Deutscher Gewerkschaftsbund

Ausbildung in Zeiten von Corona II

Der zweite Lockdown trifft viele Auszubildende hart. Eure wichtigsten Fragen beantwortet "Dr. Azubi". Teil 2.

Quarantäneregelung
Mein Betrieb wurde unter Quarantäne gestellt. Bekomme ich weiter meine Vergütung?

"Dr. Azubi" antwortet: Im Berufsbildungsgesetz (BBiG) steht, dass dir deine Vergütung für einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen weiter gezahlt werden muss, wenn du dich für deine Ausbildung bereithältst und diese aus Gründen ausfällt, die du nicht zu vertreten hast (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Solltest du im Lauf der Quarantäne tatsächlich erkranken, dann erhältst du Entgeltfortzahlung von der Krankenkasse, und wenn du über sechs Wochen hinaus krank bist, Krankengeld. Dafür benötigst du eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Wer betreut das Kind?
Immer wieder erreichen uns Fragen zum Thema Kinder. Wie sieht es aus bei einer fehlenden Kinderbetreuung – kann ich zu Hause bleiben? Und bekomme ich eine Erstattung?

"Dr. Azubi" antwortet: Auszubildende sind in diesem Fall – genau wie normal Angestellte – verpflichtet, alle Anstrengungen zu unternehmen, um ihr Kind anderweitig betreuen zu lassen. Das hört sich leichter an, als es ist. Gerade bei Kleinkindern ist dies keine einfache Sache.

Wir raten dir, schnell den Kontakt mit deinen Ausbilder_innen aufzunehmen und gemeinsam zu überlegen, wie hier eine sinnvolle Lösung aussehen kann. Für einen begrenzten Zeitraum kann auch ein alternativer Ausbildungsort wie das Homeoffice oder vielleicht andere Arbeitszeiten sinnvoll sein.

Hol dir hierzu am besten auch noch Unterstützung von deiner Jugend- und Auszubildendenvertretung und von deinem Betriebsrat. Erkundige dich auch über aktuelle Regelungen und Unterstützungsmöglichkeiten. Solange die Kindertagesstätten und Schulen geschlossen sein werden, greift der Staat auch immer mehr Eltern unter den Arm.

Fehlzeiten und Verlängerung
Mia, Auszubildende zur Mechanikerin, schreibt im "Dr. Azubi"-Forum: "Ich wollte mal fragen, wie ich im Berichtsheft eintragen muss, dass ich aufgrund fehlender Betreuung meiner Kinder während der Corona-Schließung zuhause bleiben müsste? Bisher habe ich die Tage frei gelassen..."

"Dr. Azubi" rät: Mia sollte auf jeden Fall eintragen, dass sie aufgrund der fehlenden Kinderbetreuung nicht gearbeitet hat. Hat sie neben der Kinderbetreuung noch im Homeoffice gearbeitet, dann sollte sie natürlich die Ausbildungsinhalte in ihr Berichtsheft eintragen. Dies wird nicht als Fehlzeit gerechnet.

Achtung: Wenn Mira durch Ausfallzeiten (Krankheit, Kurzarbeit, Kinderbetreuung etc.) mehr als 10 bis 15 Prozent ihrer Ausbildungszeit fehlen, dann kann es gut sein, dass sie nicht regulär an der Prüfung teilnehmen kann, sondern ihre Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verlängern muss. Dies ist aber eine Kulanzregelung! Deine Ausbilder_in muss dir bestätigen, dass du alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt hast. Nimm in diesem Fall am besten Kontakt mit deiner zuständigen Kammer auf. Gerade in Corona-Zeiten kommt die Kammer euch hier entgegen.

Ansteckungsgefahr
Darf ich zu Hause bleiben, weil ich Angst habe, mich oder Angehörige, die einer Risikogruppe angehören, anzustecken?

"Dr. Azubi" antwortet: Deine Sorge, die Familie anzustecken, ist natürlich berechtigt, dennoch kann dein Arbeitgeber von dir verlangen, dass du weiterhin in die Arbeit kommst. Und wie sich der Arbeitsweg für dich gestaltet, ist deine Sache. Du musst also auch in Kauf nehmen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, die Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen oder auf Verkehrsmittel auszuweichen, die wenig belebt sind. Wenn du hier die Sicherheitsregeln befolgst, dann hast du alles getan. Alles Wichtige findest du auf der Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.infektionsschutz.de/coronavirus).

Hier gibt es auch hilfreiche Tipps, wie du dich verhalten sollst, wenn du mit anderen Menschen zusammenwohnst. Auch wenn sie einer Risikogruppe angehören, besteht die Möglichkeit, Abstand zu halten.

Im Einzelfall kann der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht angehalten sein, den Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung (z.B. das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause durchzuführen.

Arbeits- und Infektionsschutz
Ich habe aber trotzdem Angst, in den Betrieb zu gehen und mich dort anzustecken! Was kann ich tun?

"Dr. Azubi" rät: Arbeitgeber haben gegenüber Auszubildenden eine besondere Fürsorgepflicht und müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, die dem Arbeits- und Infektionsschutz dienen. Dafür wurde bereits im August 2020 ein eigenes Gesetz für die Zeit der Pandemie erlassen. In einem Betrieb mit viel Kundenkontakt kann dies bedeuten, dass zum Beispiel Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen sind.

Arbeitgeber sind auch verpflichtet, ihre Beschäftigten in Bezug auf die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen und Schutzvorkehrungen zu unterweisen. Hält man sich in deinem Betrieb nicht an die Vorschriften, dann kannst du dich an deinen Betriebsrat wenden. Sollte es keinen geben, dann hast du auch die Möglichkeit, beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt oder beim Amt für Arbeitsschutz Beschwerde einzulegen.

Regeln im Betrieb
An die geltenden Arbeitsschutzmaßnahmen muss man sich auch halten. So wie bei Anna, Auszubildende in der Gastronomie: "Aufgrund von Corona haben wir im Betrieb bestimmte Regeln wie z. B. Abstand halten oder dass nur noch einer allein im Personalaufzug fahren darf. Wir hatten einen stressigen Tag und ich bin mit einer Kollegin zusammen im Aufzug erwischt worden. Zwei Stunden nach Dienstschluss rief mich die Personalabteilung an und sagte mir, ich sei bis Ende meiner Ausbildung freigestellt. Ich habe gefragt, wie es mit meinem Gehalt aussieht und man sagte mir, dass ich höchstwahrscheinlich keines mehr bekommen würde."

"Dr. Azubi" antwortet: Eine unbezahlte Freistellung gibt es in der Ausbildung nicht. Annas Gehalt darf nur gekürzt werden, wenn sie unentschuldigt gefehlt hat. In ihrem Fall wäre eine Abmahnung angemessener. Sie sollte auf jeden Fall noch einmal das Gespräch in ihrem Betrieb suchen.


(aus der Soli aktuell 3/2021, Autorin: Julia Kanzog)

Coronavirus/Covid-19
Wir dachten, wir brauchen das vielleicht nicht mehr – aber die letzten Entwicklungen haben es leider nötig gemacht, noch mal darauf hinzuweisen: Die DGB-Jugend stellt umfangreiche Informationen und Hilfestellungen für Auszubildende, junge Beschäftigte und Studierende bereit.

Besucht uns auf http://jugend.dgb.de/corona-infos

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