Deutscher Gewerkschaftsbund

Plan B für die Jugend: Die IG Metall-Jugendstudie

Mit ihrer neuen Jugendstudie möchte die IG Metall Jugend ein Porträt der jungen Generation in Corona-Zeiten liefern – und zieht daraus einen klaren Auftrag.

IG Metall Jugend

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Hier geht's zur neuen Jugendstudie.

Geradlinig" – so hat Sefkan sich seine Ausbildung bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover vorgestellt. Der 23-Jährige ist engagiert. "Ich liebe das Schrauben einfach."
Deshalb will er Mechatroniker werden, sein Hobby zum Beruf machen. Doch dann hat das Virus die ganze Welt lahmgelegt.

Von einem auf den anderen Tag mussten er und seine Kolleg_innen zu Hause bleiben. Unterricht gab es anschließend nur noch digital. Mit dem Schrauben in der großen Halle war erst einmal Schluss. Das alles hat große Unsicherheiten in ihm ausgelöst.

Mit diesem Gefühl ist der Auszubildende nicht allein. Laut der im Auftrag der IG Metall Jugend von dem Generationenforscher Simon Schnetzer durchgeführten Studie "Plan B", für die im Frühjahr 2021 3.229 Menschen zwischen 16 und 27 Jahren aus den Zielgruppen Auszubildende, dual Studierende und junge Berufstätige befragt wurden, haben 52 Prozent der Teilnehmenden seit Beginn der Pandemie das Gefühl, ihr eigenes Leben nicht mehr kontrollieren zu können. Sage und schreibe 61 Prozent geben an, ihre psychische Gesundheit habe sich während der Pandemie verschlechtert.

Auch Sefkan hat an der Studie teilgenommen. "Ich habe immer ein ungutes Gefühl, wenn ich irgendwo hintendran hänge", sagt er. Abgehängt zu werden, keine Praxis zu haben und dann die Angst, als Ausbildungsjahrgang "unattraktiver" für den Arbeitsmarkt zu sein: Das belaste viele um ihn herum.

"Diese Studie soll weit mehr als ein Datenreport sein", sagt IG Metall-Bundesjugendsekretärin Stefanie Holtz. "Sie soll ein wichtiges Element sein, damit die Stimme junger Menschen gehört werden und ihre Beteiligung Wirkung entfalten kann."

Daher hat die IG Metall Jugend die jungen Leute wie Sefkan so oft wie möglich selbst zu Wort kommen lassen. Und die Auswertung zeigt mehr als einmal: Die Corona-Pandemie hat starke negative Auswirkungen auf die aktuelle Erwerbs- bzw. Ausbildungssituation, das persönliche Wohlbefinden sowie den sozialen Nahbereich und die Zukunftspläne junger Menschen.

Zum Beispiel: Halten Freundschaften der Pandemie stand? Junge Menschen sind es leid, Freundschaften digital zu pflegen. Sie beschränken sich seit über einem Jahr darauf, den Kontakt zu ihren wichtigsten Freund_innen aufrecht zu erhalten, auch wenn es bedeutet, nach einem langen Tag vor dem Bildschirm noch ein weiteres Online-Meeting mit ihnen zu haben.

Kontakte zum erweiterten Freundeskreis haben sich in Pandemie-Zeiten zumeist reduziert: keine Treffen, kein Sport, keine Partys. Es ist ein fortschreitender Prozess der Entfremdung, von dem völlig unklar ist, wie er sich letztlich auswirkt.

Aber gibt es nur Schlechtes zu berichten? Nein! 80 Prozent der Befragten jungen Menschen über alle Zielgruppen hinweg stimmten Aussagen wie "Ich finde es wichtig, eine JAV/einen Betriebsrat zu haben" zu.

In der Rückschau zeigt sich auch, wie wichtig tarifvertragliche Errungenschaften sind, um in Zeiten von Krise und Wandel Stabilität zu geben. Insofern sieht sich die Gewerkschaft darin bestärkt, an ihrer wichtigen Arbeit festzuhalten.

Vor allem aber muss das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zurückkehren. Der Schlüssel, um Vertrauen wieder herzustellen, liegt in der aktiven Beteiligung von Zielgruppen, damit sie für ihre Bedürfnisse Lösungen bekommen, in denen sie sich selbst wiederfinden.

Für die Gewerkschaft ein klarer Auftrag: "Gemeinsam mit den betrieblichen Mitbestimmungsstrukturen müssen nun Zukunftsperspektiven der jungen Generation in Ausbildung, Studium und Beruf geschaffen werden", lautet das Fazit der Studie.

Die IG Metall-Jugend-Studie – wichtige Ergebnisse

Schlimmes 

  • 71% der Befragten geben an, die Situation in der Berufsschule habe sich seit Ausbruch der Pandemie verschlechtert.
  • 65% der dual Studierenden beklagen eine pandemiebedingte Erosion der Ausbildungsqualität in der Hochschule.
  • 63% nennen gute Weiterbildungsmöglichkeiten als besonders wichtig für ihren beruflichen Werdegang. Für gute Perspektiven auf einem schwierigen Arbeitsmarkt muss man gut qualifiziert sein.
  • 57% der Auszubildenden und Berufstätigen geben an, aufgrund der Corona-Pandemie – mindestens zeitweise – ihre berufliche oder Ausbildungstätigkeit ins Homeoffice verlagert haben.
  • 55% klagen darüber, dass sich die Beziehungen zu ihren Freund_innen verschlechtert haben.
  • 53% schätzen, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtern.
  • 51% geben an, dass sich das Gefühl verschlechtert hat, das eigene Leben kontrollieren zu können.
  • 41% beklagen negative Auswirkungen auf die Ausbildungssituation im Betrieb.

Gutes

  • 80% Zustimmung erreichten Aussagen wie "Ich finde es wichtig, eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)/einen Betriebsrat zu haben".
  • 74% halten die Wahl eines Betriebsrats oder einer JAV für die lohnendste Form von Engagement, um persönliche Interessen zu vertreten.

© Stefan Durst

Wir gestalten Zukunft
Von IG Metall-Bundesjugendsekretärin Stefanie Holtz

Die Corona-Pandemie trifft die junge Generation hart. Das wissen wir nicht nur aus unserem persönlichen Erleben oder den Erzählungen von Freund_innen.

Durch unsere Jugendstudie "Plan B" können wir auf Grundlage verlässlicher Zahlen auswerten, wie sich die Pandemie auf junge Menschen in Ausbildung, Studium und den Beginn ihrer Berufstätigkeit auswirkt. Für uns ist klar: Wir werden dafür sorgen, dass alle gut durch die Krise kommen.

Die Herausforderungen sind enorm: Wir müssen um Ausbildungsplätze kämpfen, die Übernahme durchsetzen und Ausbildungsqualität sichern.

Die Ergebnisse der Studie zeigen aber auch: Wir sind Zukunftsgestalter_innen! Junge Menschen können in unseren Strukturen Selbstwirksamkeit erfahren und wachsen.