Gewerkschaftsbund

Wir sind die Zukunft: Adriana und Anna zum 8. März

Der 8. März steht für Geschlechtergerechtigkeit. Wie junge Gewerkschafterinnen aktiv werden, schreiben Adriana Bil und Anna Gmeiner.

© Privat

Adriana Bil (l.) ist Kauffrau für Bürokommunikation und startete in der JAV der Telekom und der ver.di Jugend. Die Hans-Böckler-Stipendiatin studiert Soziale Arbeit. Zurzeit arbeitet sie im Nachtdienst in der IMMA-Zufluchtstelle (Schutzstelle für Mädchen* und junge Frauen*). Nach fünf Jahren als Geschäftsführerin der ver.di Jugend München ist sie u. a. derzeit Mitglied im ver.di-Bundesjugendvorstand und im DGB-Bezirksjugendausschuss Bayern.

Anna Gmeiner ist Kauffrau für Verkehrsservice und war zunächst in JAV-Gremien der Bahn AG und auf EVG-Ebene aktiv. An-schließend studierte sie als Hans-Böckler-Stipendiatin Politikwissenschaft. Sie ist in der EVG und im Vorstand der DGB-Jugend und des Stadtjugendrings sowie u. a. im DGB-Bezirksjugendausschuss Bayern und in Frauengremien tätig und derzeit Referentin des DB-Konzernbetriebsrats mit Schwerpunkt Jugend/Nachwuchskräfte.

Adrian und Anna, welche Forderungen vertritt die Gewerkschaftsjugend am 8. März?
Eins vorneweg: Wir setzen uns nicht nur am Weltfrauenkampftag als Gewerkschaftsjugend für die gleiche Bezahlung und Chancengleichheit aller Geschlechter ein! Besonders in Krisenzeiten zeigt sich, dass alte Rollenvorstellungen noch immer präsent sind und Frauen* den Hauptteil an Sorgearbeit tragen.

Aber nicht nur dort: Es zeigt sich ja ganz aktuell in der Corona-Krise, dass viele wichtige Berufe frauendominiert sind: Pflege, Erziehung und Betreuung, Soziale Arbeit und der Einzelhandel. Trotz der Relevanz in der Gesellschaft sind diese Jobs schlecht bezahlt. Soziale Anerkennung durch Applaus reicht nicht, die Wichtigkeit dieser Berufe muss sich auch auf der Gehaltsabrechnung widerspiegeln.

Wir persönlich würden uns, neben den schon genannten Punkten, sehr darüber freuen, wenn der Weltfrauenkampftag wie in Berlin zu einem gesetzlichen Feiertag werden würde, um allen zu ermöglichen, an diesem Tag auf die Straße zu gehen.

Ihr seid ehrenamtlich für die Gewerkschaftsjugend aktiv. Wie und wo begegnet euch ungleiche Bezahlung und Behandlung bei euren Tätigkeiten?
Die Ungleichbehandlung von Frauen* ist ein strukturelles Problem. Das bedeutet, sie begegnet uns in allen Bereichen unseres Lebens. Fast überall in der Gesellschaft fällt auf, dass Frauen* unterrepräsentiert sind, beispielsweise in der Politik, in verschiedenen Gremien oder in den Vorständen von Unternehmen. Diese Tatsache schränkt vor allem junge Frauen* und Mädchen* darin ein, sich vorstellen zu können, dass ihnen alle Möglichkeiten offenstehen.

"Wir sind erst am Ziel, wenn der Equal Pay Day am 1. Januar stattfindet – oder noch besser, gar nicht mehr existiert!"

Vermutlich ist Deutschland am 8. März noch geschlossen. Wie werdet ihr trotzdem aktiv?
Natürlich erschwert die Corona-Pandemie die Durchführung von Aktionen wie Demos oder große Veranstaltungen. Dennoch werden wir es uns nicht nehmen lassen, an diesem Tag auf andere Weise laut zu werden. Also durch Online-Veranstaltungen, Bildungseinheiten zum Thema Feminismus und Sichtbarkeit auf Social Media. Zudem ist eine Stadtführung auf den Spuren Regensburger Frauen geplant – natürlich unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen.

Was hättet ihr ohne Corona geplant?
Vermutlich hätte es große Demonstrationen, Stände in Innenstädten und wie im letzten Jahr einen feministischen Brunch gegeben. Er fand im Regensburger Gewerkschaftshaus statt: Hier wurden verschiedene Vorkämpferinnen der Frauenbewegung durch Frauen* der Mitgliedsgewerkschaften vorgestellt. Im Anschluss konnten sich alle Teilnehmer*innen über die verschiedenen Biografien und Ideen austauschen.

Der Equal Pay Day (10. März) ist dieses Jahr näher an den 8. März gerückt – hat sich etwas geändert an der Entwicklung der Gehälter von Männern und Frauen?
Naja, diese acht Tage, die der Equal Pay Day nach vorne gerückt ist, zeigen zwar, dass sich etwas tut, aber nur sehr langsam – zu langsam! Der Tag macht vor allem deutlich, dass wir noch lange nicht am Ziel angekommen sind. Denn das haben wir erst erreicht, wenn der Equal Pay Day am 1. Januar stattfindet – oder noch besser, gar nicht mehr existiert!

Welche Rolle kann die Gewerkschaftsjugend hier übernehmen? Als Gewerkschaftsjugend sind wir die Zukunft. Das bedeutet, wir müssen sie auch gestalten. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns in den Diskurs um Chancengleichheit immer einmischen: sei es in der Debatte um geschlechtersensible Sprache, paritätisch besetzte Gremien und Parlamente, in der Auseinandersetzung mit Sexismus und der geschlechtsunabhängigen gesellschaftlichen Teilhabe. Dieser Kampf um Chancengleichheit erstreckt sich über alle Bereiche und muss auch im Privaten geführt werden.

Wie stellt ihr euch die Zukunft in Sachen Gleichstellung vor?
Es geht nicht nur um Gleichstellung, es geht um Chancengleichheit für alle Geschlechter. Dies bedeutet, dass jede*r unabhängig von seinem* ihrem Geschlecht und der Geschlechtsidentität die Chance haben muss, sich selbst zu verwirklichen. So und nicht anders sollte die Zukunft aussehen!

Weltfrauentag
Am 8. März rufen DGB und Gewerkschaften zum Internationalen Frauentag auf. Wir wollen auf die Missstände wie ungleiche Bezahlung aufmerksam machen und stehen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ein. Deswegen: Mehr Gewerkschaft, mehr Gleichstellung – mehr denn je!
https://frauen.dgb.de/8-maerz

Equal Pay Day
Wir streiten für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Immerhin ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen von 21 auf 19 Prozent (EU-Durchschnitt: 15 Prozent) gefallen, deswegen wird der Tag auf den 10. März vorverlegt. Das reicht aber noch lange nicht!
www.equalpayday.de


(aus der Soli aktuell 3/2021, Autorin: Soli aktuell)

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