Deutscher Gewerkschaftsbund

Sozial und digital kämpfen. Die GEWolution

"GEWolution2020" hieß die erste komplett digitale Bundesjugend­konferenz der jungen GEW. Wie sie gelaufen ist, sagt Lisa Lewien.

Lisa Lewien (sitzt unten rechts) gehörte zur hier komplett erschienenen ehrenamtlichen Projektleitung der ­GEWolution2020. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Didaktik der politischen Bildung an der Technischen Universität Dresden mit dem Schwerpunkt Gender und Mitglied im Zentrum für inklusive politische Bildung.

Lisa, ihr habt eure Bundesjugendkonferenz online abgehalten. In Corona-Zeiten ist vieles anders, aber zählt bei so etwas nicht das persönliche Erscheinen?
Natürlich besteht der Kern einer jeden Konferenz aus den persönlichen Begegnungen und dem direkten Austausch. Aber wie wir schon zur Eröffnung gesagt haben: "Physical distancing bedeutet nicht social distancing!" Und keines der Themen hat an Aktualität verloren. Es wäre ein falsches Signal gewesen, die GEWolution2020 mit diesen Themen ersatzlos abzusagen.

Das Motto lautete "Gesellschaft. Macht. Grenzen – Change a Failing System". Das klingt nach richtig Protest…
Das ist es auch! Und den haben wir durch die thematische Auswahl der Angebote deutlich werden lassen. Aktionismus digital in einer Gruppe, die sich nicht kennt und diese Größe hat, zu erzeugen, ist sehr schwer. Daher war unser Ziel bei der digitalen GEWolution, durch Workshops und Vorträge Grenzen der Gesellschaft sichtbar zu machen und zu ermutigen, selbst aktiv zu werden.

Was sind eure zentralen Forderungen nach dieser Konferenz?
Change a failing system! Wenn die GEWolution etwas gezeigt hat, dann, dass wir nach wie vor in einer Gesellschaft leben, in der, unfassbar viele Menschen von Diskriminierung und Ausschluss betroffen sind. Dieses sozial ungerechte System gilt es weiterhin zu bekämpfen und zu revolutionieren.

Wieviel Delegierte und Gäste waren da und wie hat das alles technisch geklappt?
Wir hatten insgesamt 180 Anmeldungen, von denen sich letztendlich 150 auf unserer digitalen Plattform registriert haben. Und soweit wir die Zahlen bisher ausgewertet haben, gab es pro Panel ca. 60 aktive Teilnehmer_innen. Technisch hat aus unserer Perspektive alles super und so wie wir es uns vorgestellt haben, funktioniert. Kleine Probleme gibt es ja immer – aber die sind nicht der Rede wert.

Welchen unschlagbaren Vorteil hat eine digitale Konferenz?
Ich denke, eine digitale Konferenz ermöglicht Menschen eine Teilhabe an solchen Formaten, die sich bei einer Präsenzveranstaltung nicht so lang frei nehmen können oder für die der Ort nicht barrierefrei ist.

Und welchen Nachteil?
Der persönliche Austausch fehlt total. Sowohl für die Teilnehmer_innen, die Referent_innen als auch für die Projektgruppe. Wir wissen nicht, wie die Teilnehmer_innen die Konferenz fanden, und diese konnten sich wiederum schwerer vernetzen.

Wie ist es mit eurer Klientel: Schulen und Universitäten gelten als chronisch unterdigitalisiert. Seid ihr für mehr Computerisierung und gleichzeitig für richtiges Zusammensitzen in Klassenzimmer und Hörsaal?
Das ist ein extrem komplexes Thema. Natürlich sind wir für Digitalisierung, aber nicht der Technik wegen. Wie bei allen Innovationen benötigt es gut ausgearbeitete Konzepte. Corona hat uns gezeigt, dass digitale Lehre maximal eine Ergänzung sein kann, aber das Lernen immer auf persönliches Miteinander angewiesen ist. Weiterhin darf nicht vergessen werden, dass es vor allem auch eine Entscheidung der Eltern ist, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche vor digitalen Geräten verbringen.

Ihr hattet auch ein Wohnzimmer-Konzert mit dem Rapper Sir Mantis. Wie gut geht sowas ab – im Gegensatz zu "richtigen" Auftritten?
Wie bei allen anderen Formaten heißt es auch hier: Ein richtiges Konzert kann dadurch nicht ersetzt werden. Zum Glück hat es der Raum hergegeben, dass sich dort ein paar Menschen aufhalten konnten, die dann (geräuschlos) applaudiert haben. Für uns war es auf jeden Fall ein fulminanter Abschluss. Alle, auch Sir Mantis, fanden es super und die Rückmeldung der Teilnehmer_innen sagen das auch: "Die Beats gingen so nach vorne!"


(aus der Soli aktuell 8/2020, Autorin: Soli aktuell)

Noch mehr Digitalisierung