Deutscher Gewerkschaftsbund

Tarife: Sehr große Spannbreite

Die tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen zeigen erhebliche Unterschiede nach Branche und Region.

Gruppe mit Roboter

© DGB/Simone M. Neumann

Große Spannbreite bei den Vergütungen: Ab 325 Euro geht es los...

Die in Tarifverträgen vereinbarten Ausbildungsvergütungen weisen seit jeher je nach Branche und Region sehr große Unterschiede auf. Die Spannbreite reicht aktuell von 325 Euro pro Monat, die Auszubildende im thüringischen Friseurhandwerk im ersten Ausbildungsjahr erhalten, bis zu 1.580 Euro im westdeutschen Bauhauptgewerbe, mit denen Auszubildende im vierten Ausbildungsjahr vergütet werden. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung von 20 ausgewählten Tarifbranchen.

Große Unterschiede bei den tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen zeigen sich bereits im ersten Ausbildungsjahr: Demnach liegen die Vergütungen in fünf großen Tarifbranchen wie etwa dem öffentlichen Dienst oberhalb von 1.000 Euro pro Monat. In einer ähnlichen Größenordnung bewegen sich die Ausbildungsvergütungen im Versicherungsgewerbe (1.040 Euro) und dem Bankgewerbe (1.036 Euro) sowie in der Metall- und Elektroindustrie und der Chemischen Industrie, wobei hier zwischen den regionalen Tarifgebieten (insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland) noch Gefälle bestehen.

In Branchen wie Landwirtschaft, Floristik, Bäcker- und Friseurhandwerk finden sich noch tarifvertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütungen von unter 700 Euro. Das Schlusslicht bilden die Floristik in Ostdeutschland und das Friseurhandwerk in Thüringen. Sie liegen mit 425 Euro bzw. 325 Euro noch deutlich unter der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung von 515 Euro im Monat, die seit dem 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist.

Ähnlich große Unterschiede zeigen sich auch in den weiteren Ausbildungsjahren. Im dritten Ausbildungsjahr variieren die Ausbildungsvergütungen zwischen 1.475 Euro im westdeutschen Bauhauptgewerbe und 465 Euro im thüringischen Friseurhandwerk. Bundeseinheitliche Tarifregelungen zu den Ausbildungsvergütungen gibt es nur in wenigen Branchen, wie z. B. bei Banken und Versicherungen, dem öffentlichen Dienst, der Druckindustrie, der Deutschen Bahn AG oder dem Bäckerhandwerk.

Nach § 17 Berufsbildungsgesetz haben alle Auszubildenden einen Anspruch auf eine "angemessene Vergütung". Besteht in einer Branche aber ein Tarifvertrag, so müssen sich auch nicht-tarifgebundene Unternehmen an diesem orientieren und dürfen von der tarifvertraglich vereinbarten Ausbildungsvergütung nur bis maximal 20 Prozent nach unten abweichen, wobei zugleich die Mindestausbildungsvergütung einzuhalten ist.


Weitere Infos auf boeckler.de

(aus der Soli aktuell 9-10/2020, Autorin: Soli aktuell)